Blitzwachstum nach dem Krieg

Der Zweite Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre zeigten die Folgen politisch verursachter Not. Bei Kriegsende 1945 hatte Oberhausen gerade einmal rund 100 000 Einwohner. Die übrigen Oberhausener waren in Gefangenschaft oder auf das relativ bombensichere Land geflohen.

1946 hatten sich die Verhältnisse schon stabilisiert: 160 000 Oberhausener waren wieder am Ort. Von nun an vollzog sich über 15 Jahre bis 1960 der in absoluten Zahlen rasanteste Anstieg der Stadtbevölkerung: 100 000 Menschen mehr, über 260 000, sollten 1961 in Oberhausen leben. Dabei bildete der Geburtenüberschuss nur den geringeren Teil jenes Stadtwachstums.

Drei große Migrationswellen gestalteten die Stadt um: von 1945 bis 1950 kamen die Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, von 1950 bis 1961 diejenigen aus der DDR. Und seit 1956 setzte die Zuwanderung aus dem Mittelmeerraum ein. All das geschah in dieser Dimension, weil die Wirtschaft an der Ruhr nach Menschen verlangte.

Im Zuge von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder bildeten Kohle, Eisen und Stahl die wichtigsten Grundstoffe und Ausgangsprodukte, auf denen die immer erfolgreichere Wirtschaft der Bundesrepublik basierte. 1961 war Westdeutschland die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde, und Oberhausen erzeugte fast zehn Prozent der nationalen Eisen- und Stahlerzeugung. Unsere Stadt war auf dem Zenit ihrer Prosperität und ihres Selbstbewusstseins. Wohl deshalb konnten sich die Zeitgenossen noch nicht vorstellen, dass einmal ein Zeitalter ohne Stahlindustrie in Oberhausen vor ihnen lag. Entsprechend schleppend verlief die Umstellung auf die Förderung neuer Branchen. – Bis etwa 1980 trug die Hoffnung, eine Gesundschrumpfung der Hoag und von Thyssen steuern zu können.