Oberhausen

Betreiber von „Oli's Büdchen“: „So macht der neue Supermarkt mein Geschäft kaputt“

Seit einem Jahr betreibt Kazim Yavavli den Traditionskiosk am Ebertbad in Oberhausen.
Seit einem Jahr betreibt Kazim Yavavli den Traditionskiosk am Ebertbad in Oberhausen.
Foto: Alexander Keßel
  • Große Supermarkt-Ketten bedrohen die Büdchen-Kultur im Ruhrgebiet
  • Für Oli's Büdchen in Oberhausen ist der Konkurrenzkampf extrem geworden
  • Seit der Rewe-Neueröffnung schrumpft der Umsatz

Oberhausen. Eines der charmantesten Büdchen des Ruhrgebiets kämpft ums Überleben. Erst Anfang 2016 hatte Kazim Yavavli Oli's Büdchen am Ebertbad in Oberhausen übernommen. Seit über 50 Jahren steht an dieser Stelle bereits der Kiosk.

Mitte März öffnete ein Rewe gleich um die Ecke. Und zieht viele seiner Kunden. Die Umsätze gehen in den Keller.

„Große Supermärkte verkaufen einzelne Produkte teilweise unter dem Einkaufspreis - den Gewinn erzielen sie dann über andere Produkte,“ so Kazim Yavavli.

Mit den Preisen der Supermärkte kann es kein Kiosk-Betreiber aufnehmen. Das ist klar. Und das ist auch nicht das Prinzip eines Büdchens.

Stattdessen gelten die Büdchen nicht nur als Konsumorte sondern als soziale Treffpunkte. Hier findet jeder Gehör. Und kann dem Inhaber auch mal sein Herz ausschütten. An der Kasse beim großen Supermarkt bleibt den Mitarbeitern dafür keine Zeit.

Ein Kiosk hat kaum mehr Möglichkeiten, eine Nische zu finden

Den sozialen Auftrag übernimmt Kazim Yavavli gerne. „Es ist erstaunlich, wie viel private Angelegenheiten die Menschen mit mir teilen“, sagt er. Doch die Arbeit muss auch zum Überleben reichen.

Früher konnten die Kioske besonders am Abend Gewinne erzielen. Doch die veränderten Ladenöffnungszeiten für die Supermärkte gefährden seit 2006 die Kiosk-Kultur.

Gesetz hat direkten Einfluss auf die Kioske

Laut Ladenöffnungsgesetz können seitdem auch Supermärkte bis 22 Uhr zu öffnen - sogar am Samstag. Das nutzt der Rewe aus der Nachbarschaft natürlich aus.

Kazim Yavavl ist gespalten: „Klar ist es gut, dass durch die erweiterten Ladenöffnungszeiten mehr Arbeitsplätze in Supermärkten geschaffen wurden. Damit werden allerdings Arbeitsplätze an anderen Stellen gefährdet.“

Werden die Büdchen verdrängt?

Jörg Linden, Pressesprecher der Industrie und Handelskammer (IHK) des mittleren Ruhrgebiets berichtet, dass zwar weiterhin viele Menschen versuchen, sich mit einem Kiosk selbstständig zu machen.

Doch allzu nachhaltig seien viele Projekte nicht: „Wir verzeichnen in unserem Einzugsgebiet eine hohe Fluktuation - etwa ein Drittel der gegenwärtigen Kioske wurden in den letzten fünf Jahren neu eröffnet.“

Diese Statistik deute darauf hin, dass viele Besitzer ihr Büdchen abgeben, weil sie davon nicht mehr leben können. Kazim Yavavli ist zu wünschen, dass er von dieser Statistik in den nächsten Jahren nicht erfasst wird.

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