Bürokratie erschwert Ehrenamt in Oberhausen

Drei bis vier Mal im Monat begrüßt Hans-Dieter Gotthardt Kinder und Erwachsene an seiner Schutzhütte. Nun überlegt er, sein Engagement aufzugeben.
Drei bis vier Mal im Monat begrüßt Hans-Dieter Gotthardt Kinder und Erwachsene an seiner Schutzhütte. Nun überlegt er, sein Engagement aufzugeben.
Foto: Ulla Emig WAZ Fotopool
In Oberhausen-Schmachtendorf baute ein Bürger eine Hütte für Spaziergänger und freiwillige Naturkunde-Stunden. Nun will OGM ihm Verantwortung bei Schäden übertragen. „Das kann ich nicht“

Oberhausen..  Die Sache ist durchaus verzwickt. Einerseits fördert und fordert die Stadt Oberhausen ehrenamtliches Engagement von ihren Bürgern ein. Anderseits gelten auch fürs Ehrenamt Regeln, die den persönlichen Einsatz erschweren können. Das Beispiel einer Holzhütte an der unter Spaziergängern beliebten städtischen Hühnerheide in Schmachtendorf zeigt, wie Engagement zu scheitern droht.

Hans-Dieter Gotthardt hatte Gutes im Sinn. Kindern und jungen Menschen wollte er die Natur nahebringen, Spaziergängern einen Unterschlupf bei Regen bieten und alten Menschen eine Möglichkeit zum Verschnaufen schaffen. Eine Holzhütte hat Hans-Dieter Gotthardt deshalb 2012 mit vielen Unterstützern und Sponsoren ehrenamtlich und auf eigene Kosten an der begrünten früheren Mülldeponie errichtet. Geschehen ist das zwar mit dem Okay der Unteren Landschaftsbehörde, doch gab es keine Regelung dafür, wer bei Unfällen haftet.

74-Jähriger räumt freiwillig auf

Das soll nun nachgeholt werden: Die Stadt hat dem 74-Jährigen das Grundstück samt Hütte und damit allerlei Verantwortung übertragen: Er hat die Hütte gebaut, so soll er nun auch für die Verkehrssicherungspflicht aufkommen. Der 74-Jährige muss also alle notwendigen Vorkehrungen treffen, um Schäden anderer zu verhindern.

„Das kann ich aus gesundheitlichen Gründen nicht machen“, sagt Hans-Dieter Gotthardt. Der Schmachtendorfer ist krankheitsbedingt auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Behindern ließ er sich dadurch zwar nicht, drei bis vier Mal im Monat Gruppen über die Hühnerheide zu führen und über die heimische Natur zu informieren. Auch räumt Gotthardt nach Silvesterknallereien an der Hühnerheide mit auf. Doch die Verkehrssicherungspflicht übernehmen, das könne er langfristig nicht, sagt der Senior. „Dann gebe ich das Ganze dran und baue die Hütte lieber ab.“

Vor solch übereilten Reaktionen warnt Alexander Höfer, Sprecher der für alle unbebauten städtischen Flächen zuständigen Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM). „Das Engagement von Herrn Gotthardt finden wir toll, allerdings braucht es klare Verantwortungen. Wir wollen mit Herrn Gotthardt eine gemeinsame Lösung finden.“ Weitere Gespräche sollen zwischen OGM und dem ehrenamtlichen Ranger stattfinden.

Gerlinde Meyer, die als Vorsitzende des Sauerländischen Gebirgsvereins oft an der Hühnerheide ist, fordert ein, dass in der nächsten Sitzung des Landschaftsbeirats über die Holzhütte diskutiert wird. „Hier muss ein Kompromiss gefunden werden.“ Dafür plädiert auch Thomas Gäng. Der Schmachtendorfer half beim Errichten der Holzhütte. „Dieser Fall sollte in Ruhe zwischen besprochen werden.“

Gotthardt allerdings vermutet, dass ein Gespräch mit der Stadttochter OGM den Konflikt nicht endgültig lösen werde. „Mir werden immer wieder Steine in den Weg gelegt“, meint der Schmachtendorfer. Er berichtet von Ärger mit Jägern. „Wenn ich einen von ihnen an der Hütte sehe, vergeht keine Woche und ich erhalte einen Anruf oder ein Schreiben von der Stadt, dass ich irgendetwas abzubauen oder zu unterlassen habe.“

Jäger weisen Kritik zurück

Angesprochene Jäger weisen Kritik an der Hütte zurück. Sie meinen aber, dass Gotthardt für die Naturunterricht für Kinder und Jugendliche nicht ausgebildet sei. Die Kreisjägerschaft betreibt selbst eine Waldschule.

Gotthardt hingegen verweist auf seine langjährige ehrenamtliche Arbeit als Naturranger. „Und meine zwei Unterstützer sind pensionierte Biologielehrer.“