Bei Wicked ist Sebastian Hermann Herr der Töne
15.03.2010 | 19:26 Uhr 2010-03-15T19:26:00+0100
Es ist ziemlich schummerig hier oben hoch über den Köpfen der Zuschauer direkt gegenüber der Bühne. Im Halbdunkel sitzt Sebastian Hermann (34) bei jeder Show. Ja, man könnte ihn auch als Herrn des Tons bezeichnen. Das Mischpult, das er da vor sich hat, hat ungefähr den Wert eines Eigenheimes.
„Eines guten Eigenheimes“, betont Hermann.
Immer dann, wenn auf der Bühne die Musik spielt, entgeht dem Tontechniker kein einzelner Sound. „Alle Instrumente vom Orchester und alle Mikrofone der Darsteller kommen einzeln hier an“, spricht Hermann von knapp über 60 Signalen. Seine Aufgabe ist es, all diese Töne so zu mischen, dass kein Instrument zu laut, jeder Darsteller gut zu verstehen ist. Mit einer Welle des Wohlklangs für die Zuschauer soll das Metronom Theater musikalisch geflutet werden.
Ein einfacher Job ist das nicht. „Man braucht ein gutes Gehör“, sagt Hermann, der seit drei Jahren in Oberhausen arbeitet und selber Schlagzeug spielt. „Ich höre genau das, was auch die Zuschauer hören“, macht er klar.
Schwierig sei, das Sounddesign einzuhalten. Es gibt nämlich Sounddesigner, die genau festgelegt haben, wie laut etwa die Band sein darf. „Die Musik für Wicked ist oft sehr leise und filigran“, schildert der Tontechniker eine weitere Hürde. Er selbst war vier Wochen lang in Stuttgart, um das spezielle Sounddesign dieses Musicals zu lernen.
Es sei schon ein komisches Gefühl, da oben so ganz alleine zu sitzen, sagt Hermann. Es ist überhaupt erstaunlich, wie er es schafft, dieses gigantische Pult mit scheinbar hunderten von Reglern und Knöpfchen zu bedienen.
Zu den rund 60 Kanälen für Orchester und Darsteller kommen noch einmal 34 für Effekte wie Ohrfeigen oder Vogelgezwitscher hinzu. „Ich habe hier eine Cue-Liste mit jeder einzelnen Szene“, erklärt Hermann, warum er immer genau den richtigen Ton trifft. Es sind übrigens 250 Szenen, die er während einer Show durchdrücken muss. Übrigens hat die Anlage eine Leistung von 80 000 Watt, wurden 130 Lautsprecher im Theater verbaut.
„Ich persönlich habe bis zur letzten Show immer wieder Lampenfieber“, sagt Hermann. Was Schlimmes passieren könnte? „Die Kanäle gehen vom Mikrofon ins Pult, dann in den Lautsprecher“, beschreibt der Experte den Weg der Töne. Wenn nun der Kanal der Hauptdarstellerin wegen eines technischen Defektes bei ihm nicht mehr ankäme, würde man sie schlicht nicht mehr hören. Zum Glück passierte so etwas noch so gut wie nie.
„Man ist gut kaputt nach den drei Stunden, weil man permanent konzentriert sein muss“, sagt Hermann. Er muss wirklich gut zuhören können. Aber er sagt über seine Arbeit auch: „Es wird nie langweilig. Jeder Tag ist anders, man weiß nie, wie die Darsteller drauf sind, wie das Orchester spielt.“
Hermann arbeitet natürlich meist abends. Samstags und sonntags betreut er dann auch zwei Shows. Zwischendurch muss er seine Anlage auch mal sauber machen. Staubwischen mit Pinsel und Zahnbürste. Und dabei aufpassen, dass nur ja kein Knöpfchen verdreht wird. Früher hat Hermann als Schlagzeuger auch selber in einer Band gespielt. Doch heute fehlt ihm die Zeit dazu. Klar, er ist ja beinahe jeden Abend beruflich gebucht.

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