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Der Anfang, nicht das Ende

10.03.2010 | 13:02 Uhr
Der Anfang, nicht das Ende

„Ich bin nicht jemand, der auf die Rente wartet“, sagt Arvid Domdey. Der dynamische Mann mit dem freundlichen Lächeln und grauen Haar ist 59 Jahre alt – und Jungunternehmer.

Mit seiner Frau Gabriele betreibt er jetzt den „Krümel-Shop“ auf der Hermann-Albertz-Straße. Gleichzeitig ist er „bei Herrn Hartz angestellt“, wie Domdey es augenzwinkernd ausdrückt.

Es war das Jahr 2002, in dem Arvid Domdey bei der Dichtungsfabrik Kempchen gekündigt wurde. Die Firma musste Personal einsparen. Erst übernahm ihn eine Auffanggesellschaft, danach machte er sich als Handelsvertreter von chemischen Produkten selbstständig. Doch das Geschäft war nicht erfolgreich. Dann fand Domdey nach 37 Jahren seine Jugendliebe Gabriele wieder. Die Altenpflegerin war aus gesundheitlichen Gründen aus dem Beruf ausgeschieden. Gemeinsam übernahmen sie einen Baby-Secondhand-Laden in Altenessen. „Wir haben beide drei Kinder, sind Großeltern von fünf Enkeln, wir dachten, das passt.“

Irgendwann musste Gabriele dann den Antrag auf ALGII stellen, und „auf einmal waren wir eine Bedarfsgemeinschaft“. Hartz IV – für viele ist das ein schreckliches Stigma, für Domdey ist es fast das Beste, was ihm in der Situation passieren konnte. Erst wollte die Arge Soda den 59-Jährigen zu Vorstellungsgesprächen schicken, doch Domdey erzählte von dem Babyladen (mittlerweile mit Oberhausener Adresse), der über seine Frau lief. „Herr Meininghaus vom Team 5 hat sich sofort gekümmert, mich zum Gründungsseminar in der Westakademie in Essen angemeldet, den Kontakt zum Weiterbildungsinstitut hergestellt, sich das Ladenlokal angeschaut.“

Domdey wurde wieder Gründer, unterstützt mit Einstiegsgeld von der Arge. Mit allem Drum und Dran: Businessplan, Gesellschaftervertrag, Liquiditätsplan. In der neu gegründeten Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) mit seiner Frau wird er sich nun um das Neuwarengeschäft und den Internetversand kümmern. Denn neben der Kinderkleidung in Kommission verkaufen die Domdeys auch polnische Kinderwagen, französische Autositze und handgenähte Krabbelpuschen.

Nebenbei hält der Großvater auch Vorträge zum sicheren Umgang von Großeltern mit ihren Enkeln, repariert Kinderwagen oder füllt „Krümol“ ab, das hauseigene Schmierfett für ebenjene. Seit das Geschäft von der Friedenstraße an die Hermann-Albertz-Straße umgezogen ist, finden deutlich mehr Kunden in den Laden. „Bis Ende des Jahres wollen wir aus Hartz IV rauskommen“, haben sich die Domdeys vorgenommen - und momentan sieht es mit dem Plan gut aus. „Hartz IV“, sinniert der Alt-Jung-Unternehmer, „ist nicht das Ende. Aber das wissen die meisten nicht“.

Geraldine Lakermann

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