Brachte Intrige den Angeklagten vors Amtsgericht Oberhausen?

Der Prozess endete nach rund zweieinhalb Stunden mit einem Freispruch für den Angeklagten.
Der Prozess endete nach rund zweieinhalb Stunden mit einem Freispruch für den Angeklagten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Angeklagter soll Bremsen manipuliert haben, um Nebenbuhler zu schaden. Prozess endet mit Freispruch. Verdacht: „Opfer“ hat selbst Hand angelegt.

Oberhausen.. War es wirklich ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr oder doch die perfide Intrige eines Zeugen? Vor dieser Frage stand das Oberhausener Amtsgericht am Mittwoch. Ein Busfahrer war angeklagt, die Bremsen an einem Auto manipuliert zu haben, um seinem Nebenbuhler zu schaden. Er sei eifersüchtig gewesen, weil er eine Beziehung zwischen dem vermeintlichen Opfer und seiner damaligen Freundin vermutete. Doch während der Beweisaufnahme kam ein schlimmer Verdacht auf: Der Geschädigte könnte selbst Hand angelegt haben, um den Angeklagten mit falschen Anschuldigungen zu schädigen. Das Gericht sprach den 35-jährigen Krefelder daraufhin frei.

Die vermeintliche Tat geschah im November vergangenen Jahres. Die drei Beteiligten, also der Angeklagte, seine damalige Freundin sowie das „Opfer“, arbeiteten damals als Busfahrer in Oberhausen (letzterer mittlerweile nicht mehr). In der Beziehung des Angeklagten habe es lange gekriselt, berichtete dieser gestern. Er habe das klären wollen, doch seine damalige Freundin habe immer abgeblockt.

Zeugin: „Ich hatte Angst“

Auch an jenem Abend im November habe er das Gespräch gesucht, sei zwei Mal zur Haltestelle gefahren, an der die Freundin laut Fahrplan Pause hatte. Doch er fand die junge Frau nicht alleine vor: Auch der Kollege war dabei. „Zum Schutz, ich hatte Angst“, so die Zeugin gestern. Eine Beziehung zum Kollegen bestritt sie vehement. „Wir sind erst später zusammengekommen“, sagte sie. Später heißt: einen Tag nach dem Vorfall.

Er habe am Tatabend tatsächlich einen Blick auf den Motor des manipulierten Autos geworfen, gab der Angeklagte zu. Aber nur, weil ihm seine Freundin etwas von einem Unfall geschrieben habe (der Ausdruck dieser Nachricht lag dem Gericht vor). Sie meinte, der Wagen verliere eventuell Öl. Bei dem Fahrzeug handelte es sich um das Auto der Zeugin. „Aber die Versicherung läuft auch auf mich, da wollte ich natürlich sehen, was mit dem Wagen ist“, so der Angeklagte.

Gutachter hat erhebliche Zweifel

Der Zeuge, der an diesem Abend mit dem Wagen seiner späteren Freundin unterwegs gewesen ist, meinte allerdings, der Angeklagte habe dabei die Leitung zum Bremsverstärker gekappt. „Mit dieser Vorstellung habe ich meine Zweifel“, meinte dagegen der geladene Sachverständige: Um den Schlauch zu ziehen, sei eine immense Kraftanwendung nötig.

Der Angeklagte, der auch laut Aussage des Zeugen bei der vermeintlichen Tat mit einer Hand die Motorhaube festhielt, hätte das so nicht machen können. Und: Der Zeuge schilderte, dass bei seiner Fahrt die Bremse von Beginn an überhaupt nicht mehr funktioniert habe. Auch das kann laut Gutachter nicht sein: Die ersten Bremsvorgänge würden auch ohne Bremsverstärker noch normal funktionieren. „Auch danach kann man noch bremsen, es ist nur ungemein schwerer.“

Zeuge macht „Beweisfoto“ vor der Tat

Drittes Indiz, dass dafür spricht, dass der Zeuge gelogen hat: Er hat den Angeklagten fotografiert, als der sich den Motor ansah. „Ich weiß auch nicht, er hätte ja irgendwas machen können“, begründete der Zeuge die Maßnahme. Für Richter Andreas Kunze völlig unverständlich: „Entweder man vertraut jemandem und hat deshalb auch keinen Grund, ein Foto zu machen. Oder man vertraut demjenigen nicht, aber dann öffne ich erst gar nicht die Motorhaube.“

Mit dem Verlauf der Verhandlung waren die Zeugen sichtlich unzufrieden. „Seien Sie ruhig oder ich schmeiße Sie raus!“, kommentierte Richter Andreas Kunze lautes Getuschel des Paares.

Job war in Gefahr

Ob der Zeuge nun seinerseits ein Strafverfahren fürchten müssen, ist noch nicht klar. In einem Fall wie diesen müsse die Staatsanwaltschaft prüfen, ob es belegbare Anhaltspunkte gibt, die für eine Straftat sprechen. Erst dann würde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, erklärt Detlef Nowotsch, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Duisburg.

Der Angeklagte war nach dem Urteil sichtlich erleichtert und dankte dem Gericht. Im Fall einer Verurteilung hätte er seinen Job als Busfahrer wohl für immer verloren.