Der große Aufschrei bleibt aus

diskutierte mit Osterfeldern auch übers ÖPNV-Netz. Foto: Gerd Wallhorn
diskutierte mit Osterfeldern auch übers ÖPNV-Netz. Foto: Gerd Wallhorn
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Beteiligung am ersten Bürgerforum fällt gering aus. Mit konkreten Fragen kommen die Osterfelder. Der Tenor: Hände weg von Bädern und Bibliotheken

Oberhausen.. Der große Aufschrei gegen die 213-Punkte lange Liste mit Sparvorschlägen: Beim ersten Bürgerforum blieb er aus. Nur wenige Bürger fanden überhaupt den Weg in das Zelt, das die Verwaltung am Montagnachmittag auf dem Marktplatz in Osterfeld aufgebaut hatte. Viele kamen mit individuellen Fragen und konkreten Vorschlägen, die meisten, um leidenschaftlich Partei für ihre Stadtteilbibliotheken und Schwimmbäder zu ergreifen. Nur vereinzelt waren hitzige Grundsatzdiskussionen zu hören.

Der Blick ins Bürgerzelt – er war ein ungewohnter. Keine frontale Podiumsdiskussion, stattdessen hatte sich die komplette Stadtspitze mit einem ganzen Gefolge von Fachbereichsleitern und Mitarbeitern um Stehtische aufgestellt. In fünf kleineren Foren sollten Bürger direkt mit den Verantwortlichen diskutieren, Vorschläge, Kritik – und vereinzelt auch Lob – schrieben sie auf farbigen Karteikärtchen auf. Diese will die Verwaltung in der Beratung um die Sparvorschläge mit berücksichtigen.

„In den Bibliotheken wird auch Integrations- und Jugendarbeit gemacht, sie sind in sozialen Brennpunkten wichtig“, stimmte Karin ten Have (45) den Tenor an: Hände weg von den Büchereien. Klaus Weinberg (60) mahnte: „Dass gespart werden muss, wissen wir ja. Aber beachten Sie die Schmerzgrenze!“ Um die Bibliotheken zu erhalten, so viele, könnten die Gebühren erhöht werden.

Eine Schließung des Hallenbades in Sterkrade, Richard (12) macht sehr deutlich: Nein. „Nur fürs Bahnenschwimmen ist der Aquapark zu teuer.“ Überhaupt war die Kritik groß an möglichen Kürzungen von Bildungs- und Jugendangeboten. „Bildung ist unerlässlich“, diktierte eine Seniorin dem Kämmerer Apostolos Tsalastras. Befürworter fand die Idee, dass Erwachsene Eintritt im Kaisergarten zahlen sollten. Mehr Ehrenamtliche in der Grünpflege, ja, aber nur, wenn die Stadt mehr Unterstützung bietet, lautete eine Forderung. Weniger teuere Gelenkbusse auf kaum genutzten Strecken, der nächste. Und die Befürchtung wurde laut: Müssen Vereine bald selbst für die Straßenreinigung nach großen Festen zahlen?

Wirklich frustriert zeigten sich nur wenige Bürger. Für Andrea Fiori (55) etwa war das Bürgerforum eine „Alibiveranstaltung“, von der Politik ist sie enttäuscht: „Über die eigentlichen Ursachen der Misere werden wir nicht ins Bild gesetzt.“ Auch ihr liegen die Bibliotheken besonders am Herzen.

OB Klaus Wehling war zufrieden mit dem ersten Forum – trotz geringer Beteilgung: „Wir haben eine ganz neue Form gewählt, an die müssen sich Bürger auch erst einmal gewöhnen. Es ist aber beachtlich, wie viele Anregungen wir bekommen haben.“