Designerdrogen sind in Oberhausen auf dem Vormarsch

Michael Mende (links), Leiter des Drogenkommissariats, und sein Stellvertreter Michael Wlodraczak kämpfen gegen Drogen in Oberhausen.
Michael Mende (links), Leiter des Drogenkommissariats, und sein Stellvertreter Michael Wlodraczak kämpfen gegen Drogen in Oberhausen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Speed und Ecstasy sind bei jungen Leuten immer weiter verbreitet. Die Konsumenten wissen oft nicht, welche Chemikalien die Pillen enthalten.

Oberhausen.. Mit Drogen wie Speed und Ecstasy hat die Oberhausener Polizei immer häufiger zutun. Die Fallzahlen bei den Designerdrogen haben 2014 sogar erstmals Cannabis überholt. Von 1400 Delikaten ging es bei rund 600 um synthetisch hergestellte Rauschmittel. Die Dunkelziffer wird aber noch weitaus größer sein, schätzt die Polizei.

Am zweit häufigsten ist mit 530 Fällen Cannabis in der Statistik vertreten. Heroin (120) und Kokain (26) spielen eine untergeordnete Rolle in der Oberhausener Drogenszene. „Synthetische Drogen passen in den Zeitgeist“, erklärt Michael Mende, Leiter des Drogenkommissariat (KK12). Schneller, leistungsfähiger und ausdauernder – das Versprechen Designerdrogen, die eine aufputschende Wirkung haben. Das ist der Grund, warum Speed (Amphetamin) und Ecstasy vor allem bei jungen Menschen beliebt seien.

Drogenküche in Lkw

Die Drogen stammen häufig aus den Niederlanden, wie Michael Wlodarczak, stellvertretender Leiter des KK12, erklärt. Während die Labore vor 20 Jahren noch in Wohnungen untergebracht waren, sind die Drogenköche heutzutage dazu übergegangen, Lkw zu nutzen. So sind sie mobil und können jederzeit den Standort wechseln.

In den vergangenen Jahren bekamen es die Polizeibeamten zudem verstärkt mit sogenanntem „Amphetamin-Öl“ zutun. Dabei handelt es sich um Speed im basischen Zustand – also flüssig. „In einer Cola-Flasche ist es wesentlich leichter über die Grenze zu schmuggeln“, sagt Wlodarczak. Ein Liter Flüssigkeit entspricht ungefähr fünf Kilogramm Speed.

Die Gefahr bei den Designerdrogen geht immer mehr davon aus, dass die Konsumenten nicht wissen, welche Wirkstoffe die Drogen enthalten. Nicht selten sind es Forschungschemikalien, bei denen Langzeitfolgen noch nie untersucht wurden. „Die Menschen machen sich damit selbst zu Laborratten“, warnt Michael Mende.

Verheerender Drogencocktail

Wie verheerend und unberechenbar ein Drogencocktail auf den menschlichen Körper wirken kann, zeigte der Fall einer 29-Jährige Frau, die 2013 während des Festivals „Ruhr in Love“ verstarb. Sie konsumierte sowohl Speed als auch Ecstasy . Vor dem Oberhausener Hauptbahnhof brach sie zusammen, später im Krankenhaus verstarb sie.

Aber auch bei Cannabis sei längst nicht alles pflanzlich. 2013 stellte die Polizei 90 Kilogramm Marihuana aus Albanien sicher, die erheblich mit Pestiziden belastet waren. „Das ist massiv krebserregend“, sagt Wlodarczak.