Busfahrer in Oberhausen winkt Seniorin nur zu

Die Haltestelle an der Wörthstraße, wo sich der Vorfall ereignet haben soll.
Die Haltestelle an der Wörthstraße, wo sich der Vorfall ereignet haben soll.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Leserin beobachtet, wie 80-Jährige an der Haltestelle stehen gelassen wird. Fahrer habe frech gewinkt. Stoag spricht von Missverständnis. Weniger Klagen.

Oberhausen.. Busfahrer einer Linie in einer Großstadt wie Oberhausen zu sein, ist nun wahrlich kein einfacher Job: Hoher Stress bei der Fahrt durch überfüllte Straßen, äußerst gefühlvolles Anfahren, damit Kunden im Bus nicht umfallen, trotz Verspätungen nicht in unfallträchtige Hektik geraten, stets freundlich den Kunden gegenüber verhalten.

Doch bei allem Bemühen der von der Stoag nach eigenen Angaben regelmäßig geschulten Fahrer, manchmal geht etwas gehörig schief: Was WAZ-Leserin Ursula Linsen kürzlich morgens an der Wörthstraße in der Oberhausener Innenstadt an der Haltestelle nahe der Stadtsparkasse erlebte, hat sie so sehr empört, dass sie der Redaktion einen Brief geschrieben hat. Und Folgendes schildert: „Der Bus der Linie 956 Richtung Osterfeld machte seine Türen gerade zu, als eine etwa 80-jährige Frau mit zwei Taschen noch einsteigen wollte. Der Fahrer sah das, blieb stehen und grinste hämisch. Dann hat er der Dame frech gewunken und Gas gegeben. Das Ganze dauerte etwa sechs bis acht Sekunden. Genug Zeit, um die Tür einmal auf und zu zumachen. Die alte Dame war ganz schön fertig.“ Linsen meint sogar, beobachtet zu haben, dass „die Busfahrer in den letzten Jahren immer unfreundlicher geworden sind“.

Fahrer: Seniorin nicht gesehen

Die Stoag hat aufgrund dieser Beschwerde eine Stellungnahme des Fahrers angefordert – wie es in ähnlichen Fällen üblicherweise geschieht. „Der Fahrer versichert, dass er die alte Dame nicht gesehen hat“, sagt Stoag-Sprecherin Sabine Müller. Es müsse eine missverständliche Handbewegung gegeben haben, die die WAZ-Leserin als Winken fehl interpretiert habe.

Grundsätzlich aber sei es für die unter Zeitdruck stehenden Fahrer, die ja den Fahrplan einhalten müssten, unmöglich, immer wieder für heran eilende Fahrgäste die Türen zu öffnen. „Das könnten sie dann ständig an viel frequentierten Bushaltestellen wiederholen – und kämen nicht vom Fleck.“

Speziell an der Wörthstraße seien die Busfahrer wegen der folgenden Fußgängerampel gezwungen, sofort loszufahren, sobald sie das entsprechende interne Stoag-Signal bekommen. Sonst würden sich laut Stoag Busse an der Haltestelle gefährlich stauen, die sehr zügig von verschiedenen Linien angefahren werde.

Insgesamt hat die Stoag-Geschäftsführung nicht den Eindruck, dass Busfahrer unfreundlicher geworden seien. Die Zahl der Beschwerden über das Verhalten von Fahrern sei gleich niedrig geblieben; insgesamt über alle Themengebiete hinweg sei die Zahl an Beschwerden rückläufig: Von 2705 im Jahre 2013 auf 2293 im Jahre 2014. „Das hört sich erst einmal viel an, ist aber angesichts von 36 Millionen Stoag-Fahrgästen im Jahr sehr niedrig“, meint Sprecherin Müller.