David Garrett trifft den Nerv der Fans

David Garrett in der KöPi Arena in Oberhausen. (Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool)
David Garrett in der KöPi Arena in Oberhausen. (Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool)
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.. Frauenschwarm David Garrett begeisterte 10000 Besucher in der Oberhausener Arena. In den zweieinhalb Stunden spielt der Stargeiger nahezu alle Stücke seiner aktuellen CD. Nur die Dönekes „aus dem Leben eines Rockstars“ waren überflüssig.

Als Kurt Cobain 1994 starb, stand David Garrett 13-jährig mit Yehudi Menuhin oder vergleichbaren Klassik-Kalibern auf der Bühne. Heutzutage interpretiert der Star am Geigerhimmel Rock-Hymnen wie das dem Nirvana-Sänger Cobain Unsterblichkeit verleihende „Smells Like Teen Spirit“ oder Metallicas „Nothing Else Matters“ ebenso virtuos wie Werke von Beethoven, Bach oder Vivaldi. Samstagabend traf der „Sympathikus violinus“ in der KöPi-Arena den Nerv von 10 000 Menschen, die zum Schluss stehend Beifall klatschten.

Zu Led Zeppelins Kashmir schreitet der Deutsch-Amerikaner geigend die Tribüne hinab, läuft am Publikum im Innenraum vorbei und besteigt die Bühne. Dort spielen 36 Musiker der Neuen Philharmonie Frankfurt mit ihrem E-Gitarre spielenden Dirigenten Franck van der Heijden und Garrets vierköpfiger Band. „Rock Symphonies“ heißt Garretts jüngstes, sechs Wochen altes Album und die Tour, die ihn nach Oberhausen führt.

In den folgenden zweieinhalb Stunden spielt Garrett, der erst vor vierzehn Tagen in Essen mit dem Musikpreis Echo dekoriert worden war, nahezu alle Stücke seiner CD. Ein riesiger, kreisrunder Video-„Spiegel“ im Hintergrund zeigt dem Publikum, wie sich der Meister mit flinken Fingern und Bogen an seiner Stradivari abarbeitet – und wie er aussieht: Garrett, dieser Mix aus Kurt Cobain, David Beckham und Brad Pitt, gilt als Frauenschwarm.

Unspektakuläre Dönekes „aus dem Leben eines Rockstars“

Der 30-Jährige, der in New York auch modelte, um sich sein Studium an der Juilliard School of Music studieren zu können, versteht sich aufs Eigenmarketing. Zum Label gehören Mehrtagebart, blonder Zopf, Silberschmuck, ein Sakko überm T-Shirt, das über einer Schlabberjeans hängt, die zu klobrigen Lederstiefeln getragen wird. Nach der Pause trägt Garrett Hut.

Nichts wird dem Zufall überlassen. Auch nicht die Ansagen, die Garrett zwischen seine Stücke fügt. Manch Wissenswertes aus Kindheit oder Studententagen ist dabei, aber das meiste sind unspektakuläre Dönekes „aus dem Leben eines Rockstars“. Wer will schon wissen, wie tolpatschig sich der Gastgeber in Hotels oder bei Rendezvous verhält?

Höhepunkte der mit Laser- und Pyrotechnik durchzogenen Show sind das mit dem Gitarristen Marcus Wolf unplugged gespielte „Smooth Criminal“ von Michael Jackson, „Master Of Puppets“ von Metallica sowie die Zugaben: Edvard Griegs „Peer Gynt“ und Hey Jude“ von den Beatles. Erst trägt Garrett eine Kamera am Ohr, damit das Publikum aus seiner Perspektive das filigrane Spiel mit den vier Saiten der Violine sieht, anschließend bittet er die Zuhörer ihre Handys einzuschalten und mit den beleuchteten Displays zu winken. Feuerzeuge waren gestern.

Zusatztermin 2011

Wegen der großen Nachfrage zu den Konzerten der „Rock Symphonies“-Tour 2010 gibt es im nächsten Jahr gleich mehrere Zusatztermine. Unter anderem wird David Garrett erneut Station in Oberhausen machen. Karten für das Konzert am 7. Juni 2011 gibt es ab sofort unter 0180 522 88 20 (39 bis 79,50 Euro).

Das Programm in Oberhausen: Kashmir (Led Zeppelin), Beethovens 5. Symphonie, Live and Let Die (Paul McCartney), 80’s Anthem (David Garret), Sarasate’s Navarra, Smells Like Teen Spirit (Nirvana), Csrdas (Monti), Toccata (Bach), November Rain (Guns N’ Roses), Mission Impossible (Filmmusik), Smooth Criminal (Michael Jackson), Walk This Way (Aerosmith), Child’s Anthem (Toto), Vivaldi vs.Vertigo (Vivaldi /U2), Rodrigo - En Aranjuez con tu amor, Pirates Of The Caribbean (Filmmusik), Zorba’s Dance (Mikis Theodorakis), Rock Symphony (David Garret/ Franck van der Heijden), Rock’n’ Roll (Led Zeppelin), Asturias (Isaac Albeniz), Master Of Puppets (Metallica), I’ll Stand by You (Roxette), Rocking All Over The World (Status Quo), Thunderstruck (AC/DC), Peer Gynt (Edvard Grieg), Hey Jude (The Beatles).