Bürger in Oberhausen produzieren immer mehr Müll

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Was wir bereits wissen
Die Oberhausener Wirtschaftsbetriebe legen die Abfall-Statistik des vergangenen Jahrzehnts vor. Verpackungsmüll steigt mit dem Internethandel.

Obehausen.. Ob der Kaffee zum Mitnehmen im Plastikbecher, das Paket vom Online-Versandhandel oder die Tüte vom SB-Bäcker um die Ecke: Die Bürger dieser Stadt produzieren immer mehr Müll.

Nach Angaben des städtischen Entsorgungsunternehmens – der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO) – ist besonders die Menge des Verpackungsmülls im zurückliegenden Jahrzehnt deutlich angestiegen. Im Vergleich zu 2006 sind im vergangenen Jahr rund 540 Tonnen mehr Altpapier entsorgt worden, bei Leichtverpackungen wie Joghurtbechern oder Plastikschalen sind es sogar über 600 Tonnen mehr. Im gleichen Zeitraum ist Oberhausen um knapp 10.000 Bewohner geschrumpft.

5538 Tonnen Leichtverpackungen und 12.947 Tonnen Altpapier sind 2015 laut aktueller WBO-Statistik in Oberhausen zusammengekommen. Das sei zwar etwas weniger als noch 2014, der Trend nach oben ist für WBO-Geschäftsführerin Maria Guthoff aber offensichtlich: „Die Zahlen haben sich insgesamt gesehen stetig nach oben entwickelt.“

Bundesweit hat jeder Deutsche zuletzt fast 213 Kilogramm Verpackungsmüll produziert. Diesen Negativrekord hatte das Bundesumweltministeriums jüngst für das Jahr 2013 bekannt gegeben.

Rückläufiger Trend beim Altglas

Den Hauptgrund für diese Entwicklung auch in Oberhausen sehen die Entsorgungs-Fachleute bei der WBO im Boom des Internethandels, der seine Waren in Kartons, Plastikfolien und mit Füllmaterialien verpackt liefert. Denn den größte Anteil der in Oberhausen entsorgten Verpackungsabfälle nehmen Papier und Pappe ein. „Beim Altglas beobachten wir dagegen einen leicht rückläufigen Trend“, sagt WBO-Geschäftsführer Karsten Woidtke.

Zu den Auswirkungen des Internethandels kommen die Folgen eines geänderten Konsumverhaltens hinzu: Viele Nahrungsmittel und Getränke werden unterwegs verzehrt. Diese Beobachtung teilt Marc Heistermann vom Einzelhandelsverband: „Jedes Lebensmittelgeschäft will heute dieser Nachfrage Rechnung tragen.“ Zugleich gibt er zu bedenken, warum sich das Konsumverhalten verändert habe: „Von Arbeitnehmern und Familien wird immer mehr Flexibilität verlangt, da muss es beim Essen oftmals auch schnell gehen.“

Politiker Norbert Axt (Die Grünen) appelliert vor diesem Hintergrund, man möge darüber nachdenken, was man konsumiert und vor allem wie. Er macht das am Beispiel von Kaffee deutlich: „Einen benutzten Kaffeefilter kann ich auf dem Kompost entsorgen, die Kapseln aus Alu sind einfach nur Müll.“ Auch WBO-Chefin Maria Guthoff ist mit oft unnützen Verpackungen, die sie beim Einkaufen entdeckt, nicht zufrieden: „Warum muss ein Teebeutel in Plastik gehüllt sein, obwohl er in einer Schachtel steckt oder warum muss eine Salatgurke in Folie eingewickelt sein?“

Cornelia Schiemanowski betreut beim Umweltverband BUND eine Kindergruppe, in der sie auf einen anderen Aspekt von Müll aufmerksam macht: „Abfallstoffe sind ja auch Wertstoffe.“ Und aus denen lasse sich sogar etwas Neues herstellen. „Was andere wegwerfen, können wir oft zum Basteln nutzen.“ Auch das helfe, den eigenen Müllberg zu reduzieren.