Bei Ruhr.2010 reist der Teutoburger Wald ins Revier
14.04.2010 | 15:19 Uhr 2010-04-14T15:19:00+0200
Oberhausen.Zur Kulturhauptstadt exportiert der Landschaftsverband Lippe den Teutoburger Wald ins Revier: 100 junge Buchenwildlinge wurden bei Haus Risphorst in Oberhausen gepflanzt. Kulturdezernent Apostolos Tsalastras ist überzeugt. „Jedes bisschen Umwelt, das wir zurückerobern, ist ein Gewinn.”
Buchen soll man suchen, um bei Gewitter nicht vom Blitz erschlagen zu werden. Bis die 100 jungen lippischen Buchenwildlinge aus dem Teutoburger Wald, die seit Dienstag den Gehölzgarten bei Haus Ripshorst bereichern, Schutz bieten können, müssen sich ihre Paten noch gedulden.
Dennoch: Experten gehen davon aus, dass die Bäumchen es binnen eines Jahres auf doppelte Höhe bringen werden und dass sie irgendwann einmal als kleiner Wald einen Hauch von ostwestfälischer Natur-Kultur im Emschertal verbreiten werden. Aber der Reihe nach:
Offene Türen
Um außergewöhnliche Kooperationen bemüht, beschlossen die Macher des Kultur-Programms Hermann 2009, das im Gedenken an die berühmte Schlacht im Teutoburger Wald vor 2000 Jahren als „Varusjahr” internationales Interesse fand, Kontakt zur Metropole Ruhr aufzunehmen und sich ins Kulturhauptstadtjahr 2010 einzubringen. Beim Verein Industriewald Ruhrgebiet rannten sie offene Türen ein. Die Idee des Landschaftsverbands Lippe, den heimischen Wald ins Revier zu exportieren, wurde begeistert aufgenommen und gestern im Gehölzgarten nahe der Sühlstraße in die Tat umgesetzt. Und weil es sowohl dem Varusjahr 2009 als auch der Ruhr2010 um Nachhaltigkeit geht, kommen die Kinder-Baumpaten ins Spiel.
Sie sind es, die einmal ihren Enkeln erzählen werden, wie es geschah, dass der kleine Wald nicht einheimischen Gehölzes den Weg nach Oberhausen fand und dass die Buchen für den Austausch von Regionen stehen. Motto: Ruhrgebiet trifft Lippeland. „Sie werden den Bäumen beim Wachsen zuschauen”, ist Lehrerin Andrea Terbint überzeugt.
Das Geheimnis des Theofilius
Sie sollen das symbolische Blumenbild, das sie alle gemeinsam vor den Baum-Winzlingen formten, nicht vergessen. Als Dank für die Bereitschaft, diesen Part der Baum-Übergabe zu übernehmen, erhielten die Schulklassen ein Buch des Herbert van Veen. Titel: Das Geheimnis des Theofilius.
Es entführt in das Land des Hermann und in den Teutoburger Wald und ermuntert vielleicht die Eltern der Kinder, mal einen Ausflug ins Westfälische zu wagen. Die spannende Eulentour beginnt in Detmold und Theofilius, der alles weiß, was Kinder wissen möchten, ist dabei ein wunderbarer Fremdenführer auf befederten Beinen. Zwei Eulenexemplare aus Plüsch hatte Friedel Heuwinkel, Landrat im Kreis Lippe, für die beteiligten Schulen dabei.
Brauchen wir nun das Lippische Buchenwaldgeschenk? „Selbstverständlich”, ist Kulturdezernent Apostolos Tsalastras überzeugt. „Jedes bisschen Umwelt, das wir zurückerobern, ist ein Gewinn.” Neue Partnerschaften auch.

10:33
An die Autorin: Ihre Frage Brauchen wir nun das lippische Buchenwaldgeschenk? ist sowas von überflüssig und daneben. Zum einen sollte man dieses Geschenk als nette Geste entsprechend wertschätzen. Zum anderen sollten Sie sich mal ein paar Gedanken machen und sich über jeden Baum, der gepflanzt wird freuen und dankbar dafür sein. Ich kann nur hoffen, dass Sie keine Kinder haben. Oder machen Sie sich um deren Zukunft keine Gedanken?
Und Herr Tsalastras muss sich gar nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Die Verwaltung hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, bis es möglich war, dass die Bäume auch tatsächlich auf Oberhausener Stadtgebiet gepflanzt werden konnten.