Bürgerbündnis im Rat der Stadt Oberhausen spaltet sich

Die junge BOB-Fraktion im Sommer 2014: Die Fraktionsspitze Albert Karschti und Karl-Heinz Mellis vorne, rechts hinten Andrea-Cora Walther.
Die junge BOB-Fraktion im Sommer 2014: Die Fraktionsspitze Albert Karschti und Karl-Heinz Mellis vorne, rechts hinten Andrea-Cora Walther.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Schon acht Monate nach der Ratswahl steht das Bündnis Oberhausener Bürger (BOB) vor der Spaltung: Andrea-Cora Walther und Albert Karschti wollen die Fraktion verlassen. Das Mandat geben sie nicht auf.

Oberhausen.. Schon acht Monate nach der Ratswahl steht das mit viel Hoffnung gestartete Bündnis Oberhausener Bürger (BOB) vor der Spaltung: Zwei der fünf BOB-Ratsmitglieder wollen mit der von dem Osterfelder Karl-Heinz Mellis seit Juni 2014 geführten Fraktion im Rat nichts mehr zu tun haben.

Steuerberaterin Andrea-Cora Walther, Mitbegründerin des ursprünglichen Vereins WSO („Wir sind Oberhausen“, und Albert Karschti (Ex-Grüne, Ex-Pirat) sehen keinen Sinn mehr darin, mit der Fraktion weiter zu arbeiten. Ihr gemeinsamer Vorwurf: Alleingänge von Fraktionschef Mellis, zu geringe Einbindung von Fraktion und Wählergemeinschaft BOB in Entscheidungsprozesse, fehlende Konzentration auf Inhalte, stundenlange zeitfressende Sitzungen um nebensächliche Formalien.

Austritt aus dem Bürgerbündnis erwägen sie nicht

„Es ist alles ins Persönliche abgerutscht, wir driften in zwei Flügel ab. Die Entwicklung ist zerstörerisch geworden“, sagt Albert Karschti. Und Andrea-Cora Walther: „Meiner politischen Arbeit wurden von Anfang an Steine in den Weg gelegt. Mellis ist kein Teamplayer. Die anderen müssen wissen, ob sie ein Team haben wollen oder lieber einem Gutsherrn folgen.“ Ihre Ratsmandate wollen die beiden aber behalten, auch ein Austritt aus dem Bürgerbündnis erwägen sie nicht.

Karl-Heinz Mellis, immerhin einer der Hauptinitiatoren der BOB-Gründung vor einem Jahr, weist die Vorwürfe empört zurück. „Es gibt keine einzige Entscheidung, über die nicht in der Fraktion abgestimmt worden war.“ Er bestätigt allerdings, dass seit vier Monaten Querelen in der Fraktion anhalten. „Aber wir waren auf einem guten Weg“, sagt Mellis – und deshalb überrascht ihn die am gestrigen Montag erfolgte Entscheidung von Karschti und Walther, nichts mehr mit der BOB-Fraktion zu tun haben zu wollen.

BOB-Fraktionsgeschäftsführer Dennis Vollmer verteidigt Mellis: „Bei uns ist alles demokratisch entschieden worden, es gab keine Bremsen, doch die beiden haben wohl ein gespaltenes Verhältnis zu demokratischen Prozessen. Ich bin von ihnen persönlich tief enttäuscht.“ Die von Karschti und Walther angezettelte öffentliche Schlammschlacht schade dem Gedanken von BOB, dass sich Bürger ehrenamtlich für die Stadt einsetzen und sich an politischen Beschlüssen aktiv beteiligen.

Fehler in der Fraktionsarbeit

Schon Mitte November hätte die BOB-Fraktion beinahe ihren Kopf verloren: Mellis kündigte in einem Schreiben seinen Rückzug an, wollte die Brocken hinwerfen und gestand Fehler in der Fraktionsarbeit zu. Wenige Tage später überlegte er sich das aber wieder anders.