Der Macher des Oberhausener Centros braucht kein "Schischi"

Computer, Wasser und viele Papiere: Von diesem einfachen Schreibtisch aus steuert Frank Pöstges-Pragal das größte Einkaufszentrum Europas.
Computer, Wasser und viele Papiere: Von diesem einfachen Schreibtisch aus steuert Frank Pöstges-Pragal das größte Einkaufszentrum Europas.
Foto: Alexandra Roth
Was wir bereits wissen
Eine neue Serie berichtet über die Geheimnisse der Chef-Büros: Heute Frank Pöstges-Pragal - der Geschäftsführer des größten Einkaufszentrums Europas.

Oberhausen.. Von seinem Büro aus kann Frank Pöstges-Pragal direkt auf den letzten Abschnitt der Centro-Promenade schauen. Der 49-Jährige ist der Centermanager in Europas größtem Einkaufszentrum.

Das Büro ist lichtdurchflutet. Durch die große Fensterfront beobachtete Frank Pöstges-Pragal einmal sogar, wie zwei Jugendliche einer Frau die Handtasche stahlen. Er rief sofort den Sicherheitsdienst. Dieser schnappte die Jungs und gab der Frau die Handtasche zurück.

Schreibtisch klein und pragmatisch

Von dem Treiben im Einkaufszentrum ist in dem Büro, das direkt über dem Imbiss-Rund „Coca-Cola-Oase“ liegt, aber nicht viel zu hören. Der Ort seiner Arbeit mag ungewöhnlich sein, aber letztlich ist es ein ganz normales Büro. Nicht umsonst betont der Manager, dass er ohne viel „Schischi“ auskommt. Er will kein Frühstücksdirektor sein, der sich seine Telefonate von der Vorzimmerdame durchstellen lässt. „Da greife ich lieber selbst zum Hörer“, sagt er. Das Wort „Vorzimmerdame“ ist bei ihm ohnehin verpönt: „Es ist meine Assistentin, die mir wichtige Aufgaben abnimmt.“

Seine Haltung, bei der Wortwahl nicht zu sehr die Chef-Position zu betonen, zieht sich auch durch die Einrichtung. In seinen Räumen befindet sich derselbe grüne Teppich, wie in allen anderen Büros des Centermanagements. Der Schreibtisch ist klein und pragmatisch.

Von Drillingen am Telefon erfahren

Das einzig Auffällige ist ein Original-Bild vom Pop-Art-Künstler James Rizzi. „Für mich ist es eine bleibende Erinnerung an das Kulturhauptstadt-Jahr 2010“, erläutert er. Damals gestaltete der mittlerweile verstorbene Künstler das Centro um. Zur „Ruhr 2010“ wurde aus dem Einkaufszentrum ein großes Pop-Art-Werk. Das Bild im Büro war ein Teil davon. „Es entspricht von der Abmessung einem Glasfenster im Mitteldom“, erklärt Frank Pöstges-Pragal. Aber auch hier hebt sich sein Büro nicht von den anderen ab. Denn: Überall in den Räumen hängen Rizzis Bilder.

Einmalig sind die Bilder seiner Familie, die dem Centro-Chef besonders wichtig ist: „Jedes Jahr schenkt mir meine Frau ein neues Bild“, sagt er, „das hat bei uns schon Tradition.“ Zu sehen sind Fotos seiner Drillinge. Von ihrer Geburt erfuhr er übrigens auch am Schreibtisch in seinem Büro. „Meine Frau fragte mich, ob ich sitze“, erzählt er, „dann sagte sie mir, dass wir gerade Drillinge bekommen haben.“ Vor eineinhalb Jahren kam dann das vierte Kind.

Familie als Stütze

Auch Malereien des Nachwuchses hängen im Büro. Zur Fußball-Weltmeisterschaft haben zwei der Drillinge die Nationalmannschaft gemalt. „Die Zahlen sind noch spiegelverkehrt, weil sie die selbst noch nicht schreiben können und abgepauscht haben“, sagt Frank Pöstges-Pragal und lächelt. Über die Familie spricht er gern.

Deswegen ist es in gewisser Weise symbolisch, dass die Bilder der Familie an der Wandsäule hängen – und er dazu sagt: „Sie ist meine Stütze, wenn es mal stressig wird oder ich einen schlechten Tage habe.“