Der Präsident spricht aus der Mülltonne

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Was wir bereits wissen
Die Karnevalsgesellschaft mit der ungewöhnlichsten Bütt feierte im Ebertbad in Oberhausen. Albatrosse sorgten als Stimmungsband für Rückenwind.

Oberhausen..  Manchmal müssen auch die sportlichsten Beine einmal pausieren: Das Wasserglas macht auf der Bühne des Ebertbads die Runde. Die Mädels der Liricher Karnevalsgesellschaft „Die Müllschlucker“ verschnaufen kurz nach ihrem umjubelten Gardetanz und sammeln Kraft für die Zugabe. Die Kostümsitzung der Gesellschaft, die 1972 von Beschäftigten der Müllverbrennungs-Anlage (GMVA) gegründet wurde, ist längst nicht nur eine Schau von bunten Kostümen, vom Treffen von Cowboys auf Indianern, sondern auch ein Beweis, dass der Tanzsport tief im Brauchtum verankert ist.

Eine, die dies nur zu gut zu schätzen weiß, ist Heike Veenhues. Sie verabschiedete sich zuletzt nach Querelen als Vize-Präsidentin aus dem Vorstand des Stadtsportbundes (wir berichteten). Ihre neue Aufgabe hat sie nun bei der Narretei gefunden. Im Liricher Verein wirkt Veenhues mittlerweile als 1. Vorsitzende und hat den körperlichen Anspruch des Gardetanzes längst erkannt. „Das sind sportliche Spitzenleistungen, die auf den Bühnen vollzogen werden. Sie erfordern ein ganzjähriges Training und eine Menge Ehrgeiz“, sagt Veenhues. Mit ihr wirken im Vorstand der Müllschlucker gleich sieben Frauen. Neben den Tanzgarden gibt es in Lirich außerdem zwei Tanzmariechen: Leonie und Julia.

Litfaßsäulen locken Blicke an

Applaus dafür. Die Narren feiern im ausverkauften Ebertbad mit reichlich Schwung. Die Albatrosse sorgen als rheinische Stimmungsband denn auch für genügend Rückenwind. „Wer schunkeln kann, der sollte sich jetzt bewegen!“, sagt die Kapelle und hat einen Narrenplan. Nur gut, wer ein flexibles Kostüm gewählt hat. Litfaßsäulen locken viele Blicke und verdiente Komplimente an, für ein bewegliches Feiern sind solche Hingucker allerdings ungeeignet. Der Klassiker „Prinzessin“ ist in der Kostümsaison dagegen wieder gefragt. Klar, wer setzt sich nicht gerne die Krone auf? Mit einem Dschungelkönig möchte aber keiner verwechselt werden. Irgendwo hört der Spaß zum käferhaltigen Fernsehprogramm dann doch auf.

Viel besser passen Verbindungen zum Stadtgeschehen: Die „Chicititas Abba Show“ zaubert nicht nur bekannte schwedische Ohrwürmer ins Bad, sondern passt gut zum neuen Musical-Programm, das künftig in der Neuen Mitte aufgeführt wird.

Den besten Platz des Abends erwischt Sitzungspräsident Ronald Kram: Er scherzt und moderiert, wie es bei den Müllerschluckern fester Brauch ist, aus einer Mülltonne heraus. Auf die wohl ungewöhnlichste Bütt des Landes sind die Liricher stolz.