Beulen, Boliden, Benzingeruch

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Wenn Gino Winter auf die Tube drückt, lachen und schlucken Auto-Freunde zugleich. Lachen, weil der Stuntman bei seiner Show am Brammenring in der Neuen Mitte die Motoren aufheulen lässt und den Karossen filmgerecht das Fliegen beibringt. Schlucken, weil selbst ein Traum aus Chrom mit der spektakulären Stunteinlage eine wahre Beulen-Prozedur über sich ergehen lässt. Schön kaputt!

Am Samstagabend springen Nobelkarossen durch Feuerreifen. Sie fahren auf zwei Rädern, beschleunigen so sehr, dass sie es schaffen ein anderes Fahrzeug wie einen Kegel in die Luft zu wirbeln, so dass dieser Wagen wieder auf vier Reifen landet. Applaus für Beulen, Boliden und Benzingeruch.

Nein, an diesem Abend ist es nicht so voll wie sonst. Das Fußball-Pokalfinale bremst. Rund 150 Fans schauen trotzdem zu. Sie staunen, wenn Motoren knurren. Und der Fahrer wie selbstverständlich nach einem dreifachen Überschlag aus dem mit Reifen abgepolsterten Pkw klettert.

Unfall in Holland belastet Branche

Es ist Gino Winters Welt. Eine Familienbetrieb in der vierten Generation. Der Großvater baute die Motorshow vor 45 Jahren auf. Auch heute ist die Düsseldorfer Familie sechs Monate im Jahr unterwegs. Seine Kinder Peter (20), Sarah (18), Kelly (8) und Gino Junior (5) sind Teil der Show. Schon die Kleinen zeigen auf dem Vierrad-Roller Artistik auf Reifen.

Tochter Sarah moderiert. „Habt ihr Lust auf den nächsten Crash?“ Das Publikum jubelt. Viele Väter sind mit ihren Söhnen da. Der Mund öffnet sich zu bei den wild quietschenden Reifen auf dem mit Sichtschutzwänden abgetrennten Showareal. Besonders laut wird es bei den beiden 1500-PS-starken Monster Trucks mit Riesenreifen.

Sicherheit gehe vor, sagt Gino Winter. Die Show sei ein Handwerk, das man erlernen müsse; die Tricks, das betonen die Profis häufig, nie zum Nachmachen geeignet.

Ein Schlag für die Branche war ein schwerer Unfall eines Monster Trucks im vergangenen September in den Niederlanden. Als ein fremder Fahrer ungebremst in die Menge fuhr, starben drei Zuschauer. „Das war keine professionelle Show“, sagt Gino Winter. „Bei uns befinden sich Zuschauerränge niemals an den Auslaufwegen der Fahrzeuge.“ Die Folgen des Unglücks würden nun aber auch erfahrene Stuntman spüren. „Die Genehmigungsverfahren sind schwieriger geworden, vor allem in den Niederlanden.“

Nur im Sommer ist die Familie unterwegs. Danach arbeiten die Winters oft für Filmproduktionen. Auch der „Tatort“ war schon dabei.