Busfahrerin muss 2000 Euro zahlen

Ein zaghaftes Lächeln huscht Monika H. (Name geändert) über die Lippen, ihr Blick sucht Halt bei den zahlreichen Zuschauern in Saal 108. Was sie von dem Urteil halten soll, weiß sie noch nicht genau. Monika H. ist die Busfahrerin, die am 27. Februar 2014 in einen spektakulären Unfall am Centro verwickelt war. Ihr Bus war an der Kreuzung Osterfelder Straße/Ripshorster Straße mit einem Pkw zusammengestoßen, anschließend eine Böschung hinunter gefahren und hatte dort zwei Ausstellungswagen des anliegendend Autohauses unter sich begraben. Sechs Personen verletzten sich bei dem Unfall, zwei davon schwerer.

Der Busfahrerin der Stoag wurde fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Damals wurde Strafbefehl erlassen, mit einer Geldstrafe von 2400 Euro und einem zweimonatigen Fahrverbot. Monika H. hatte Einspruch eingelegt.

Am Amtsgericht sollte also geklärt werden: Verursachte menschliches Versagen oder ein technischer Defekt den Unfall? Diese Frage beantwortete die Richterin in ihrem Urteil allerdings nicht, das Verfahren wurde unter Auflagen vorläufig eingestellt. 2000 Euro muss die Angeklagte in den nächsten sechs Monaten an die Staatskasse zahlen. Ein Fahrverbot erhält sie nicht.

„Freu dich, Monika“, ruft ihr eine Kollegin zu. Zumindest wird die Busfahrerin ihren Beruf weiter ausüben können. Monika H. atmet durch. Sie ist gezeichnet von dem Verfahren. Das führte die Richterin auch in ihrer Urteilsbegründung an. Die Belastung für die Angeklagte sei in den vergangenen Monaten sehr hoch gewesen.

Eindeutig geklärt werden konnte allerdings nicht, ob die Busfahrerin nun tatsächlich das Gaspedal mit der Bremse verwechselt hat, oder doch ein technischer Defekt vorlag.

Stoag-Betriebsratsvorsitzender Michael Stemmer schüttelt beim Verlassen des Gerichtssaals mit dem Kopf: „Ich bin erstaunt über den mangelnden Sachverstand der Gutachter.“ Etliche der Aussagen hätten auf Vermutungen basiert „und nicht auf empirischen Daten und Erkenntnissen“, so Stemmer und weiter: „Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Prozess bis zum Ende empirisch durchgeführt worden wäre.“

Zu klären galt, warum der Bus nicht anhielt, als er auf die rote Ampel zusteuerte. „Alle Insassen haben ausgesagt, dass sie das Gefühl hatten, mit dem Bus stimme etwas nicht, auch die verletzten. Die Busfahrerin hat kurz vor der Ampel alle informiert, dass sie nicht bremsen könne, ist dem haltenden Auto vor ihr ausgewichen und auf die Kreuzung gefahren“, fasste die Verteidigung Aussagen des ersten Prozesstages zusammen. Einen technischen Fehler konnten die Gutachter (Dekra und Mercedes) allerdings weder in der Mechanik noch in der Elek-tronik des Busses finden.

„Den Entschluss der Richterin kann man nachvollziehen“, so Stemmer. Allerdings: „Fast jeder von uns Busfahrern hat schon mal festgestellt, dass der Bus von alleine Gas gegeben hat.“