Interview
"Das Rotlicht-Milieu muss bleiben, wo es ist"
02.03.2010 | 14:02 Uhr 2010-03-02T14:02:00+0100
Oberhausen. Anderen zu helfen, das ist Josef „Jupp“ Loege (SPD) „immer eine Freude“. Thomas Schmitt sprach mit dem Bezirksbürgermeister für Alt-Oberhausen über Entwicklungsperspektiven für das Quartier.
Wie lautet Ihr wichtigstes politisches Ziel 2010?
Josef Loege: Die Mitglieder der Bezirksvertretung sind erste Ansprechpartner für die Bürger unserer Stadt. Wir helfen, wo immer wir können. Häufig reicht ein Anruf beim richtigen Sachbearbeiter, um Probleme mit der Behörde aus der Welt zu schaffen.
Welche Ziele verfolgen Sie für die Entwicklung des Bezirks Alt-Oberhausen?
Loege: Die vielen Leerstände in der City bleiben ein Problem. Anders als in Sterkrade oder Osterfeld wohnen die Eigentümer hier häufig leider nicht in Oberhausen. Das gilt für das P&C-Gebäude an der Marktstraße ebenso wie für das Brauhaus an der Friedrich-Karl-Straße oder für die Markthalle. Besonders weh tut es, dass Fördergelder aus dem Programm Soziale Stadt nicht fließen, weil wir unser Eigenkapital nicht darstellen können. Der Umbau von Bert-Brecht-Haus und Saporisha-Platz, der dank der Mittel aus dem Konjunkturpaket II möglich ist, hilft uns, Volkshochschule und Bücherei sowie deren Umfeld für unsere Bürger liebens- und lebenswerter zu gestalten.
Dazu gehört wohl auch, Bordellbetriebe oder Eros-Center aus der Innenstadt fernzuhalten. Viele Vorlagen der Verwaltung beschäftigen sich mit diesem Thema.
Loege: Das Rotlicht-Milieu muss bleiben, wo es ist. Jegliche Ausweitung in Alt-Oberhausen muss verhindert werden. Das gilt auch für Spielhallen.
Apropos Spielhallen. Hotel, Lidl, Spielcasino – von weiteren neuen Ansiedlungen auf dem Stahlwerksgelände ist nichts bekannt.
Loege: Dass sich dort nichts tut, ist natürlich sehr bedauerlich. Wichtig für die Neue Mitte ist auch deswegen, dass die Erweiterung des Centro kommt, ob in diesem oder im nächsten Jahr, das ist nicht entscheidend.
Es werden Stimmen laut, die einen Rückbau der Marktstraße als Fußgängerzone befürworten. Sind Sie auch dafür?
Loege: Ich bin gegen den Rückbau der Fußgängerzone Marktstraße. Eher setze ich mich dafür ein, dass wir im Bereich zwischen Stöckmannstraße und Nohlstraße durch Poller den Anlieferverkehr weiter eindämmen, damit den Menschen nicht von hinten in die Hacken gefahren wird. Ein Rückbau wäre der falsche Weg und würde außerdem dazu führen, dass wir Fördergelder zurückzahlen müssten.
Was fällt Ihnen zum Thema Verkehr ein?
Loege: Auf der Duisburger Straße werden wir im Bereich vom Obermeidericher Bahnhof runter bis zur Württemberger Straße Flüsterasphalt aufbringen. Nach einem Jahr soll analysiert werden, wie haltbar der Belag ist und ob - wie erhofft - der Verkehrslärm reduziert worden ist. Außerdem müssen wir schnell die durch den harten Winter entstandenen Straßenschäden beseitigen.
Wird die Kreativwirtschaft die Alte Mitte entscheidend voran bringen?
Loege: Das Thema müssen wir mit viel Fleiß angehen, damit Fleisch an die Sache kommt. Hier setze ich auf den Beirat für Alt-Oberhausen, der sich intensiv um die Innenstadt kümmern wird. Der Beirat für Lirich ist ein positives Beispiel. Da ist in den vergangenen vier Jahren viel erreicht worden. Leider warten wir auch dort auf Fördergelder.
Wie geht es auf dem Gelände von Ford Gerstmann weiter?
Loege: Unser Einfluss ist sehr beschränkt, da der Stadt das Grundstück nicht gehört. Auf dem Grundstück könnten sehr gut Wohnhäuser entstehen. Ähnlich wie wir es jetzt in Lirich planen, auf dem Grundstück zwischen Rosenstraße und Liricher Straße.
Welche Termine sollten sich die Bürger 2010 vormerken?
Loege: Es gibt viele Anfragen für Veranstaltungen. Ein Höhepunkt wird sicher das City-Sportfest im Herbst. Der Landschaftsverband plant im September außerdem eine große Ausstellung auf dem Friedensplatz.

12:57
A. machst du es dir nicht gar zu leicht die verödung der innenstadt auf die neue mitte zu schieben?
B.keine Miete von 25,00 Euro/qm erwirtschaften kann, ist man im falschen business ... egal in welcher Stadt.
Man staune: offensichtlich können es so einige nicht in dieser Stadt, sonst gäbe es das Problem des Leerstandes auch gar nicht oder? Trotz deiner kleinen Tipps.
C. Stell dir mal vor ein eine Fußgängerzone (egal sagen wir die Innenstadt), die nicht auschließlich wirtschaftlichen Verwertungsinteressen unterworfen ist, sondern auch Platz bietet für kulturelle und ideelle Angebote und nicht ausschließlich Billigketten.
Ich würde mir das wünschen! Damit auch der Schuster einen Laden betreiben kann oder eine kleine Werkstatt für was auch immer.
Initiativen und Ideen sind doch immer da, nur nicht der geeignete Platz. Aber für dich offensichtlich falsches business. Gehört hier nicht hin. Lieber Leestand und status quo am Ende ist dann immer die neue Mitte Schuld!
D. Falsch! es hilft kein lamento, sondern nur neue wege und lösungen! und das wird nicht die Werbebroschüre der Wirtschaftsförderung sein, sondern der wegfall jeglicher leerstand-begünstigender subvention an den hauseigentümer. Weitere Ideen willkommen!
19:00
Denn offensichtlich lohnt es sich mehr den Leerstand im eigenem Haus abzuschreiben, als zu einer geringeren Miete zu vermieten.
Es ist schwierig, mit jemandem zu diskutieren, der *Brutto* und *Netto* nicht auseinanderhalten kann: Abschreibung würde sich mehr als geringe Miete lohnen, wenn es einen Steuersatz gäbe, der 100% liegt.
Wenn man bei einem Laden mit (vermeintlicher) Bestlage keine Miete von 25,00 Euro/qm erwirtschaften kann, ist man im falschen business ... egal in welcher Stadt.
Kleiner Tipp: Vor dem Selbständigmachen vielleicht noch lieber einmal mit jemandem reden, der sich in der gewünschten Branche auskennt. ;-)
Überdies:
Es ist nicht die Aufgabe - und jenseits der beruflichen Kompetenz - der Stadtverwaltung/Wirtschaftsförderung, die Vermarktung von Büro- und Ladenflächen sicherzustellen. Einen Bedarf aktiv zu schaffen - oder gar in anderen Städten (die werden sich bedanken !) Händler/Mieter abzuwerben - ist schwierig bis unmöglich.
Daß die *Neue Mitte* den Händlern und Vermietern der Marktstraße enorme Probleme bereiten würden, hätte man sich an den Fingern einer Hand abzählen können.
14:44
zum Kommentar #1: also moment mal, das Problem liegt ja wohl weniger bei der Stadt und der Wirtschaftsförderung, sondern an der Gesetzgebung, die durch Abschreibungsmöglichkeiten im Steuerrecht Verluste aus Vermietung Leerstand gerade zu fördert. Denn offensichtlich lohnt es sich mehr den Leestand im eigenem Haus abzuschreiben, als zu einer geringeren Miete zu vermieten. Nein, stattdessen werden die Mieten künstlich in der Höhe gehalten und die Stadt wird dadurch nicht lebenswerter.
Zitat: Aber solange die Wirtschaftsförderung sich hier nicht bewegt, tut sich nichts. Und wer vorschiebt, dies sei nicht möglich, weil die Immobilieneigentümer im Ausland säßen, erzählt Irrsinn. Jeder, der bei einem Maklerbüro anruft, wird feststellen, dass man auch mit diesen durchaus handeln kann.
Was soll der Quatsch?! Wozu ist denn Ihrer Meinung nach der Makler da?
Wenn ich z.B. als popelige Eisdiele in der Markstrasse bis zu 25 Eur/qm (siehe immoscout) berappen muss, dann gibt es nicht viel zu überlegen. (für einen Laden von 40qm muss ich dann (auch im winter) täglich mind. 33 Kugeln Eis zu 1€ verkaufen nur um die Nettokalt-Miete rein zukriegen. Betriebskosten, sowie Produktions-, Sach- & Personalkosten noch gar nicht einberechnet. wie optimistisch muss man dazu sein?)
19:59
Nun bekommt Hr. Loege endlich seinen Flüsterasphalt vor der Haustüre verlegt. Die Bauarbeiten auf der Duisburger Str. sind gerade im Gange.
Und ich Depp habe es für einen Arilscherz gehalten.
Kostet ???
17:49
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16:31
wieso eigentlich kein Rotlicht ins Stahlgelände? Stahlstraße, hähä. Da ist Platz, kein Streß für Anwohner... Her mit dem Pascha
14:04
Danke Kalle!
21:20
zu kommentar 4.sehr gut gedacht u klasse geschrieben von K.
19:49
die wohnqualitaet im rotlichtmilieu ist ey schon unterste kategorie. also warum nicht da wo eigentlich viel puplikum und VERKEHR ist?? Und weil es dann ja am Centro ist wird bestimmt besser und öfter gereinigt
07:54
Anderen zu helfen, das ist Josef „Jupp“ Loege (SPD) „immer eine Freude“.
Aha , das liest sich ja gut. Ein Gutmensch. Aber jede Medallie hat ihre zwei Seiten und wo Licht ist, da ist auch Schatten. Da setzt ein Politker sich und seine Partei ins Bild. Stehen etwa Wahlen an ?
Ja, Flüsterasphalt vor der eigenen Türe. Endlich mehr Ruhe vor dem eigenen Heim.
Schön, wenn man das so für sich veranlassen kann. Dann hat der Bezirksbürgermeister seine wohlverdiente Flüsterruhe und der Rest der Stadtbewohner umkurvt dann weiter die zahllosen Schlaglöcher in den städtischen Gassen. Andere hätten auch gerne mehr Ruhe, wenn es um richtigen Lärm geht. Aber da stößt man leider auf taube Ohren. Da hilft man dann nicht so gerne. Schade eigentlich, aber es gibt Gesetze, die das dann regeln.
Manchmal ist Gesundheit wichtiger als Flüsterasphalt, schaun wir mal.