Betonklötze in Oberhausen erzählen Industriegeschichte

Gästeführerin Silvia Golz zeigt reizvolle Orte in Oberhausen, hier die Industriebrache Vondern.
Gästeführerin Silvia Golz zeigt reizvolle Orte in Oberhausen, hier die Industriebrache Vondern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Oberhausens jüngstes Bergwerk, die Zeche Vondern, förderte gerade einmal 30 Jahre lang Steinkohle. Heute erinnert die Industriebrache Vondern daran.

Oberhausen.. Ruhe hat sie nicht gerade zu bieten, die Industriebrache Vondern, zu der Gästeführerin Silvia Golz unterwegs ist. Geparkt hat sie an der Ar­minstraße in Vondern. Es geht unter einer Autobahnunterführung hindurch und hinauf in die Parkanlage. Erst 2008 wurde sie als Route der Indus­triekultur neu gestaltet. Eine Tafel informiert darüber. Hier war einmal Oberhausens jüngste Zeche in Betrieb. Sämtliche Zechengebäude sind lange abgerissen. Die Natur hat sich das Gelände zurücker­obert.

Aber der Spaziergang in Richtung Emscher wird vom Rauschen der parallel verlaufenden A 42 begleitet. In besten Zeiten förderten hier einmal fast 2300 Bergleute jährlich bis zu 685.000 Tonnen Steinkohle. Hinzu kamen eine Kokerei, ein Kraftwerk für Kokereigas, ferner Produktionsanlagen für Teer und Ammoniak, die Nebenprodukte des Verkokens. Aber schon 1932, nach nur 30 Jahren, endete hier der Betrieb. Von all dem zeugen heute nur noch Reste von Ruinen und riesige Betonquader, die auf Podesten aufgestellt sind und als Sitzgelegenheit für Passanten dienen.

Kein Opfer des Klimawandels

Wenn denn welche da sind. Die meisten von ihnen sind hier mit dem Fahrrad unterwegs. Eine Frau gibt in einiger Entfernung ihrem Hund freien Auslauf. Sitzen oder Anlehnen könnte man auch bei den aneinander gereihten Baumstämmen, die den Weg säumen, jedenfalls dort, wo Brombeersträucher sie sich noch nicht erobert haben. Dahinter tummeln sich zwei Feldhasen vor einem Hagebuttenstrauch.

Im Westen reicht die Sicht bis zum Gasometer. „Links daneben steht der ,Zauberlehrling’“, zeigt Silvia Golz auf den eigentümlich verbogenen Hochspannungsmast auf der Südseite des Rhein-Herne-Kanals. Einen Augenblick rätselt man, ob es sich um ein Kunstwerk handelt oder ob der stürmische Klimawandel hier ein Opfer gefunden hat. „Es ist ein Kunstwerk“, beruhigt Silvia Golz. Eine Stahlbrücke, vermutlich eine ehemalige Brücke der Zechenbahn, führt über die Emscher zur Deichlandschaft zwischen ihr und dem Kanal.

Bau-Skulpturen ragen empor

Hier tritt das Rauschen von der Autobahn angenehm in den Hintergrund. Eine ganz andere Landschaft tut sich auf. Mehrere Bau-Skulpturen ragen hier empor. Wasser rauscht durch einen Beton-Zulauf in die Emscher. „Dort drüben gedeiht seit Jahren sogar ein Feigenbaum“, erklärt die Gästeführerin überraschend.

Eine moderne bogenförmige Brücke führt hinüber zu Haus Ripshorst mit seinem Gehölzgarten. Gleich mehrere Radwege laufen hier zusammen. Jetzt wird der enorme Freizeitwert der ganzen Umgebung erkennbar. Ein Schwarm von Möwen setzt gerade zum Landemanöver auf der Emscher an. Im Hintergrund taucht das Centro auf.