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Depressive warten in Oberhausen zu lange auf Termin beim Psychotherapeuten

20.09.2011 | 18:35 Uhr
Depressive warten in Oberhausen zu lange auf Termin beim Psychotherapeuten
Depression weiter auf dem Vormarsch: In Oberhausen werden aber rund 21,5 Prozent weniger Menschen aufgrund von psychischen Störungen als arbeitsunfähig erklärt als in ganz Deutschland. Fotos: Tom Thöne

Oberhausen.Wer an einer psychischen Störung leidet, wird in Oberhausen häufig falsch diagnostiziert und behandelt. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsbericht der Barmer GEK hervor, der kürzlich in Berlin vorgestellt wurde. Dietmar Zehentner, Geschäftsführer der Barmer Oberhausen, warnt: „Wir brauchen dringend mehr niedergelassene Psychotherapeuten in dieser Stadt.“

Dem Barmer-Gesundheitsbericht liegen die Krankschreibungen von bundesweit über drei Millionen Versicherten zwischen 15 und 64 Jahren zugrunde. In Oberhausen ist jeder Sechste bei der Gesundheitskasse versichert (35 000, davon 21 000 Beitragszahler). Wenn sie vom Arzt als arbeitsunfähig erklärt werden, erhält die Kasse dazu die entsprechende Diagnose-Erläuterung. Über das Jahr 2010 erfasst hat die Barmer aus diesen Bescheiden nun eine Art Landkarte erstellt, die Auskunft über den Gesundheitszustand in den einzelnen Kommunen, aber auch über Lücken in der medizinischen Versorgung gibt.

Erkrankte müssen häufig Monate auf einen Termin warten

In Oberhausen werden demnach rund 21,5 Prozent weniger Menschen aufgrund von psychischen Störungen als arbeitsunfähig erklärt als in ganz Deutschland. Man wisse aber, dass in dieser Stadt ähnlich viele Menschen erkrankt seien wie in anderen Großstädten, sagt Zehentner – deutschlandweit soll allein die Anzahl erkannter Fälle von Depressionen seit 2007 um zwölf Prozent angestiegen sein, NRW liege noch einmal vier Prozent über dieser Steigerung, so Zehentner. Psychische Störungen machten 2010 fast 19 Prozent aller Krankschreibungen in NRW aus (Bund: 16,5).

„Weil in Oberhausen die niedergelassenen Therapeuten fehlen, müssen Erkrankte oft Monate auf einen Termin warten, geben schnell auf und werden eher wegen ihrer körperlichen Symptome als der eigentlichen Erkrankung arbeitsunfähig geschrieben.“ In Mülheim, Essen und Oberhausen (Meo-Region) arbeiten nach Zehentners Angaben knapp über 100 Psychotherapeuten, in Oberhausen seien rund 20 Psychotherapeuten beschäftigt - die meisten von ihnen in Krankenhäusern. „Die Schwelle, sofort ins Hospital zu gehen, ist aber sehr hoch.“

„Wir brauchen dringend mehr niedergelassene Psychotherapeuten in dieser Stadt“, sagt Barmer-Geschäftsführer Dietmar Zehentner.

Den Fachkräftemangel macht Zehentner auch daran fest, dass in Oberhausen überdurchschnittliche viele Menschen an Muskel- oder Skeletterkrankungen leiden. Auch damit fällt Oberhausen aus dem Landestrend.

Dafür gehen Diabetes-Zahlen zurück

In NRW werden verhältnismäßig wenige Menschen etwa wegen Rücken- oder Gelenkschmerzen krankgeschrieben; knapp 2,4 Prozent liege das Land unter dem Bundesdurchschnitt, so Zehentner. In Oberhausen sind es hingegen rund zehn Prozent mehr, zudem blieben Patienten oft länger krank: „Nur ihre Symptome werden therapiert, nicht allerdings die eigentliche Depression, die hinter den Schmerzen steckt.“

Positive Nachrichten gibt es aber auch: „Die Fallzahlen von Diabetes gehen in Oberhausen zurück.“ 2010 waren vier Prozent weniger Oberhausener aufgrund dieser Stoffwechselkrankheit arbeitsunfähig geschrieben als durchschnittlich in Nordrhein-Westfalen.

Stephanie Weltmann

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Kommentare
21.09.2011
20:03
Depressive warten in Oberhausen zu lange auf Termin beim Psychotherapeuten
von jostel | #1

Hier wird der Eindruck erweckt, der Mangel an qualifizierten Psychotherapeuten beruhe auf einem Fachkräftemangel. Dies ist jedoch ein grober Irrtum. Die nicht nur in Oberhausen viel zu geringe Zahl an Psychotherapeuten beruht ganz eindeutig auf der unverständlichen und nicht logisch begründbaren Bedarfsplanung des gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). Hier sind auch Vertreter der Krankenkassen Mitglied.
Die Zahl von 20 Psychotherapeuten in Oberhausen, die noch dazu in der Mehrzahl an Klinken arbeiteten, ist dagegen zu gering angesetzt. Schon die niedergelassenen ärztl. und psychologischen Psychotherapeuten sind in Oberhausen deutlich über 20. Jedoch ist auch diese Zahl noch viel zu gering für den ständig wachsenden Bedarf.
In Oberhausen darf sich zur Zeit kein Psychotherapeut mehr niederlassen, da Oberhausen offiziel als überversorgt gilt. Die Niederlassung der Psychotherapeuten ist der Bedarfsplanung untergeordnet, die vom GBA festgeschrieben wird. Überversorgt ist ein Gebiet, wenn der bedarfsgerechte Versorgungsgrad für den Versorgungsbereich um mehr als 10 v.H. überschritten ist. Offiziell, d. h. durchaus auch aus Sicht der Krankenkassen geht man also von einem Überangebot an Psychotherapeuten aus, weshalb sich in Oberhausen derzeit gar kein Psychotherapeut mehr niederlassen darf. Es liegt auf keinen Fall daran, dass es zu wenige Psychotherapeuten gebe, viele Absolventen der Psychologie mit Zusatzausbildung in Psychotherapie finden im Gegenteil keine Sitz zur Niederlassung.
Ich habe mich über diesen Bericht, der leider jeglicher Sachkunde entbehrt, mehr als gewundert. Dieser Bericht ist sicher für eine bessere psychotherapeutische Versorgung der Oberhausener Bevölkerung nicht hilfreich.
Ich bin niedergelassener Psychotherapeut in Oberhausen.

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