Blumen und Baklava

International beliebt: Pralinen kommen nicht nur bei deutschen Nachbarn gut an, weiß Ercan Telli.
International beliebt: Pralinen kommen nicht nur bei deutschen Nachbarn gut an, weiß Ercan Telli.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Für ihre freundlichen türkischen Nachbarn sucht NRZ-Leserin Rosemarie Linden ein Geschenk. Sie weiß nur nicht, worüber die sich freuen würden.

Oberhausen.. Meistens sind es Streitigkeiten, die Nachbarn in die Öffentlichkeit tragen. Nicht so an der Dorstener Straße im Haus von Rosemarie Linden. Die 82-Jährige schwärmt von ihren Hausmitbewohnern. Vor gut zwei Jahren haben sie und ihr Mann das Eigenheim in drei Wohnungen aufgeteilt, in die zwei Großfamilien einzogen.

„Ich bin ganz begeistert. Alle sind immer freundlich und hilfsbereit“, erzählt Linden. Ab und zu bekommt die Rentnerin sogar Geschenke von ihren Mietern „Ich möchte mich natürlich auch revanchieren“, sagt Linden. Da gibt es nur ein Problem: „Ich weiß nicht wie.“ Denn ihre Nachbarn kommen aus der Türkei „und da kann ich ja schlecht mit einer Weinflasche vorbeikommen. Moslems trinken ja gar keinen Alkohol“, weiß die Rentnerin, die bei der Präsent-Wahl nicht ins Fettnäpfchen treten will. „Ich habe mich schon bei meinen Bekannten erkundigt, was man beispielsweise zum Zuckerfest oder der Geburt eines Babys schenkt.“ Aber auch die wussten keinen guten Rat.

Süßigkeiten müssen nicht traditionell türkisch sein

„Ein schönes Geschenk zu machen ist gar nicht so schwer“, sagt Ercan Telli, Geschäftsführer des Integrationsrates Oberhausen. Zwar gibt er Rosemarie Linden recht, dass eine Flasche Wein nicht unbedingt das optimale Geschenk wäre, aber: „Blumen und Süßigkeiten gehen immer.“ Zum Zuckerfest käme ein kleiner Korb mit verschiedenen süßen Leckereien bestimmt gut an, glaubt Telli. Dabei müssten es gar nicht traditionell türkische Spezialitäten sein wie „Lokum“ (Sirup-Gelee-Würfel), den gefüllten Grießteig-Plätzchen „Maamoun“ oder Baklava (Blätterteig mit Nüssen). Telli: „Einfach ein paar Tafeln Milka, Lindt und Co. in den Korb. Schleife drum: Happy Bayram!“

Wenn es ein Baby und seine Familie zu beschenken gilt, dann wird in der Türkei traditionell ein kleines Goldstück überreicht. „Muss aber nicht sein. Über Babykleidung oder eine kleine Finanzspritze freuen sich die Eltern bestimmt auch“, glaubt der Geschäftsführer des Integrationsrates. Für den Trauerfall rät er: „In so einer Situation ist Beistand für die Familie das größte Geschenk. Wer da ist und sich eventuell um die Bewirtung der Trauergäste kümmert, hilft der Familie sehr.“

Generell hat Telli einen guten Tipp: Wer sich mit Kleinigkeiten bedanken will, kann den Kinder der Familie eine Freude machen. „Ein Eis oder ein schönes Buch kommen immer gut an. Und wenn die Kinder glücklich sind, dann sind doch auch die Eltern glücklich“, sagt er und betont: „Eigentlich unterscheiden sich türkische Nachbarn gar nicht groß von deutschen.“

Also gilt nicht nur für Rosemarie Linden: nur Mut bei der Präsent-Wahl. Es wird sich sicher ein passendes Geschenk finden, für die türkischen Nachbarn, „die das Beste sind, was uns passieren konnte“, sagt die Rentnerin, die sich jetzt auch endlich ohne Fettnäpfchen-Angst erkenntlich zeigen kann.