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Die Chancen stehen gut

03.03.2010 | 07:02 Uhr
Die Chancen stehen gut

Das Telefon in der Redaktion stand nicht still: Oberärztin Dr. Annette Agel, Oberärztin Dr. Jutta Schneider und Chefarzt Dr. Klaus Becker vom St. Clemens Hospitale in Sterkrade stellten sich Fragen rund ums Thema Darmkrebs.

Was Klaus Becker besonders freute: „Der Anruf einer 80-jährigen Dame.“ Die war an Dickdarmkrebs erkrankt und bereits operiert worden. „Sie war mit einer Chemotherapie nachbehandelt worden – die sie übrigens prima vertragen hat.“ Das Beste aber: „Heute fühlt sie sich wieder topfit, geht zum Tanzen und hat unlängst sogar ihren Schwiegersohn in Grund und Boden getanzt.“

Der Chefarzt meint: „Für mich ist diese Frau der beste lebende Beweis dafür, dass eine Chemotherapie auch in hohem Alter noch Sinn macht – es gibt ja leider immer wieder anderslautende Meinungen!“

Dabei sei gerade der Darmkrebs eine Erkrankung, die rechtzeitig erkannt, besonders gut behandelbar sei. „Genau genommen, ist dies eine der wenigen Krebsarten, deren Ausbruch sogar ganz verhindert werden könnte“, sind sich die drei Mediziner einig. Denn über 99 Prozent entstünden aus gutartigen Polypen, die im Rahmen einer Darmspiegelung problemlos beseitigt werden könnten. Noch aber sprechen die Zahlen eine andere Sprache: 70 000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland neu an Darmkrebs, 30 000 sterben. „Das liegt vor allem daran, dass die Vorsorgeangebote zu wenig genutzt werden“, bedauert Becker.

Woran es liegt? „Meist Unwissenheit“, meint Annette Agel, die sich alle Mühe gab, einem 70-Jährigen die Angst vor der Darmspiegelung zu nehmen. „Er meinte, es wäre doch unsinnig, sich einer solchen Untersuchung zu unterziehen, wenn man sich doch gut fühle und keinerlei Beschwerden habe“, berichtet Agel. Die Ärztin aber weiß: „Polypen machen nie Beschwerden -- und doch trägt sie jeder vierte in sich.“

Die Darmspiegelung sei heute längst eine Routineuntersuchung, von der der Patient – dank Schlafbetäubung -- überhaupt nichts mitbekomme. „Die Schlafbetäubung ist übrigens nicht zu verwechseln mit einer Narkose, bei der die Patienten ärztlich überwacht werden müssen“, betont Annette Agel.

Viele Fragen drehten sich auch um die richtigen Nachsorgeabstände. „Wenn keine Polypen gefunden wurden, reicht es, alle zehn Jahre eine Darmspiegelung machen zu lassen“, sagt Jutta Schneider. Wurde allerdings ein Polyp entfernt, empfiehlt die Onkologin: „Dann sollte man nicht länger als drei Jahre warten.“

Ab dem 55. Lebensjahr wird diese Vorsorgeuntersuchung von den Krankenkassen übernommen. Doch leider nimmt sie bislang nur jeder zehnte wahr. Aber auch, wenn sich bereits ein Krebs gebildet hat, sind die Chancen zumindest im Anfangsstadium noch gut.

„Über 90 Prozent der Erkrankten können wir durch eine Operation und eine individuell maßgeschneiderte Nachbehandlung heilen“, versichert Schneider. Dazu gehöre immer auch eine psychologische Betreuung. „Denn die seelische Verfassung spielt natürlich auch immer eine große Rolle“, wissen die Ärzte.

Barbara Hoynacki

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