Das Patienten-Lächeln motiviert sie

Patricia Röhl ist eine von mehr als 1100 Fachkräften der 33 ambulanten katholischen Pflegedienste zwischen Duisburg und Lüdenscheid.
Patricia Röhl ist eine von mehr als 1100 Fachkräften der 33 ambulanten katholischen Pflegedienste zwischen Duisburg und Lüdenscheid.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die häusliche Pflege ist Patricias Röhls Ding. Unterwegs mit einer Fachkraft der ambulanten katholischen Pflegedienste in Oberhausen.

Oberhausen.. Sie wirkt nicht wie eine, die Termine abhakt oder Menschen nach Zeitplan versorgt. Und doch hat Patricia Röhl (34) an diesem Morgen ein volles Programm mit festem Zeitplan. Es ist noch kalt in der Früh. Vor der Tür am Sozialstation-Parkplatz des St. Clemens-Hospitals trinkt sie schnell noch einen heißen Kaffee. Dann startet sie den weiß-blau lackierten Kleinwagen. 13 Patienten in Sterkrade und Buschhausen warten auf sie.

Patricia Röhl ist eine von mehr als 1100 Fachkräften der 33 ambulanten katholischen Pflegedienste zwischen Duisburg und Lüdenscheid. Jeden Tag besuchen die Pfleger zwischen Rhein und Lenne rund 6500 Menschen, helfen ihnen dabei, dass sie zu Hause wohnen können. „Ich mache den Job sehr gerne“, sagt Patricia Röhl. Seit 2004 ist die examinierte Altenpflegerin täglich auf Tour. „Ich mag vor allem die Beziehungen zu den Menschen und speziell bei Hausbesuchen die Konstanz.“

Täglich ein neuer Tourenplan

Nicht nur am Steuer merkt man, dass die unkomplizierte junge Frau weiß, wo es lang geht – und wo man schnell parken kann. Mal in der Einbahnstraße links, mal privat hinter Vorgartenmauern, mal auf dem Anwohner-Parkplatz vor dem Hochhaus. Immer dort, wo sie kurz darauf den ihr vertrauten, zumeist alten Menschen begegnet. In der Ablage vor dem Schaltknüppel des Autos liegt der täglich neu zusammengestellte Tourenplan, ihr Tages- und Zeitplan.

Um 6.11 Uhr begrüßt der erste Patient Patricia Röhl mit einer herzlichen Umarmung. Manfred Frala ist Frühaufsteher, seine Frau hat die Schüssel mit warmem Wasser und den Waschlappen auf der Kommode bereit gelegt. Ohne Patricias Hilfe könnten die Fralas mehrere Monate nach seiner doppelten Beinamputation hier nicht mehr zusammen leben. „Jetzt brauch ich die grüne Pferdedecke“, scherzt der Mann und fragt so nach seinem samtigen Pullover. „Und heute überhaupt keine Rutsche…“ Dank der beiden Frauen, die ihn mit Fachkenntnis und Entschlossenheit in seinen Rollstuhl heben, geht heute alles ohne die sonst übliche Kunststoff-Rutsche.

Mit dem Rollstuhl ins Restaurant

Als Röhl Fralas Gesicht und die Ohren mit Creme versorgt, lacht er – und erzählt von seiner Vergangenheit. „Bis Juni 2014 war ich für eineinhalb Jahre fast ununterbrochen Krankenhaus-Kunde. Es gab nicht wenige Tage, da wollte ich nicht mehr.“ Heute freut sich der passionierte Eishockey-Fan über Besuche im Stadion. Die verlässliche Pflege und die willensstarke Begleitung seiner Frau machen Rollstuhl-Ausflüge ins Restaurant oder ins Grüne möglich. Die konstante Pflege, weiß Frala, bietet die solide Basis für alles, was er nach der Diagnose „Zucker“ und den lebensrettenden Beinamputationen jetzt wieder unternehmen kann.

Wenige Straßen weiter setzt Patricia Röhl einer dementen Patientin eine Insulin-Spritze, hört sich dann die Klage eines anderen Kunden über Arztbesuche bei Spezialisten an und wird vom nächsten Patienten schon mit einem Blick aus dem Fenster erwartet. Danach ein Schock: „Vier dunkle Zimmer zu durchsuchen, weil der Sohn uns die Einweisung der Mutter ins Krankenhaus nicht meldete, ist nicht witzig“, sagt Röhl, als sie ins Auto zurückkehrt.

Zurück im Büro der Sozialstation blickt Patricia Röhl auf ein hohes Regal mit Vordrucken. „Manchmal geht die aufwändige Doku schon auf den Geist“, sagt sie, „zumal es immer mehr wird“. Wie sie es schafft, sich nach Jahren im herausfordernden und körperlich anstrengenden Pflegejob zu motivieren? „Ich habe Spaß an der Pflege und an den Menschen. Wenn ein Patient einen anlächelt, das ist mein Ding.“