Der 2010-Kalender
15.11.2009 | 16:33 Uhr 2009-11-15T16:33:00+0100
Mit dem neuen Kalender „Kunst im Ruhrgebiet” verweist die Galerie Kir zum Preis von 20,10 Euro auf das Kulturhauptstadtjahr. Die Verbindung zum Ruhrgebiet sind die zwölf beteiligten Künstler, die aus der Umgebung kommen oder emotionale Bindung durch regelmäßige Ausstellungen entwickelt haben.
Hätten die hiesigen Finanzbosse mehr Zeit in die Bibelforschung investiert, würden die Menschen mit der Wirtschaftskrise möglicherweise immer noch das Jahr 1929 verbinden. Zumindest ist dies die künstlerische Botschaft von Walter Kurowski.
„Schon der Turmbau zu Babel hat den Untergang des Wirtschafts- und Finanzwesens vorweggenommen”, erklärt „Kuro” die Botschaft seines Werks, auf dem der massive Turm vor sterilen Hochhäusern zu sehen ist. Sie stehen für die „expandierenden, arroganten Bankbosse und deren Größenwahnsinn.” Das Kunstwerk ist Teil eines Kalenders „Kunst im Ruhrgebiet 2010”, den die Galerie „Kir” mit Hilfe der Stadt zum Kulturhauptstadtjahr herausgibt.
Anders als der Titel vermuten lässt, geht es jedoch nicht darum, das Ruhrgebiet zu thematisieren. Es gäbe genügend Werke, auf denen die verschiedenen Fördertürme gezeigt würden, bilanziert Jan Arlt, der für die technische Produktion zuständig war. Die Verbindung zum Ruhrgebiet sind die zwölf beteiligten Künstler, die aus der Umgebung kommen oder emotionale Bindung durch regelmäßige Ausstellungen entwickelt haben.
Arlt hat das Motiv zum Monat März beigesteuert, eine in bunte, schrille Farben gehüllte Kugel auf einer abfallenden Fläche: „Ich wollte mathematische Prinzipien, wie Linie und Kreise, Einfachheit und Komplexität zeigen.” Wie passt das zu der gesellschafspolitischen Kritik an den Finanzbankern? Gar nicht: „Es wurde bewusst kein Thema vorgegeben”, so Arlt.
Nicht festgelegt
Die Werke folgender Künstler sind im Kalender „Kunst im Ruhrgebiet 2010” zu sehen:
Hans-Peter Auler, Raghad, Jan Arlt, Walter Kurowski, Maria Giménesz, Helge Schneider, Klaus Staeck, Vasco Manhica, Christoph Schlingensief, Hilde Arlt-Kowski, Werner Nekes und Hildegard Hugo. Insgesamt 1000 Exemplare sind in der Galerie Kir erhältlich. Ein Verkauf im Internet über www.noreal.org ist in Planung.
Dementsprechend vielfältig ist das Ergebnis: lyrische Motive, Skulpturen, kritische Auseinandersetzungen mit aktuellen politischen Themen und Fotografien schmücken die Monate. Festgelegt haben sich auch die Künstler nicht, denn viele sind außerdem Musiker, Wissenschaftler, Philosophen oder bisweilen Humoristen wie Helge Schneider. Schräg ist sein Kunstwerk – im doppelten Sinn. „Traumhaus” zeigt ein surreales, farbenfrohes Haus, dessen umsäumende Pflanzen bis zum Dachgeschoss des Gebäudes ragen und fällt durch scheinbar willkürliche Proportionen deutlich aus dem Rahmen.
Den rahmenden Abschluss des Kalenders bildet das einzige Ruhrgebietsmotiv: Eine Duisburger Nachtaufnahme, bei der „die Kamera als Pinsel dient”, wie Hildegard Hugo erklärt. Denn die Lichter im Vordergrund wirken verschwommen – passend zum Monat „wie ein Feuerwerk”.
Eine zündende Idee kam der Initiatorin Hilde Arlt-Kowski bei der Preisfrage. Denn selbst der Preis weist hin: Für 20,10 Euro ist der Kalender zu haben.

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