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Das Fest des Lernens

14.12.2009 | 18:23 Uhr
Das Fest des Lernens

Mohammad-Ali Behboudi feiert um seines Sohnes willen Weihnachten: „Was man als Kind nicht mitbekommt, ist schwer nachzuholen”.

Ein Weihnachtsmann namens Mohammad-Ali Behboudi – wenn das kein schönes Praxisbeispiel ist für die Interkulturalität, von der so viel geredet wird. Behboudi selbst macht allerdings kein großes Aufheben um die Rolle, die er seinerzeit im Kindergarten des Sohnes übernahm. Als man ihn, den Schauspieler am Stadttheater, um diesen elterlichen Dienst bat, sagte er ohne Umschweife zu. Und auch bei Behboudi daheim wird es bald wieder weihnachtlich.

Dabei stammt der Iraner aus einer fest im muslimischen Glauben verwurzelten Familie. Sein Vater war ein Ayatollah, freilich „ein sehr liberaler”, sagt Behboudi. „Ich durfte alle Bücher lesen, die ich lesen wollte, mich trotz religiöser Erziehung frei entscheiden.” Und die Entscheidung des heute 53-Jährigen lief letztlich darauf hinaus, dass er persönlich am besten ohne Glauben zurecht kommt. Trotzdem hat er von Büchern über Gott und die Welt reichlich Gebrauch gemacht. Das Wissen über Kirche und das Interesse an religiöser Kultur gehören für ihn zum Bildungskanon.

Die ersten Lebkuchen sah er in Bahrain

Ersten direkten Kontakt mit christlichen Weihnachtsbräuchen hatte Behboudi 1983, als der frühere Tischtennisspieler und Sportfunktionär die iranische Jugendnationalmannschaft zu einem Turnier nach Bahrain begleitete. Das Hotel war ob der vielen westlichen Gäste weihnachtlich dekoriert. Wenn Behboudi an diese Reise denkt, denkt er an Lebkuchenhäuser.

Tradition ja, aber „wir wollen nichts inszenieren”

Ein Jahr später war er bereits in Deutschland, und ein befreundetes deutsch-iranisches Paar lud ihn und seine Frau an Heiligabend zu sich nach Hause ein. Die folgenden Feste verbrachten die Eheleute Behboudi ähnlich, in gemütlicher Runde bei Bekannten. Als schließlich ihr heute elfjähriger Sohn geboren wurde und in ein Alter kam, in dem er neugierig in die Welt guckte, kauften die Behboudis zum ersten Mal einen eigenen Weihnachtsbaum. „Mir liegt sehr daran, dass er die Rituale, die kulturellen Eigenschaften dieses Landes kennt. Was man als Kind nicht mitbekommt, ist schwer nachzuholen.”

Insofern ist das Fest im Hause Behboudi in Alstaden ein klassisches, jedoch kein überspitztes. „Wir tauschen Geschenke aus und sitzen zusammen”, sagt Behboudi, der an diesem Tag kocht – Wildente mit Reis und Gemüse. „Aber es gibt keine Gebete oder ähnliches. Wir wollen nichts inszenieren. Wir feiern einfach ein familiäres Fest.”

Behboudi hofft, dass dieser weihnachtliche Weg seinen Sohn gleichermaßen gefühlsmäßig stärkt und zum Fragen anregt. In der Schule besucht der Spross übrigens den Religionsunterricht. „Meine Frau und ich haben uns dafür entschieden, damit er etwas über Ethik und Glauben lernt.” Wenn praktizierende Muslime aus der Verwandtschaft im Hause Behboudi zu Besuch sind und ihre Gebetsteppiche ausrollen, „dann entstehen wieder andere Fragen”, sagt Behboudi und man wünscht sich inständig, ein paar mehr Zeitgenossen hätten eine solche Erziehung genossen. Vielleicht müsste man sich dann heute nicht über die Höhe von Minaretten streiten. „Die Toleranz, die wir predigen, sollten wir auch vorleben”, sagt Behboudi. „Immer erwarten wir von anderen den ersten Schritt.”

Eine Friedensbotschaft, für die Behboudi keine große Bühne braucht. Das Fest der Liebe im Kreise der Familie ist ohnehin kurz: Als Schauspieler muss Behboudi zwischen den Jahren zur Probe. Immerhin, die nächste Feierlichkeit ist für ihn und seine Familie in Sichtweite: Persisches Neujahr, am 21. März.

Helen Sibum

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