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Depressionen und Burnout

21.01.2010 | 12:00 Uhr

Depressionen und das Burnout-Syndrom werden immer mehr zu Volkskrankheiten.

Depressionen, Burnout-Syndrom – Krankenkassen und Rentenversicherungsträger weisen darauf hin, dass psychische Erkrankungen in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. WAZ-Redakteurin Barbara Hoynacki sprach mit Prof. Matthias Rothermundt, dem neuen Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Johanniter Krankenhaus Sterkrade, über die Hintergründe.

Depression, Burnout-Syndrom sind das nicht zwei Seiten ein- und derselben Erkrankung?

Rothermundt: In Bezug auf die Symptomatik haben Depression und Burnout-Syndrom viele Gemeinsamkeiten. In beiden Fällen sind Menschen an ihre Grenzen gekommen – und finden ohne Hilfe keinen Ausweg. Während man der Depression in der Öffentlichkeit aber noch immer mit dem Vorurteil begegnet, dass sie Ausdruck von persönlicher Schwäche ist, haftet dem Burnout-Syndrom der zweifelhaft positive Ruf an, da habe sich jemand für seinen Beruf aufgezehrt.

Was aber falsch ist?

Ja. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass vier Millionen Deutsche von einer Depression betroffen sind und dass gut zehn Millionen Menschen bis zum 65. Lebensjahr eine Depression erlitten haben. Im Klartext: Es kann also fast jeden irgendwann im Leben einmal treffen. Nach Hochrechnungen der Weltbank und der US-amerikanischen Harvard University werden depressive Erkrankungen 2020 bereits an zweiter Stelle aller Erkrankungen stehen. Vergleiche zeigen dabei eindrucksvoll, dass die Bedeutung neuropsychiatrischer Erkrankungen in Industriegesellschaften mit einem höheren Einkommen deutlich höher ist als in Ländern mit einem niedrigeren Einkommen.

Zunehmender Leistungsdruck und wachsende Arbeitsbelastung auf der einen Seite und das Gefühl von Hilflosigkeit durch mangelnde Einflussnahmemöglichkeiten auf der anderen Seite scheinen dabei eine wesentliche Rolle zu spielen.

Damit wären wir bei den Ursachen. Wodurch werden Depressionen ausgelöst?

Sowohl biologische als auch in der Persönlichkeitsentwicklung begründete Faktoren, aktuelle Ereignisse und kognitive Verarbeitungsmuster spielen da eine Rolle. Es gibt aber auch Depressionen, die wie aus heiterem Himmel zu kommen scheinen – ohne erkennbaren psychischen Grund, ohne eine physische Erkrankung. Im Gegensatz dazu ist beim Burnout-Syndrom in der Regel ein typisches Muster auszumachen.

Das wie aussieht?

Burnout ist ein Zustand völliger emotionaler Erschöpfung, der meist Menschen trifft, die sich sehr stark engagieren. Das können Führungskräfte sein, aber auch Mitarbeiter, Schüler, Studenten. Das Burnout-Syndrom beginnt also oft mit einer idealistischen Begeisterung und führt über frustrierende Erlebnisse – vielleicht mit dem Chef oder mit Kollegen – zur Desillusionierung. Es können Depression, Aggressivität oder eine erhöhte Suchtgefährdung folgen. Die Depression dagegen ist charakterisiert durch den völligen Verlust von Freude oder Trauer, durch eine Antriebshemmung, innerer Unruhe und Schlafstörungen.

Wie kann Betroffenen geholfen werden?

Natürlich ist es am besten, wenn Erkrankte selbst erkennen, dass etwas nicht stimmt und ihren Arzt aufsuchen. Aber das ist nicht immer der Fall. Gut, wenn Familienangehörige oder Kollegen da hellhörig sind. Denn generell gilt: Je eher eine Behandlung einsetzt, desto erfolgreicher verläuft sie.

Wie sieht diese Behandlung aus?

Je nach Schweregrad kommen sowohl bei der Depression als auch beim Burnout-Syndrom Psychotherapie und eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva in Frage. Häufig wird beides kombiniert.

Ist eine stationäre Aufnahme erforderlich?

Nur in schweren Fällen. In der Regel erfolgt die Behandlung ambulant. Die Aussichten auf Erfolg sind dabei übrigens groß. Dennoch: Gerade bei der Depression gibt es rund zehn bis 15 Prozent chronische Verläufe. Ein Trost vielleicht: Auch als Diabetiker verlässt man die Klinik nicht als gesunder Mensch – man kann auch lernen, mit einer Depression zu leben.

Barbara Hoynacki

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