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Bombe in Oberhausen-Sterkrade ist entschärft - alle Sperren werden aufgehoben

21.05.2013 | 21:37 Uhr
Um 12.45 Uhr hatte Feuerwerker Peter Giesecke den schwierigsten Teil seiner Arbeit in Sterkrade erledigt. Foto: Tom Thöne

Oberhausen.  Entwarnung in Oberhausen. Sprengmeister Peter Giesecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst hatte die zehn Zentner schwere Fliegerbombe um 12.45 Uhr entschärft. Die Sperrung der A 516 ist aufgehoben.4000 Anwohner waren vom Einsatz betroffen. Die Chronik des Großensatzes.

Am Mittwochmorgen wurde Oberhausen-Sterkrade evakuiert: Sprengmeister Peter Giesecke entschärfte eine amerikanische Fliegerbombe an der Riesenstraße. Auch die Autobahn 516 war über eine Stunde gesperrt. Wir berichteten im Live-Ticker aus Sterkrade. Die Chronik des Großeinsatzes:

14.00 Uhr: Direkt nach Aufhebung der Absperrungen haben die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes auch mit dem Rücktransport der Bewohner des städtischen Altenheims in Sterkrade begonnen. "Das ist auch die selbe Truppe, die die Bewohner heute morgen transportiert hat", so Martin Berger von der Stadt Oberhausen. Er geht davon aus, dass die Senioren spätestens zum Kaffee wieder zuhause sind.

13.50 Uhr: Dass es Verkehrsbehinderungen gibt, ist bei einem solchen Einsatz normal, sagt Polizeisprecher Axel Deitermann, gravierende Störungen registrierte die Polizei im Umfeld der Bombenentschärfung jedoch nicht. "Entschärfend hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass die Bombenentschärfung schon einige Tage angekündigt war."

13.15 Uhr: Der Besitzerin des Geländes, auf dem der Blindgänger gefunden worden war, stehen Tränen in Augen. Der Gedanke, dass sie sechs Jahrzehnte auf der Bombe gewohnt hat, lässt sie zittern. Sie drückt Peter Giesecke als Dank einen Blumenstrauß in die Hand. Der 59-Jährige freut sich über die Wertschätzung des gefährlichen Jobs, den die Kampfmittelräumer täglich erledigen.

13.10 Uhr: Die Bombe an sich hat Giesecke im Grunde heute keinerlei Probleme bereitet. Vielmehr war es der matschige Untergrund, in den der Feuerwerker immer wieder einsackte, der die Entschärfung etwas kniffliger machte. Das wollte der 59-Jährige noch einmal klarstellen.

13.00 Uhr: An der Fundstelle steht Sprengmeister Peter Giesecke den Journalisten jetzt Rede und Antwort und zeigt den Fotografen den Zünder. Ein obligatorisches Foto ist auch die Aufnahme mit der Bombe. Wieviele der 59-Jährige aus Alstaden in seinem Berufsleben schon entschärft hat, hat er nicht gezählt.

Bombenentschärfung in Sterkrade

12.50 Uhr Und wieder eine Bombe weniger. 2011 wurden in NRW insgesamt 12.208 Kampfmittel geräumt. Darunter waren auch 9470 Granaten und Handgranaten sowie 26 Minen. 33 Tonnen Sprengstoff enthielten die entschärften Alt-Waffen. Die Zahl der entschärften Kampfmittel bleibt seit Jahren konstant.

Gekostet hat die Entschärfung und Entsorgung das Land 15,5 Millionen Euro. Der Bund erstattete davon fünf Millionen Euro für die Beseitigung so genannter "reichseigener Munition". Dabei handelt es sich etwa um Kampfmittel der Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg.

12.46 Uhr: Sprengmeister Giesecke wird jetzt zuallererst seine Ehefrau in anrufen. Das muss er nach jedem brenzligen Einsatz sofort erledigen, weil sonst der Haussegen schief hängt.

Entwarnung, die Bombe ist entschärft

12.45 Uhr: Entwarnung in Sterkrade. Die Bombe ist entschärft, alle Sperren werden aufgehoben.

12:43 Uhr: Auch das noch: Der Feuerwehr wurde gerade ein Zimmerbrand an der Parkstraße gemeldet. Die befindet sich aber außerhalb des Sicherheitsbereichs. da die Feuerwache in Sterkrade ebenfalls geräumt werden musste, rücken die Einsatzkräfte von Parkplatz des Möbelhauses Finke an der Weseler Straße aus.

12.42 Uhr: Für die Kontrolle an den Absperrungen hat der kommunale Ordnungsdienst übrigens Politesen und auch Innendienstler abgezogen. Falschparker kommen heute wahrscheinlich noch einmal glimpflich, also ohne Knöllchen, davon.

12.40 Uhr: Bis jetzt hat sich der Trupp des Kampfmittelbeseitigungsdienstes noch nicht wieder beim Krisenstab gemeldet. Es scheint also alles glatt zu gehen. 

12.38 Uhr: Insbesondere ab Herbst werden Giesecke und seine Kollegen wohl häufiger in Oberhausen im Einsatz sein. Dann werden wegen des Emscherbaus Bomben rund um die Oxea-Werk gesucht. Damit das Chemiewerk nicht mehrfach geräumt werden muss, sucht man bei der Stadt schon jetzt nach möglichen Lösungen, so Reiner Süselbeck vom Ordnungsamt.

Unklar ist, wieviele Bomben noch im Boden liegen

12.30 Uhr: Eine Frage, die sich immer wieder stellt in solchen Situationen: Wie viele Bomben befinden sich eigentlich noch in den Böden in NRW? "Das kann man seriös nicht beantworten", sagte Armin Gebhard, Referent im Bereich Kampfmittelbeseitigung beim NRW-Innenministerium, uns Anfang Dezember 2012.

"Wir wissen nicht mal die Ausgangszahl." Also, wie viele Bomben genau abgeworfen wurden. Schätzungen gehen von über 160.000 Tonnen Bombenlast aus, die auf das Ruhrgebiet niederfielen. Die Beladelisten der alliierten Flugzeuge sind nicht genau geführt worden. Es gibt widersprüchliche Dokumente.

Die Bombenlast auf Deutschland während des Zweiten Weltkriegs.Foto: Bertelmann

Experten sprechen davon, dass zwischen fünf und 15 Prozent der abgeworfenen Bomben Blindgänger seien. "Diese Quote ist nicht zu 100 Prozent belegbar. Zudem wurden schon während des Krieges und kurz danach Kampfmittel geräumt, aber nicht vernünftig dokumentiert", erklärt Gebhard. "Wir haben noch mehr als genügend Arbeit vor uns." Jahrzehnte werde es dauern, die Bomben zu entschärfen.

12.25 Uhr: Wegen der Bombenentschärfung ist auch die Ausfahrt Oberhausen-Zentrum von der A 42 komplett gesperrt. Wer in Oberhausen abfahren möchte, muss also auf die Ausfahrten Buschhausen oder Neue Mitte ausweichen. In Richtung Dortmund staut sich der Verkehr aktuell auf einen Kilometer Länge.

12.21 Uhr: Trotz all der Routine und der vielen hundert Blindgänger, denen Truppführer wie Giesecke schon den Zünder gezogen haben: "Wir spielen nicht mit Halmahütchen", hat uns der 59-Jährige mal gesagt und damit auch auf die Todesopfer bei der Entschärfung einer Weltkriegsbombe in Göttingen im Jahr 2010 verwiesen.

12.16 Uhr: Die meisten Bomben an Rhein und Ruhr fielen damals auf Oberhausens Nachbarstadt Duisburg. Allein am 14. und 15. Oktober warf die Royal Air Force (RAF) bei drei Angriffen auf Duisburg 9000 Tonnen Bomben ab. Und so sah es damals in Duisburg aus:

Duisburg in Trümmern

12.12 Uhr: Noch einige Worte zur Bombe, die der Alstadener Peter Giesecke da gerade vor sich hat: Die US Air Force hat die Zehn-Zentner-Bombe im Zweiten Weltkrieg abgeworfen. Sie enthält allein 250 Kilogramm Sprengstoff. In der Bombe an der Riesenstraße ist mit einem Aufschlagzünder ausgerüstet. Rost erhöht das Detonationsrisiko. Die Munition wird im Laufe der Jahre also tendenziell gefährlicher.

12.05 Uhr: Geschäftiges Treiben im Krisenstab am Oberhausener Polizeipräsidium. Bei der STOAG steht das Funkgerät nicht still. Einige Busse stehen wohl an der Absperrung Dorstener Straße, weil sie nicht rechtzeitig der Umleitung gefolgt sind. Die Leitstelle schickt Hilfe raus.

11.58 Uhr: "Moin Moin. Schöne Grüße an Giesecke, er kann jetzt los legen", gibt Reiner Süselbeck, der den Einsatz von Seiten des Ordnungsamtes leitet, grünes Licht für Peter Giesecke und seine Kollegen.

  1. Seite 1: Bombe in Oberhausen-Sterkrade ist entschärft - alle Sperren werden aufgehoben
    Seite 2: Entschärfung ist diesmal aufwändiger
    Seite 3: Alles läuft planmäßig bei der Evakuierung des Seniorenheims
    Seite 4: Wichtige Infos zur Evakuierung für die Bombenentschärfung

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