Das Ende der Schlüsseldienst-Affäre in Oberhausen

Ein einträgliches Geschäft war es für mehrere Oberhausener Schlüsseldienste über etliche Jahre, Kunden, die sich aus ihrer Wohnung ausgeschlossen hatten, zu stark überhöhten Preisen zu helfen.
Ein einträgliches Geschäft war es für mehrere Oberhausener Schlüsseldienste über etliche Jahre, Kunden, die sich aus ihrer Wohnung ausgeschlossen hatten, zu stark überhöhten Preisen zu helfen.
Foto: MILBRET, Udo
Was wir bereits wissen
Von Oberhausen aus waren betrügerische Türöffner teilweise bundesweit tätig. In allen Fällen wurden Strafverfahren gegen Geldzahlungen eingestellt.

Oberhausen.. Die Zahl ihrer Opfer geht im gesamten Bundesgebiet in die Hunderte. Etwa um das Doppelte überteuert waren ihre Rechnungen. Die stellten sie aus, nachdem sie Personen, die sich zuvor versehentlich ausgeschlossen hatten oder deren Türschlösser beschädigt waren, wieder Zugang zu ihren Wohnungen verschafft hatten. Und doch ließen Staatsanwaltschaft und Gerichte die Angeklagten der dubiosen Schlüsseldienste mit ei­nem Warnschuss laufen, mit Geldzahlungen. Im Gegenzug wurden die Strafverfahren eingestellt.

Im Zentrum der Betrugsaffäre standen drei Oberhausener Schlüsseldienste. Geführt wurden sie von drei miteinander verwandten jungen Marokkanern. Angeschlossen waren sie einer Zentrale in Düsseldorf. Von dort bekamen sie ihre Aufträge.

Und das lief so: Im ganzen Bundesgebiet hatte die rund um die Uhr besetzte Telefonzentrale in den Telefonbüchern ihre Rufnummer verbreitet. Entweder firmierte sie im Alphabet ganz vorne, um als erste angerufen zu werden. Oder sie rangierte darin knapp vor dem örtlichen Marktführer, um ihm Kunden abzujagen.

50 Euro Gewinn je Fall

Und das funktionierte zumindest zwischen 2008 und 2010 so gut, dass sogar Subunternehmer eingesetzt waren. Sie bezogen irgendwo in der Ferne ein Fremdenzimmer und warteten dort auf Einsätze in der Region. Einer von ihnen hatte im Mai 2014 auf der Anklagebank des Amtsgerichts Oberhausen gesessen. Er war unter anderem in Schleswig-Holstein eingesetzt, hatte zum Beispiel in Burg auf Fehmarn im Dezember 2009 ein Türschloss ausgetauscht und dem Kunden dafür inklusive Kosten für Anfahrt, Mehrarbeit und Material 697,50 Euro abgenommen. Im Einzelfall konnten es auch schon mal bis zu 1000 Euro sein.

Trotzdem kam der 28-jährige Subunternehmer mit einer Geldzahlung von 50 Euro an jeden der 30 Geschädigten davon. Zu aufwendig wäre es gewesen, ihm Betrug oder Wucher nachzuweisen.

Die Hälfte der Einnahmen ging nach Düsseldorf

Nach Angaben des Amtsgerichts wurden auch in sieben weiteren Fällen die Gerichtsverfahren ge­gen solche Zahlungen eingestellt. Auch das Landgericht Duisburg verzichtete darauf, den drei dort angeklagten Marokkanern den Prozess zu machen. Sie wurden beschuldigt, in 62 Fällen Kunden betrogen zu haben. Auch gegen sie wurden Geldzahlungen von jeweils 1500 Euro festgesetzt.

Der Betrag von 50 Euro stellt nach Erkenntnissen eines Gutachters ungefähr den Gewinn jedes der Monteure durch eine so überzogen hohe Rechnung dar. Denn allein 50 Prozent der Einnahmen gingen an die Zentrale in Düsseldorf. „Ge­gen die Hintermänner dort ermitteln wir noch“, so ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Kleve auf Anfrage.