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Theater

Der Faust in der Tasche

18.01.2010 | 18:50 Uhr
Der Faust in der Tasche

Mittwoch zeigt Fernsehschauspieler Haydar Zorlu Goethes Klassiker am Theater als Solo in 80 Minuten.

Ach, was hat er nicht alles studiert. Unter anderem Jura und Germanistik. Klüger als zuvor dürfte es ihn auch ohne Abschluss gemacht haben. Sonst würde sich Haydar Zorlu wohl nicht daran trauen, aus Goethes „Faust” ein Schauspielsolo für sich selbst zu machen. Wenn er darüber erzählt, wie das zustande kam und wie er am morgigen Mittwoch 80 Minuten lang die nackte Bühne des Großen Hauses am Oberhausener Schauspiel faustdick füllen will, wirkt das so ernst und so leicht zugleich, ja, so logisch, dass man glatt die jahrelange Arbeit vergessen könnte, die dahinter steckt.

„Ich bin geboren in beiden Welten. Ich kann das nicht trennen. In der Sprache ja, im Leben nicht”, sagt Zorlu, der in Köln lebt, zu seinen Wurzeln. Mit dem Erlkönig fing's in einer Kölner Hauptschule so gut an, dass er danach in Porz tatsächlich ein deutsches Abi baute. „Da lernte ich Werther kennen”, spricht er von der Figur als einem „Freund” aus Teenager-Tagen. Als Student hörte er vom Faust, und als er schließlich den genialen Gründgens-Film sah, war's um den Lernenden geschehen.

Film und Fernsehen konnten den Faust nur vorübergehend verdrängen. Der Leitungsnachweis seit Anfang der 90er Jahre mit Tatort, Küstenwache, Forsthaus Falkenau, Ein starkes Team, Ein Fall für Zwei und so weiter liest sich wie eine Reise durch die deutsche TV-Landschaft. Die Miete konnte er bezahlen, der Faust blieb vorerst in der Tasche. Doch im vergangenen März war es soweit, der heute 42-Jährige beschloss: „Jetzt will ich wieder Schauspieler sein, die tatsächliche Arbeit an einem Werk zeigen.” Warum gerade Faust, warum solo? „Ich bin hin und weg von diesen Versen”, sagt er nach zehn Jahren Beschäftigung mit der anfangs für ihn oft „unverdaulichen” Vorlage. Und: „Schauspielerei beginnt da, wo man nichts mehr erzählen kann.”

Rasante Rollenwechsel, zeitlos schöne Verse, Bekenntnisse von Faust, Mephisto, Gretchen füllen daher den Solo-Abend, der ohne Kulisse und Requisiten auskommt. „Es ist alles im Kopf”, sagt der Schauspieler. Und ergänzt: „Ich sehe das als Einführung.” Eine intensive, die Lust machen könne auf mehr.

Bei Zorlu jedenfalls scheint das so gewesen zu sein. Er hat auch eine Faust-Fassung in türkischer Sprache geschrieben, die er gerade in Istanbul probt und die im März in Oberhausen zu sehen sein wird. Aber das ist im Grunde genommen eine andere Geschichte.

Großes Haus, Mittwoch, 20. Januar, 19.30 Uhr. Karten: 13 Euro, 85 78-184.

Michael Nicolas

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