Das Handwerk drücken Nachwuchssorgen

85 geladene Gäste aus dem öffentlichen Leben in Oberhausen und 50 Handwerker waren am Sonntag beim Jahresempfang des Initiativkreises Handwerk im Restaurant Baumeister-Mühle. Dort begrüßte sie dessen Sprecher Stefan Tögel, der auch gleich auf eines der Hauptprobleme zu sprechen kam: die Angebotsflut bei Informationen und im Konsum. Bürgermeisterin Elia Al-brecht-Mainz (SPD) ermunterte die Handwerker in ihrem Grußwort dazu, die Kommunalpolitik kritisch zu begleiten.

Einen ausführlichen Vortrag gab es von Gabriele Poth, Leiterin des Zentrums für Umwelt und Energie der Handwerkskammer Düsseldorf, das seinen Sitz in Oberhausen hat. Sie legte der Branche nahe, trotz drastisch sinkender Energiepreise weiter auf Energieeinsparung zu setzen.

Kaum noch Bewerbungen

Kreishandwerksmeister Jörg Bischoff plagen andere Sorgen. Vor allem im Nahrungsmittelhandwerk und auf dem Bau gibt es kaum noch Nachwuchs. „Eigentlich genügt uns ja ein guter Hauptschulabschluss“, sagt er. „Trotzdem gibt es kaum noch Bewerbungen.“

Ralf Geese, Obermeister der Baugewerksinnung, verdeutlicht das an seinem Betrieb. „Vor sechs oder sieben Jahren habe ich jedes Jahr noch 120 Bewerbungen bekommen. Heute sind es noch 20“, sagt er. Geese bildet jedes Jahr vier bis fünf junge Leute zu Maurern oder Stahlbetonbauern aus. „Von den 20 Bewerbern lade ich 14 zum Gespräch ein“, fährt Geese fort. Davon würden vielleicht noch sechs einen Termin vereinbaren. „Am Ende erscheinen drei Bewerber, die aber noch nicht die fachliche Eignung haben müssen.“ Das müsse er ja erst einmal feststellen. Der Handwerksmeister weiter. „2014 habe ich zwei Bewerber genommen. Einer davon hat nach drei Monaten das Handtuch geworfen.“ Dabei sei er laut Test grundsätzlich für den Beruf geeignet.

Dann auch noch eine Ausbildungsabgabe zu erheben, da sind sich Jörg Bischoff und Ralf Geese einig, löse die Probleme im Handwerk nicht. Im Baugewerbe, betont Geese, würden die Prüfungskosten schon heute von allen Betrieben gemeinsam getragen. Außerdem erhalte jeder Betrieb für jeden Lehrling pro Jahr 300 Euro für Werkzeug und Bekleidung. Geese sieht das Problem woanders: „Vielen jungen Leuten fehlt heute die Einstellung, dass man etwas tun muss, wenn man etwas bekommen will.“ So würden Ferienjobs oder Praktikumsplätze kaum noch nachgefragt.