Der höhergelegte Abwasserkanal
18.02.2010 | 21:06 Uhr 2010-02-18T21:06:00+0100
Die unbemannte Raumfahrt gilt gemeinhin als Meilenstein für die Weltraumforschung. Die unbemannte Kanalfahrt dagegen steckte bislang in den Kinderschuhen. Letzeres hat sich geändert, und das wiederum könnte ein Meilenstein für Oberhausen werden.
Denn dass ein unbemannter Roboter 1,2 Kilometer des geplanten geschlossenen Emscher-Abwasserkanals bewältigen kann, könnte in unserer Stadt zwischen acht und zwölf Schachtstandorte der Abwasserleitung überflüssig machen. Bei der Planung war man noch von nur 600 Metern maximaler „Befahrungslänge“ für den Roboter ausgegangen.
Politiker vor Ort hatten immer wieder angemahnt, das Generationenprojekt, das einschließlich der naturnahen Gestaltung des Flusslaufs erst 2020 abgeschlossen sein soll, den technischen Entwicklungen anzupassen. Genau das passiert gerade. Das Fraunhofer Institut hat den Inspektions-Roboter mit dem „längeren Atem“ entwickelt. Die Emschergenossenschaft hat sich daraufhin ihre bereits genehmigten Pläne nochmal vorgenommen und auf mögliche „Optimierungen“ untersucht. „Insbesondere dort, wo wir Konfliktpunkte haben“, sagt Thomas Fock, Geschäftsbereichsleiter Unternehmensstrategie bei der Emschergenossenschaft, und nennt den Schachtstandort an der Königschule in Biefang als Beispiel. Der könnte nämlich verlegt werden, wenn die neuen Pläne, die er gestern zusammen mit seinem Kollegen Reinhard Ketteler im Umweltausschuss vorstellte, in die Tat umgesetzt werden. „Unsere Planungen gehen dahin.“
Bis zum Sommer könnten sie soweit ausgereift sein, dass sie in einen Planänderungsantrag mündeten, schätzen die Emscher-Experten. Die Änderungen umfassen längst nicht nur den Schacht an der Königstraße, sondern weitaus umfangreichere Maßnahmen. Daher werde es bei einer Änderung wiederum eine Bürgerbeteiligung geben, verspricht Fock.
So erwäge die Genossenschaft als Bauherrin beispielsweise, das dritte, für die Emschermündung in Dinslaken geplante Pumpwerk, welches das Abwasser aus rund 40 Metern Tiefe hochpumpen soll, nach Oberhausen zu verlegen. Als möglichen Standort hat man sich den Beginn des Holtener Felds in Biefang an der Flugstraße ausgeguckt. Käme es zu dieser Lösung, könne man bis Dinslaken andere Rohre in geringerer Tiefe (drei bis acht Meter) verlegen. Diese könnten anders entlüftet werden, und das führe dazu, dass die Schachtstandorte mit Kaminen, die entlang des Holtener Felds für Proteste sorgten – und gleichwohl inzwischen genehmigt sind, also gebaut werden könnten – ebenfalls entfallen würden.
Für das Pumpwerk, neben der Wohnbebauung und gegenüber dem Oxea-Werk gelegen, gebe es noch keine konkreten Vorstellungen. In Gelsenkirchen, wo ein solches entsteht, sei der Bau über einen Architektenwettbewerb gestaltet worden, erklärt Fock, und regt einen solchen auch für Oberhausen an.
Der „höhergelegte“ Abwasserkanal würde nach dem Modell übrigens nicht mehr dem heutigen Verlauf der Emscher folgen, sondern in einer weiteren Stufe an den neuen Deich angegliedert, der die Emscheraue rund ums Holtener Feld begrenzt.

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