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Besucher der Ausstellung "At home" erklären Wohnkultur im Ruhrgebiet

21.05.2012 | 10:40 Uhr
Die Ausstellung "At home" in Oberhausen.

Oberhausen.  Wie wohnen Menschen im Ruhrgebiet? Wie richten sich Oberhausener heute ihre vier Wände ein? Die danach befragten Besucher der Ausstellung "At home – Der Blick durchs Schlüsselloch" sind sich einig: Die Wohnkultur hat sich verändert, junge Menschen wohnen funktional, ältere kombinieren Modernes und Geerbtes.

Manch einer denkt beim Besuch der neuen Ausstellung „At home – Der Blick durchs Schlüsselloch “ an seine Kindheit zurück, andere erinnern sich an längst verstaubte Möbel im Keller, wieder andere würden gerne eines der alten Schätzchen aus dem Museum schmuggeln, um es in der eigenen Wohnung aufzustellen. Wie aber wohnt es sich heutzutage im Ruhrgebiet? Wie richten sich Oberhausener im Jahr 2012 ein? Die NRZ hat bei Besuchern der Ausstellung zum „Wohnen im Ruhrgebiet“ nachgefragt.

„Im Grunde sehr konservativ“

„Eine spezielle Wohnkultur gibt es heutzutage überhaupt nicht mehr“, meint Ulrike Schröder. In den Wohnungen der jüngeren Leute stünden hauptsächlich funktionale Möbel, die 30- bis 40-Jährigen wiederum kombinierten gerne alte Familienschätze mit Modernem. „Im Grunde aber ist es meines Erachtens eine sehr konservative Wohnungsgesellschaft.“

Möbel von Ruhris als Exponate

„Verschiedene Kulturen, verschiedene Lebensbedingungen und eine vielseitige Wohnkultur“: so beschreibt Doris Bongard die Situation in Oberhausen und dem Ruhrgebiet insgesamt. „Man lebt hier in Modernem und Geerbtem.“ Jede Wohnung spiegele den Charakter desjenigen wieder, der sie eingerichtet hat: „Eine Wohnung muss den eigenen Bedürfnissen entsprechen – und im besten Fall drückt man sich selbst durch die Wohnung aus.“

„Jederzeit verfügbarer Rückzugsort“

Die Wohnkultur hat sich verändert und verändert sich weiter, ist Susanne Sons (53) überzeugt. Heutzutage werde viel kombiniert, mit Worten ließe sich die aktuelle Situation kaum beschreiben. Von größerer Bedeutung als die Einrichtung aber seien andere Fragen: „Ich muss mich zu Hause sicher fühlen, wohlfühlen und entspannen können“, sagt Sons. Ehemann Peter Pohlen fügt hinzu: „Eine Wohnung muss ein Ort sein, an den ich mich jederzeit zurückziehen und den Rest der Welt aussperren kann.“

Video
Die Austellung "At Home - Der Blick durchs Schlüsselloch in der Ludwigsgalerie Oberhausen eröffnet dem Besucher einen Blick auf das Wohnen im Ruhrgebiet, historisch, verspielt und romantisch.

Wenn sich Heidi Schmidt und Hella Steinbrück in der Ludwig Galerie umsehen, dann kommt ihnen einiges bekannt vor: „So eine Kaffeemühle habe ich noch im Keller stehen und diese Accessoires…“, sagt Schmidt. Früher sei es egal gewesen, wen man besuchte: „Da sah sowieso jede Wohnung gleich aus. Heute ist die Wohnkultur sehr vielfältig, es gibt keinen einheitlichen Standard.“ Freundin Hella Steinbrück staunt vor allem über die Wiederkehr alter Einrichtungsgegenstände. „Die jungen Leute finden vieles davon ‘kultig’ und ‘chillig’.“

„Meine Generation lebt mit Ikea-Möbeln“, sagt Mario Müller (34). Eine einheitliche Wohnkultur könne er nicht erkennen, „aber die Möbelstücke ähneln sich irgendwie“. Sein Traum sei eine Einrichtung im Bauhausstil der 1920er Jahre. „Das sind wunderschöne, zeitlose Sachen.“

„Heute muss alles funktionell sein“

„Vor allem die jungen Leute richten sich meist zeitgenössisch ein“, sagt Irmhild Kaminski. Die modernen Möbel ähnelten sich, seien „gradlinig, glatt gezogen und ohne Geschnörkel“. Bei der Auswahl der Einrichtung stünden oftmals Aspekte im Vordergrund, die mit Gestaltung und Form wenig zu tun haben. „Heute muss alles funktionell sein“, sagt Karl Kaminski, der den Charme und die Ausstrahlung früherer Stücke vermisst. „Früher hatten Häuser und Möbel für mich ein Gesicht“, erinnert er sich. „Heute ist alles irgendwie viereckig“ – und ein wenig langweilig. Schon jetzt freuen sich die Eheleute auf den Tag, an dem sie in der Küche endlich Platz für den Schrank aus den Fünfziger Jahren finden, der seit einer Weile in der Garage steht. „Das ist schon ein Stück Zeitgeschichte“ – beinahe museumsreif.

Der Blick durchs Schlüsselloch

Ann-Kathrin Brocks


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