Bürgerentscheid bewegt Frintrop

Seit über zehn Jahren wird die Verlängerung der Straßenbahn 105 von Frintrop bis ans Centro diskutiert. Am Sonntag, 8. März 2015, haben nun 165 000 Oberhausener Bürger das Wort, ob die auf inzwischen 80 Millionen Euro angewachsene Bau- und Planungssumme für den geplanten Lückenschluss tatsächlich investiert werden. Im Grenzstadtteil Essen-Frintrop wurde diese Entscheidung des Oberhausener Stadtrates überwiegend positiv kommentiert

Christa Noeckel, Besitzerin eines Modegeschäfts und Mitglied der Initiative „Wir in Frintrop“, hat keine Zweifel: „Ich bin für den Ausbau, weil wir zukunftsorientiert für ein starkes Ruhrgebiet sorgen müssen.“ Sie kann sich den Zuzug von Studenten vorstellen, die wegen geringerer Mieten eher nach Frintrop ziehen möchten, aber auch ein attraktives Umfeld wünschen. Die flotte Verbindung zum Centro wäre ein Argument.

Probleme beim Handel befürchtet

Privat könnte sich Christian Plassmann (36) die Linie gut vorstellen. „Wenn ich mit meinen 36 Jahren im Centro feiern möchte, wäre das praktisch. Dann kann man mit der 105 nachts wieder zurückfahren.“ Die Verbindung der beiden Innenstädte wäre richtig, „aber die Anbindung ans Centro ist nur ein halber Schritt. Das ist nicht für jeden Händler positiv.“

„Wir hoffen, dass Verkehr zurückkommt“, sagt Werner Engels, der mit zwei „Mode-Engels“-Geschäften in Frintrop und Frohnhausen vertreten ist. Dabei setzt er auf Serviceangebote wie Ärzte oder Apotheker, die auch jenseits der Stadtgrenze bekannt und dank der 105 dann auch genutzt werden.

An die Kosten der Verlängerung in Höhe von 80 Millionen Euro, auch durch die Aufständerung hervorgerufen, erinnert noch einmal Jörg Thiede von der CDU Essen-Frintrop. Für die 300 Meter Strecke auf Essener Stadtgebiet müsse auch noch eine Finanzierung gefunden werden.

Nicht bis zum Limbecker Platz

Er sieht in der Verlängerung eine „Komfortsteigerung“ für die Essener Bürger. Dagegen glaubt er nicht, „dass viele Oberhausener mit der Straßenbahn dann nach Frintrop fahren und dort auch aussteigen“. Auch zum Limbecker Platz würden die Oberhausener nicht mit der Linie fahren, glaubt er.

Eindeutig für die Verlängerung spricht sich die SPD Essen-Frintrop aus. Peter Lotz: „Wir begrüßen sie auf jeden Fall.“ Als Kaufmann, der seit drei Jahrzehnten ein Reisebüro betreibt, erhofft er sich eine deutliche Belebung des Einkaufszentrums: „Wir können nur profitieren und erwarten einen Zufluss sowohl aus Oberhausen als auch aus Essen.“

Dass die Bürger das letzte Wort haben, stört Lotz nicht. Im Gegenteil: „Ich finde das toll.“ Er setzt auf die angekündigten Informationsveranstaltungen mit Stadtentwicklungsminister Michael Groschek und Oberbürgermeister Klaus Wehling: „Jetzt liegt es am Bürger.“