Bildung  ebnet Wege aus dem Elend

Birgit Dreehsen (im Hintergrund, Mitte) besucht die Grundschule, die von vielen Oberhausenern unterstützt wird.
Birgit Dreehsen (im Hintergrund, Mitte) besucht die Grundschule, die von vielen Oberhausenern unterstützt wird.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Seit 1998 unterstützt die Oberhausener Oenophilogen-Gesellschaft Kinder in Manila. Mehr als 600.000 Euro sind seither ins Bildungsprojekt geflossen.

Oberhausen.. Angefangen hat’s 1998, ganz klein und unspektakulär – mit einem einfachen Container, angeschafft für 350 D-Mark, in dem Kleinkinder stundenweise betreut werden konnten, solange ihre Mütter auf den gigantischen Müllbergen Manilas nach Verwertbarem suchten, um den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten: „Da wurden fast täglich Kleinkinder, die zwischen den Bulldozern herumkrabbelten, verstümmelt. In dem Container waren sie sicher und durften wenigstens ein paar Stunden lang Kind sein“, erzählt Birgit Dreehsen vom Vorstand Oenophilogan-Gesellschaft und der Stiftung „In vino caritas“. Was sich daraus entwickelt hat, kann sie selbst kaum glauben. Aus der Oberhausener Privatinitiative ist mit Hilfe vieler Unterstützer und treuer Spender zuerst ein gemeinnütziger Verein und inzwischen auch die Stiftung „In vino caritas“ erwachsen, die Kindern und Jugendlichen von den Müllbergen Manilas Nahrung, Bildung und eine hoffnungsvolle Zukunft ermöglichen.

Jahr um Jahr ist das Projekt gewachsen. Den Kindergarten, der inzwischen längst nicht mehr in einem Container untergebracht ist, besuchen aktuell 400 Kinder. Hinzugekommen ist eine Grundschule, zu der am Ende jedes Kindergartenjahres die 100 besten überwechseln können. „Der Schulbesuch selbst ist frei, aber wir zahlen jedes Jahr für jedes Kind die benötigte Schuluniform, Lehrbücher und Lehrmaterial, außerdem eine Schultasche und Schuhe – sonst wären die meisten von ihnen barfuß unterwegs und der Schulweg ist für viele lang“, erzählt Dreehsen. Außerdem bekommen die Kinder in der Schule ein Mittagessen: „Das ist eine große Entlastung für die Familien. Deshalb achten die Eltern auch sehr darauf, dass die Kinder zur Schule gehen und die geforderte Punktezahl erreichen, die nötig ist, um weiter die Schule besuchen zu dürfen.“

Barfuß auf dem langen Schulweg

Nach der sechsjährigen Grundschulausbildung sind die Kinder dann schon ein ganzes Stück weiter, denn: „Wer auf den Philippinen, wo es immer noch sehr viele Analphabeten gibt, eine Schulausbildung hat, der kriegt auch einen Job“, erzählt Birgit Dreehsen.

Als drittes Projekt hat die Stiftung „In vino caritas“ dann vor vier Jahren noch eine weiterführende Schule errichtet. Das Gebäude dafür hat ein großer Wasserversorger vor Ort kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Stiftung hat es umgebaut und mit PCs ausgestattet. 53 Lektionen lernen die 220 Jugendlichen und jungen Erwachsenen dort – in ihrem eigenen Lerntempo und so, wie es sich mit ihrem Broterwerb vereinbaren lässt. Das dauere im Schnitt etwa zweieinhalb Jahre. Dann können sie die allgemeine staatliche Abschlussprüfung machen. „Die ersten sind schon fertig“, berichtet Birgit Dreehsen nicht ohne Stolz von Kevin, einem jungen Mann, der im vierten Semester Informationswissenschaften studiert und schon gutes Geld verdient: „Am Wochenende wartet er kostenfrei unsere PCs.“ Andere Absolventen seien als Lehrer in die Provinz gegangen.

Seit der Anschaffung des Container für 350 Mark sind rund 600.000 Euro Spendengelder über den gemeinnützigen Ableger der „Oenophilogen-Gesellschaft“ sowie die Stiftung „In vino caritas“ in die Projekte geflossen. Viele Oberhausener – Privatleute wie Unternehmen – haben mit regelmäßigen Spenden, Basarerlösen, Benefiz-Galas und originellen Aktionen dazu beigetragen, Hunderten von Kindern und Jugendlichen von den Müllbergen Manilas Hoffnung und Perspektive zu geben.