Eine späte Premiere am Herd in Oberhausen

Ein schnelles, preiswertes Gericht, mit dem Willi Jahreis viele Erinnerungen verbindet.
Ein schnelles, preiswertes Gericht, mit dem Willi Jahreis viele Erinnerungen verbindet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In der letzten Folge der Serie „Das isst der Pott“ stellen wir die Leibgerichte unserer Leser aus Oberhausen vor. Hier ist das Bärenbrot.

Oberhausen.. Willi Jahreis’ Bekannte aus der Volleyball-Abteilung stutzten. Da hatte der älteste Spieler ihnen erzählt, dass er demnächst der WAZ ein Bärenbrot servieren wird. Jahreis blickte in ratlose Gesichter. Das Bärenbrot war bei den Volleyballern gänzlich unbekannt.

In seiner Wohnung in der Innenstadt erklärt Jahreis, was es mit dieser Mahlzeit auf sich hat. Er kennt das Bärenbrot schon seit über 70 Jahren. In seiner fränkischen Heimat lernte es Jahreis kennen und schätzen. Sein Onkel Heinrich Höllerich brachte ihn in den Dreißigerjahren auf den Geschmack. Der war als Saxofonist ständig mit den „Hofer Tanzsinfonikern“ unterwegs. Nach einem Auftritt in Thüringen stärkten sich die Musiker in einem Gasthof. Dieser hieß „Zum Bären“, die Hausspezialität entsprechend „Bärenbrot“.

Bärenbrot war in der Familie beliebt

„Dem Onkel hat es geschmeckt. Wenn er bei uns zu Besuch war, musste meine Mutter ihm immer Bärenbrot machen. Meine Frau hat das Rezept später übernommen“, erzählt Jahreis. Die Gattin servierte ihm unzählige Bärenbrote. Erst in Hof, später in Oberhausen, wo es die Familie 1957 hin verschlug.

Vor fast drei Jahren verstarb Willi Jahreis’ Ehefrau. Seit ihrem Tod hat er kein Bärenbrot mehr gegessen. Es ist nicht so, dass der 87-Jährige nicht kochen oder brutzeln kann. Bratkartoffeln mit Speck oder Dicke Bohnen mit Bratwurst - die kommen bei Jahreis nach Feierabend auf den Tisch. Die Termine als Handelsvertreter für Schulbedarf machen schließlich hungrig.

Zwei Löcher in der Scheibe

Nun wagt sich Jahreis erstmals ans Selbermachen des bärigen Brots. „Gegessen habe ich schon viele, zubereitet noch keins“, sagt er. „Dabei ist das doch gar nicht schwer.“ Für die Premiere ist alles parat. Auf der Anrichte stehen Eier und Graubrotscheiben mit Löchern. „Das Bärenbrot ist immer eine gute Mahlzeit, wenn es mal wieder schnell gehen soll“, erzählt Jahreis.

Das Fett in der Pfanne brutzelt. Jahreis legt die erste Scheibe hinein. Nachdem das Brot von beiden Seiten angeröstet ist, schlägt er die Eier auf und lässt den Inhalt in die Öffnung laufen. „Nun kommt das Schwerste an der Zubereitung“, sagt Jahreis. Er muss die Scheibe samt Eifüllung wenden. Im zweiten Versuch klappt es und eine Minute später liegt das fertige Bärenbrot auf dem Teller. „Das sieht natürlich nicht so perfekt aus wie bei meiner Frau. Aber für den ersten Versuch ist es gelungen“, sagt Jahreis. Ihm schmeckt’s gut, aber auf eine zweite Portion verzichtet er. Am Nachmittag steht wieder Volleyball auf dem Programm und da will er sich den Bauch nicht so vollschlagen.

Und so geht’s

Zutaten: eine Scheibe altbackenes Graubrot, ein oder zwei Eier, Pfeffer und Salz.

Je nach Größe der Brotscheibe ein oder zwei Kreise ausstechen. Der Durchmesser soll circa fünf Zentimeter groß sein. Die Scheibe und auch die ausgestochenen Brotkreise in einer Pfanne mit etwas Fett von beiden Seiten goldbraun anrösten. Anschließend das Ei oder die Eier in die Öffnungen geben und mit Pfeffer und Salz würzen. Danach die Eier in der Pfanne etwas stocken lassen. Anschließend die Scheibe umdrehen und noch mal kurz anbacken lassen. Fertig ist das Bärenbrot. Willi Jahreis kalkuliert für die Zubereitung von zwei Scheiben eine Viertelstunde Zeit ein. Es geht auch schneller, wenn nämlich beide gleichzeitig in der Pfanne liegen. Das empfiehlt Jahreis aber nur Fortgeschrittenen, schließlich wird so das Wenden zu einer kniffeligen Aufgabe.