Bis an die Schmerzgrenze
02.09.2010 | 18:44 Uhr 2010-09-02T18:44:00+0200
Oberhausen.Die Landesregierung stellt die Familienzentren auf den Prüfstand. Verantwortliche vor Ort fordern Arbeitsentlastung und streben deshalb eine Neuausrichtung der Einrichtungen an.
Wie wird es weitergehen mit Oberhausens Familienzentren? Die Zukunft dieser Einrichtungen – 14 arbeiten bereits, zwei sind noch in der Zertifizierungsphase – ist seit dem Regierungswechsel in Düsseldorf ungewiss. Regina Scholz vom Arbeitskreis Familienzentren des Kinderpädagogischen Dienstes der Stadt, erläutert die Situation: „Die neue Landesregierung hat die Revision des Kinderbildungsgesetzes auf der Agenda, dazu gehören auch die Familienbildungszentren.“
Ginge es nach dem Willen der Verantwortlichen des trägerübergreifenden Arbeitskreises aller Oberhausener Familienzentren, würden diese Einrichtungen zwar weiterhin bestehen bleiben – jedoch nicht in der bisherigen Form. Anne Bruckwilder vom Familienzentrum der Gemeinde St. Barbara in Königshardt bringt es auf den Punkt: „Wir sehen die Notwendigkeit und wollen die Arbeit gerne leisten. Aber das können wir nicht zum Nulltarif.“ Und so haben sich die Verantwortlichen der Zentren zusammengefunden, um ihren Verbesserungsvorschlägen im Zuge der „Kibiz“-Revision Gehör zu verschaffen.
12 000 Euro pro Jahr
Möglichst flexible Betreuungszeiten für die Kleinen, Ansprechpartner sein oder auch die passenden finden für die Eltern, Orientierung bieten im Dickicht von Kurs- und Hilfeangeboten für junge Familien – und das alles unter der Prämisse der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die Aufgaben der Familienzentren übersteigen die einer Kindertageseinrichtung um ein Vielfaches. Das wird vom Land honoriert, und zwar mit einem zusätzlichen Budget von 12 000 Euro – im Jahr. „Das reicht vielleicht für eine drittel Stelle“, gibt Regina Scholz zu bedenken.
Allerdings wird sich das kaum eine Einrichtung leisten können – schließlich muss ein Familienzentrum Kurse anbieten und Infomaterial für Eltern bereithalten, was bereits einiges an Kosten verschlingt. Für mehr Personal bleibt da nicht viel.
Die finanzielle und personelle Ausstattung, da sind sich die Mitglieder des Arbeitskreises einig, bleibt deutlich hinter den für gut befundenen Ansprüchen zurück. Waltraud Tersteegen vom künftigen Familienzentrum Fantasiewerkstatt der Kirchengemeinde St. Pankratius hat ihre Erfahrungen gesammelt: Im Mai wurde die Einrichtung auf Herz und Nieren geprüft, war en die geforderten Unterlagen eingereicht, auf eine Antwort warten sie an der Hans-Sachs-Straße heute noch, wohl auch noch bis Ende des Monats. Vieles, was nun zusätzlich in der Fantasiewerkstatt angeboten wird, macht in den Augen der Einrichtungsleiterin Sinn. „Es öffnet einem die Augen, aber wie setzt man es um? Es ist für uns Arbeit ohne Ende, und da muss ich auch fragen: Wie lange kann ich das meinen Mitarbeitern zumuten?“ Diese Frage stellt sich auch Regina Scholz. „Es ist ja leider so, dass Kollegen am Wochenende zuhause sitzen und die Dokumentation für die Zertifizierung verfassen.“ Und die muss alle vier Jahre wiederholt werden. Arbeit satt also.

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