Belebte Innenstadt überflügelte Nachbarn

Oberhausen überflügelte auch deshalb seine nördlichen Nachbarn Osterfeld und Sterkrade, weil die zielgerichtete Stadtentwicklungspolitik des Oberhausener Rates von 1890 bis 1929 die Herausbildung einer großräumigen Innenstadt mit vielen öffentlichen Einrichtungen, den belebten Haupteinkaufsstraßen Markt- und Friedrich-Karl-Straße bewirkte.

Die Anbindung dieser Flanier- und Einkaufsmeilen an die Wohngebiete sogar in Sterkrade und Osterfeld gelang mit Deutschlands erster, 1896 kommunal gegründeter Straßenbahn. Folglich erlangte Oberhausen auch im modernen Sektor der Dienstleistungen einen Vorsprung vor den beiden Nachbarn im Norden: Die Beschäftigten in den Dienstleistungen stiegen von 1890 bis 1929 von etwa sechs Prozent auf etwa 25 Prozent an.

Das für das Städtewachstum zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtige Betätigungsfeld der Eingemeindungen indes brachte Oberhausen gegenüber Sterkrade und Osterfeld kaum Vorteile: Bevor der Oberhausener Raum von der Eingemeindungs-Welle im Ruhrgebiet erfasst wurde, verteilten sich 1905 die Gewichte zwischen Oberhausen mit 51 000 Einwohnern und Sterkrade mit 21 000 sowie Osterfeld mit 20 000 Einwohnern südlich und nördlich der Emscher kaum anders als 1929.

Während Oberhausen dann 1910 und 1915 rund 35 000 Einwohner hinzugewann, aber nur 60 Prozent Fläche hinzu erhielt, erweiterte Sterkrade vor allem seine Fläche auf mehr als das Doppelte nach Buschhausen und nach Norden. Darin finden wir dann einen Grund dafür, warum Sterkrade nach dem Zweiten Weltkrieg durch neue Wohngebiete seine Bevölkerung so deutlich ausweiten konnte und heute beinahe so viele Einwohner zählt wie Alt-Oberhausen. Dem waren dagegen solche Flächengewinne im härteren Wettbewerb mit den großen Nachbarn Duisburg, Mülheim und Essen zwischen 1900 und 1915 nicht möglich.