Chefinnen auf Zeit

Gorilla-Marketing: Elisa und Christina (r.) mit dem von ihnen entwickelten Spiel.
Gorilla-Marketing: Elisa und Christina (r.) mit dem von ihnen entwickelten Spiel.
Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.. Eigentlich waren Elisa Zöller und Christina Cernoivanov vom Essener Hugo-Kükelhaus-Berufskolleg ziemlich spät dran mit ihren Bewerbungen. Schließlich sollte ihr Praktikum vier Wochen vor den großen Ferien beginnen. Übers Internet haben sie gesucht, ein paar Werbeagenturen herausgesucht und sie angeschrieben. Doch die Antworten blieben aus; nur eine einzige meldete sich. „Ein Praktikum bei mir? Mit so was hab’ ich keinerlei Erfahrung“, heißt es am Telefon.

Der, der da am anderen Ende der Leitung in Gedanken eigentlich schon den nächsten Auftrag beackert, ist Marian Prill, Chef der Oberhausener Werbeagentur „Deutsche Handarbeit“, die er zusammen mit Agenturgründer Jan Schekauski betreibt. Sie ist in einer ehemaligen Trinkhalle an der Essener Straße 317 beheimatet.

Eigene Kunden und Konzepte

Denn Prill mag’s gerne unkonventionell. So bietet er den Schülerinnen einen Deal an: „Ihr macht bei mir das Praktikum, als Agenturchefinnen auf Zeit. Ihr sucht Euch eigene Kunden, erarbeitet ein Konzept für sie und überlegt, was sie wirklich für ihre Vorhaben brauchen. Wir helfen Euch bei allem, stehen Euch zur Seite und stellen Euch unsere Technik und Programmierer zur Seite.“

Related content Ein Angebot, bei dem die Mädels nicht nein sagen können. „Wir hatten uns eigentlich schon auf Kaffeekochen, Kopieren und Hilfsarbeiten eingerichtet“, meinen sie. Solche Tätigkeiten, wissen beide von Mitschülern, seien im Praktikum oft an der Tagesordnung. „Auf das, was uns hier geboten wird, sind sicher viele neidisch“, sagt Christina. „Ich hab’ mich riesig gefreut, dass sie das Angebot angenommen haben, denn lernen können schließlich immer beide Seiten voneinander“, so der Agenturchef.

Als ihren ersten Kunden können die Junior-Chefinnen das Restaurant „Taj Mahal & Sole Mio“ in Mülheim gewinnen. An ihren ersten Besuch beim „Indaliener“, wie sie Koch Aurang Zeb Cheema nennen, der neben indischen Gerichten Pizza und Pasta auf der Speisekarte führt, kann sich Elisa gut erinnern. „Wir mussten erst essen, bevor es ums Geschäftliche ging“, sagt sie. Da kam beiden eine Idee. „Wir wollen, dass der Gast die Speisekarte auswendig lernt“, so Christina.

Klick-Magnet im Internet

Was sich beim ersten Hinhören wie eine Schnapsidee anhört, entpuppt sich als Klick-Magnet im Internet. Denn dort ist der „Indaliener“ seit kurzem mit einem eigenen Browserspiel vertreten, das ebenfalls an mobilen Computern und Smartphones gespielt werden kann. Elisa und Christina schicken Küchenchef Aurang Zeb Cheema im Spiel mit einem Heißluftballon in die Luft; der Spieler muss ihm helfen, Gerichte aus der Karte über den Dächern der Kunden abzuwerfen. Dabei lernen sie nach ein paar Durchläufen, wie teuer Spaghetti, Pizza Margherita, Chicken Annakari oder Linsensuppe in seinem Restaurant sind.

„Wer den Highscore knackt, wird zum Essen eingeladen“, stellt Elisa die Idee dahinter vor. Fürs Internet-Portal „Youtube“ hat sie mit Christina eine Anleitung entwickelt, die als Video daher kommt. Da sie nicht sofort erkannt werden will, hat sie eine Gorilla-Maske auf dem Kopf. Marian Prill findet’s super und scherzt: „Sie können jetzt nicht nur Guerilla-, Related content sondern ebenfalls Gorilla-Marketing.“ Beide hätten im Praktikum viel gelernt. Und wer weiß: Vielleicht werden sie nach der Schule zu Agenturchefinnen auf Dauer. Marian Prill ist jedenfalls überzeugt: „Wenn es nach mir geht, können wir demnächst gerne noch ein paar Projekte gemeinsam angehen – natürlich gegen Bezahlung.“ Denn wenn die Schülerinnen für seine Agentur in Oberhausen arbeiten, „soll auch für sie etwas bei rausspringen“.

Das Online-Spiel „Fliegender Indaliener“ gibt’s auf www.indaliener-muelheim.de; ein Blog der beiden Schülerinnen findet sich unter: www.facebook.com/DeutscheHandarbeitJunioren.

Agentur für Arbeit: Tipps für Ferienjobs

Wer in den letzten Wochen der Sommerferien mit der Idee spielt, kurzfristig ein Betriebspraktikum zu machen, findet bei der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit auf www.arbeitsagentur.de Praktika, Ferienjobs und offene Ausbildungsstellen. Außerdem gibt die Agentur Hinweise, was bei Praktika zu beachten ist: Kinder unter 13 Jahren dürfen laut Jugendschutzgesetz keine Arbeiten in den Ferien annehmen.

Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren dürfen bis zu zwei Stunden pro Tag kleinere Jobs übernehmen, wie Prospekte austragen oder Nachhilfe geben. Die Arbeit darf nicht die Gesundheit gefährden, die Eltern müssen ihre Zustimmung geben. 15- bis 17-Jährige dürfen in den Ferien bis zu acht Stunden pro Werktag arbeiten, höchstens 40 Stunden in der Woche und 20 Arbeitstage Vollzeit im Jahr.

Wochenend-, Akkord- und Nachtarbeit sind in der Regel verboten. Volljährige Schüler dürfen bis zu 50 Tage im Jahr oder zwei Monate am Stück arbeiten. Alles andere ist kein Ferienjob mehr.