Beziehungsdrama
06.11.2007 | 18:11 Uhr 2007-11-06T18:11:00+0100
„Blick zurück im Zorn”: Katja Lauken inszeniert Osbornes Klassiker in modernisierter Version. Zuvor wird ihr der Künstlerinnenpreis NRW verliehen. Für Lampenfieber hat die Regisseurin bei dieser Premiere keine Zeit
Wo komme ich her, wie will ich leben? Was sind neue Ideen, was alte Lasten? Kann Liebe glücklich sein, das Glück haltbar? „Es geht um die großen Fragen des Lebens”, so Regisseurin Katja Lauken, die John Osbornes „Blick zurück im Zorn”, das Beziehungsdrama, das 1956 uraufgeführt wurde und sich zum Kultstück entwickelte, in aktualisierter Version am Samstag, 10. November, um 19.30 Uhr auf die Bühne im Malersaal bringt. „Ich möchte, dass jeder damit etwas anfangen kann”, sagt die Regisseurin. Nicht weil sie Frauen sind, arbeite sie mit Katharine von Hellermann (Bühne), Yvette Schuster (Kostüme) und Ariane Schön (Dramaturgie) zusammen, sagt sie im Zusammenhang damit, dass ihr ihre weibliche Handschrift den Künstlerinnenpreis NRW einbringt. Vielmehr sei das Quartett ein bewährtes Team („Die Schaukel” 2005, „Peter und der Wolf” 2006). Das Stück lade ein, mit Klischees zu spielen. Es werde eine Frau geben, die bügelt, um zu zeigen „wie schön einfach es für sie ist, dafür verantwortlich zu sein, ein schönes Heim zu schaffen”. Mit dem eigenen Lebensentwurf habe dies allerdings nichts zu tun. Lauken ist Mutter eines kleinen Sohnes, auf den der Vater aufpasst, wenn sie arbeitet. Den Blick auf Menschen, die sich auf ihre kleine Privatsphäre konzentrieren, statt sich gesellschaftlich zu engagieren, gewähre sie den Zuschauern „nicht wertend, sondern beschreibend”. Im Stück teilen sich Jimmy Porter (Torsten Bauer) und seine Frau Alison (Susanne Burkhard) mit Freund Cliff (Jan Kämmerer) eine kleine Wohnung. „Es fängt harmlos an, bis Freundin Helena (Karin Kettling), eine Schauspielerin auf Tournee, mit einzieht”, verrät Ariane Schön. „Die Lage spitzt sich zu, es gibt viele Wendungen und Überraschungen.” Es gehe um Männerfreundschaften, Frauenbeziehungen und den Generationenkonflikt. Der eine sei enttäuscht, weil Dinge sich veränderten, der andere, weil alles so bleibe wie es ist. „Alle versuchen, einer konventionellen Lebensweise zu entfliehen”, sagt Lauken. „Es geht um den Versuch eines neuen Lebensentwurfs.” Dass die Premiere im Anschluss an die Verleihung des Künstlerinnenpreises 2007 stattfindet, gibt der Ehrung einerseits einen würdigen Rahmen und den Gästen Gelegenheit, ein neues Werk der Preisträgerin zu sehen, stellt Lauken aber auf eine harte Probe. „Sonst wäre sie bei den Schauspielern, um Händchen zu halten”, verrät Ariane Schön. Für Lampenfieber und um ums Gelingen der Aufführung zu bangen, hat die Regisseurin diesmal einfach keine Zeit.

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