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Das kleine Ich bin ich

25.03.2008 | 16:25 Uhr

Stolz stehen sie vorne und tragen ihr Theaterstück „Das kleine Ich bin Ich” vor, die vier- bis zwölfjährigen Kinder. Dass sie es sicher in deutscher Sprache vorstellen, ist nicht ganz selbstverständlich, denn alle der circa 20 Kinder stammen aus türkischen Familien.  Zusammen mit ihren Müttern haben sie am sechswöchigen Sprachförderprojekt des Katholischen Jugendwerks „Die Kurbel” in Osterfeld teilgenommen. Während die Kinder das Theaterstück einübten, beschäftigten sich die Mütter mit der Bedeutung des Vorlesens und übersetzten das Kinderbuch ins Türkische.  Das war eine der Stärken des Projekts: Kinder und Mütter waren einbezogen. Der kleine Ulas „weiß nicht mehr so”, was er alles gemacht hat. Dass es „schön” war, dessen ist er sich sicher. Seine Mutter ist jedenfalls stolz auf ihn. Es gehöre schließlich auch viel Mut dazu, vor anderen Leuten etwas vorzutragen, findet Leyla Akbulut. Sie hat mit Ulas an dem Projekt teilgenommen, um ihr Kind zu fördern und soziale Kontakte aufzubauen. Der Kleine soll sowohl Deutsch als auch Türkisch lernen, findet seine Mutter, die seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. Dabei geht es ihr weniger darum, dass er sich in der Türkei verständigen könne, dazu ist die Familie zu sehr in Deutschland verankert. „Ich finde es einfach wichtig, dass er zwei Sprachen kann”, sagt Leyla Akbulut.  Einen interessanten Erklärungsversuch dafür hat Oliver Heck, Geschäftsführer des Jugendwerks: „Türkisch ist für die Kinder mehr mit Gefühlen verbunden, während Deutsch für die Laufbahn wichtig ist.” Er plädiert dafür, beide Sprachen gleichwertig zu respektieren. Gerade der Respekt vor dem Türkischen fehle in Deutschland noch zu oft. Ebenso wie der direkte Kontakt, vor dem mancher Deutscher zurückschrecke. Man müsse viel mehr „offensiv aufeinander zugehen und Gastfreundschaft zeigen”. Genau auf dieser Baustelle leistet „Die Kurbel” wichtige Arbeit. „Es ist doch ein tolles Zeichen, dass 20 türkische Familien in einer katholischen Einrichtung zu Gast sind”, findet Oliver Heck. Beide Sprachen finden ja auch im Projekt ihren Anteil: das Theaterstück wird auf Deutsch vorgetragen und alle Kinder erhalten hinterher die von ihren Müttern angefertigte Übersetzung als Dankeschön.  Geleitet und initiiert wurde das Sprachförderprojekt von den beiden 22-jährigen Studentinnen Katharina Brosda und Nurhayat Giraz. Erstere kommt aus Bad Säckingen an der Schweizer Grenze und macht im Rahmen ihres Studiums ein Praktikum bei der „Kurbel”. „Lesen ist wichtig, aber nicht sehr verbreitet”, findet sie. Für alle Beteiligten – sie selbst eingeschlossen – sei es ein echtes Erfolgserlebnis gewesen. „Es hat tierisch Spaß gemacht”, zieht Katharina Brosda Bilanz. Ähnlich sieht es ihre Mitstreiterin Nurhayat Giraz: „Anfangs waren wir unsicher, ob's klappt”, erinnert sie sich. Umso mehr freute sich die Essener Studentin über den Erfolg des Projekts. Das gesamte Klima ist gut und zeigt die Früchte der Arbeit. „Alle Mamas hatten auch selbst Spaß am Projekt und sind sehr motiviert”, hat Leyla Akbulut bei ihresgleichen beobachtet. In drei Monaten steht bei Studentin Katharina Brosda das nächste Praktikum an. „Kurbel”-Geschäftsführer Oliver Heck ist schon gespannt.

Andreas Eichhorn

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