Brücken-Abriss in drei Schichten - Stauwochenende in Oberhausen

Brückenabriss im Autobahnkreuz A3 / A 516 in Oberhausen: Die Autobahn A3 in Richtung Arnheim war bis Montagmorgen, 19. Dezember, gesperrt, der Verkehr wurde über die A 42 umgeleitet. Foto: Kerstin Bögeholz
Brückenabriss im Autobahnkreuz A3 / A 516 in Oberhausen: Die Autobahn A3 in Richtung Arnheim war bis Montagmorgen, 19. Dezember, gesperrt, der Verkehr wurde über die A 42 umgeleitet. Foto: Kerstin Bögeholz
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Was wir bereits wissen
Man kann von kilometerlangen Staus reden - oder es nett umschreiben. Ein Sprecher der Autobahnpolizei zog es vor, von einer "unentspannten Lage" zu sprechen. Die ergab sich für ungezählte Autofahrer am Wochenende durch den Brückenabriss im Kreuz Oberhausen. Selbst in der Stadt knubbelte es sich.

Oberhausen.. Fünf Kilometer lange Staus auf der Autobahn, zahlreiche Rückstaus auch in Buschhausen und Sterkrade – weil am Wochenende der westliche Brückenteil am Autobahnkreuz Oberhausen abgerissen wurde, musste die A3 bis in die frühen Morgenstunden des heutigen Montags teils komplett gesperrt werden. Das sorgte auf den Autobahnen für eine „unentspannte Lage“, wie ein Sprecher der Autobahnpolizei sagte.

Wer dem entgehen wollte und den Umweg durch die Stadt in Kauf nahm, landete ebenfalls in langen Autoschlangen. Das berichten Anwohner in Buschhausen und Sterkrade. Warum, fragen viele, wird die Brücke ausgerechnet am Wochenende des vierten Advents abgerissen?

Peter Belusa von „Straßen NRW“ hat diese Frage schon erwartet. „Das Verkehrsaufkommen ist an diesem Wochenende nicht höher als an jedem anderen Dezemberwochenende.“ 85.000 Fahrzeuge am Tag – „einen Unterschied würde der verkaufsoffene Sonntag im Centro machen, dann haben wir hier 105.000 Autos“, sagt der Projektleiter des Brückenabrisses.

Dicke Staubwolken

Man muss sich ein ganzes Stück zu dem Ingenieur beugen, um ihn in dem Lärm auf der Baustelle überhaupt zu verstehen: Zwei 40 Tonnen schwere und massive gelbe Maschinen hämmern mit einer Art Stahlmeißel immer wieder und wieder in einen meterhohen Haufen aus Betonresten, so dass dicke Staubwolken in die kalte Luft puffen. Daneben schiebt sich eine Stahlkralle Teile von Stahlträgern in die richtige Position, wie ein Hund, der mit einem Ball spielt. Mit ungeahnter Kraft schneidet die Kralle den Stahlträger in zwei Teile.

Das sind die Überreste des ersten Brückenstücks. In vier Teilen wird die Westhälfte der Brücke an diesem Wochenende abgerissen, nachdem die andere Seite des 50 Jahre alten und beschädigten Bauwerks vor einigen Monaten erneuert worden war. 5000 Tonnen Beton und 600 Tonnen Stahl - sie werden verkauft und recycelt.

Eine weitere Vollsperrung

Ein rund 20 Meter breites Loch klafft bereits seit den Morgenstunden in der Brücke. Mit einem Autokran wurde das erste Stück gesichert, die Stahlträger sind so vorsichtig abgetrennt worden, dass die übrigen Brückenteile in ihrer Stabilität nicht beeinträchtigt wurden. Langsam wurde das Bauteil dann auf die Fahrbahn darunter gesenkt, an deren Rand es nun nach und nach zerkleinert wird.

„Wir haben Freitagabend direkt nach der Sperrung eine eineinhalb Meter dicke Schicht Sand auf die Fahrbahn unter der Brücke aufgetragen, um sie zu schützen“, erklärt Belusa.

Es ist ein surreales Gefühl, mit ihm auf einer Brücke zu stehen, die nicht mehr zur anderen Seite führt. Der Boden vibriert unter einer tonnenschweren Maschine, die hinter dem Ingenieur rangiert. Vor ihm schiebt sich Zentimeter um Zentimeter der Arm des 600 Tonnen schweren Autokrans in die Brückenlücke, direkt an den zweiten Teil, der an diesem Samstag herausgenommen werden muss. Ein Arbeiter schneidet derweil mit der Flamme eines Gasbrenners Dreiecke in die Stahlträger, an denen der Haken des Krans später fixiert wird.

Dreischichtenbetrieb

30 bis 40 Arbeiter sind im Dreischichtenbetrieb am Abriss beteiligt, eineinhalb Jahre hat Straßen NRW dieses Riesenprojekt geplant. Zwölf Vollsperrungen waren vorgesehen, letztlich seien aber wohl nur vier notwendig, heißt es am Samstag. Jeweils eine beim Abriss und eine, wenn die neuen Stahlträger der neuen Brücke aufgelegt werden. Die Autobahn wird also wohl nur noch einmal komplett gesperrt - voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni.