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Der „schwatte Franz“ aus Oberhausen wird 70

27.02.2016 | 05:00 Uhr
Der „schwatte Franz“ aus Oberhausen wird 70
Immer wieder gerne kehrt Franz Krauthausen ins altehrwürdige Stadion Niederrhein zurück.Foto: Hans-Bernd Reuschenbach

Oberhausen.  Bei Rot-Weiß Oberhausen war der begnadete Kicker Franz Krauthausen Publikumsliebling.Mancher Trainer raufte sich wegen seiner Eskapaden die Haare. Mit Bayern München wurde er Meister.

„Also, dös hätt’ isch nit g’dacht“, ist die Sekretärin der Hebelschule in Schliengen am Südwest-Rand der Republik perplex: RWO-Legende Franz Krauthausen wird heute 70 Jahre alt. An der Schule ist er seit drei Jahren tätig, als „Lehrbegleiter“ der Fußballschule für die Jahrgangsstufen 5 bis 8. Und außerdem trainiert er die Schulmannschaft für „Jugend trainiert für Olympia“. Das macht er an jedem Montag, im Rest der Woche genießt er das Rentner-Dasein. Seinen Geburtstag verbringt er irgendwo – alle Telefonanrufe verhallen im Nirwana. Er wird schon wieder auftauchen. . .

Nicht immer pflegeleicht

An der Brenner-Tankstelle zwischen Österreich und Italien tippte ihm beim Tanken mal jemand auf die Schulter: „Sind Sie nicht der Franz Krauthausen?“ - „Ja sischer dat“, war die Antwort. Das war der Beginn eines wunderbaren Urlaubs, den Krauthausen in einer Villa des Oberhausener Architekten (und Vorsitzenden des VfR 08) Hans Grunauer verbrachte. Gebucht hatte er eigentlich anderswo in Italien, aber das war dann egal.

Die Anekdote ist ein Stück weit typisch für Krauthausen, den „windigen Vogel“, wie sich Willi Abel, heute 85-jähriger ehemaliger Jugendleiter des SC Rot-Weiß an den begnadeten Fußballer erinnert. „Windig“ bezieht sich auf eine gewisse Leichtigkeit des Seins, mit der Krauthausen heute noch beeindruckt, zu aktiven Kicker-Zeiten freilich auch Sorgenfalten in Gesichter trieb. „Da macht ein junger Mann die Nacht zum Tage“, zürnte einst der Sportredakteur Friedrich W. Demond über eine weitere Eskapade des Tag und Nacht lebenden Fußballers, dem der sonst so strenge „Pascha“ Peter Maaßen sogar verzieh, dass man ihn bisweilen frühmorgens auflas.

Ja, er war nicht immer pflegeleicht, der Franz. Aber er hatte es auch nur bei einer Disziplin im Leben leicht, Fußballspielen. Als Achtjähriger – von Alstaden fortgezogen nach Jülich – fing er an mit der Kickerei, spielte als B-Jugendlicher in der A-Jugend des SC Jülich 10, als A-Junior in der „Ersten“ und als gerade 19-Jähriger beim 1. FC Köln. Das ging schnell, alles, zu schnell? Bekannt ist, dass er in Köln dem „Boss“, Franz Kremer, gleich unangenehm aufgefallen war: Am Tag nach der Vertragsunterzeichnung fuhr Franz mit einem Porsche vor. Das sah man 1965 nicht so locker wie heutige Lamborghini- und Ferrari-Eskapaden.

Rheinische Frohnatur

Und zurück in der Heimat, beim SC Rot-Weiß, wurde der „Schwatte“ rasch der Liebling. Nicht nur unwiderstehliche Dribblings und knallhartes Zweikampfverhalten machten ihn populär, auch der Hang zum leichten Leben unterstrich die ausgesprochene Volkstümlichkeit einer rheinischen Frohnatur. Der Aufstieg in die Bundesliga 1969 ging mit auf sein Konto, und zwischendurch hatte sich sogar Helmut Schön gemeldet. Einladung zum 40er Kader zur Vorbereitung der Weltmeisterschaft in Mexiko 1970, aber Krauthausen kickte am Sonntag in der Regionalliga West gegen den VfR Neuss und wurde bespuckt – zwei Minuten später flog er vom Platz, am Montag kam die Ausladung. . .

Es gäbe noch so viel zu erzählen, Deutsche Meisterschaften mit dem FC Bayern mit Breitner, Hoeneß, Beckenbauer, Maier & Co, Auftritte im Europapokal und nach zwei Jahren Flucht vor den Bayern, weil es keine Stammplatzgarantie gab. Schalke 04, großer Name, übergroße Ansprüche, völlige Fehleinschätzung, Franz: „Ich sollte Nachfolger von Klaus Fischer sein. Ging doch gar nicht.“ Verletzungen, finanzielle Miseren, Wechsel in die USA mit wechselnden Vereinen (u.a. mit Eusebio und „Sprotte“ Sühnholz bei den Las Vegas Quicksilvers), zwischendurch ein paar Monate bei Sterkrade 06/07 – und immer gute Laune, und immer gute Freunde, und irgendwann war alles vorbei und er landete schließlich im Südschwarzwald, hauptberuflich Bademeister, nebenher Fußball. Renate Sudhölter von den Sportfreunden Schliengen (Südbaden-Meister im Frauenfußball) erinnert sich: „Er war der beste Trainer, den wir je hatten, aber er hat ja nie einen Trainerschein gemacht.“

Bald wieder in Oberhausen

Bald wird er mal wieder nach Oberhausen kommen, Wolfgang Feldmann von der Traditionsgemeinschaft und Sportbereichsleiter Bernd Reuschenbach halten den Kontakt, Feldmann: „Ich will ihn zum Wattenscheid-Spiel einladen, dann kommen auch Lothar Kobluhn und Hannes Bongartz.“ Und die Luft wird heiß sein von alten Geschichten. Glückwunsch, Franz!

Gustav Wentz

Kommentare
27.02.2016
11:05
Der „schwatte Franz“ aus Oberhausen wird 70
von EinZuruf | #1



Happy Birthday!


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Der „schwatte Franz“ aus Oberhausen wird 70
Der „schwatte Franz“ aus Oberhausen wird 70
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http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/der-schwatte-franz-aus-oberhausen-wird-70-id11602805.html
2016-02-27 05:00
Oberhausen, Fußball, RWO, Franz Krauthausen, Bernd Reuschenbach,
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