Bei der Polizei Oberhausen werden Tränen fließen

In der Nacht zu Donnerstag verrichtet Klaus Kraft seinen letzten Spätdienst bei der Polizei Oberhausen.
In der Nacht zu Donnerstag verrichtet Klaus Kraft seinen letzten Spätdienst bei der Polizei Oberhausen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Klaus Kraft verabschiedet sich von der Leitstelle in den Ruhestand. In Erinnerung behält er kuriose Einsätze, aber auch traurige Geschichten.

Oberhausen.. Es werden wohl Tränen fließen, wenn der Erste Polizeihauptkommissar Klaus Kraft in der kommenden Woche seinen Nachtdienst in der Leitstelle am Friedensplatz beendet. Der Oberhausener wird in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag seine letzten Einsätze koordinieren. Nach 46 Jahren bei der Polizei verabschiedet sich der Dienstgruppenleiter der Leitstelle in den Ruhestand.

Kraft ist seit 15 Jahren Herr über die Leitstelle, dem „Herzstück der Polizei“, wie er sagt. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Er behält den Überblick über die Notrufe, die eingehen, er entscheidet über die Einsätze, fordert im Ernstfall Spezialkräfte an.

Wunsch: wach werden ohne Wecker

Ein strenger Chef? Nein. Klar müsse er klare Ansprachen machen. „Aber wir gehen hier schon locker flockig miteinander um“, sagt Kraft. Wenn er etwas dalassen möchte nach seiner Pensionierung, dann das Gefühl, niemals mit schlechter Laune zur Arbeit gegangen zu sein.

Klaus Kraft wird seine Kollegen vermissen. Er freut sich aber auch auf sein Dasein als Rentner. Sein erstes Vorhaben: „Wach werden ohne Wecker!“ Der Oberhausener muss den Wechseldienst loswerden. Mal Spätschicht, mal Nachtschicht, mal Tagschicht – das schlaucht.

Ein Pferd auf dem Flur

Ansonsten fühlt sich der Polizist, der am Sonntag seinen 65. Geburtstag feiert, fit. „Okay, morgens schmerzen die Knochen ein bisschen und wenn ich in den Spiegel schaue, merke ich schon, wie alt ich bin“, sagt Kraft und lacht herzlich.

In Erinnerung behält er Einsätze wie das „Pferd auf dem Flur“, das der Oberhausener Polizei sogar bundesweite Schlagzeilen beschert hat: Ausgerechnet am 11.11. vor einigen Jahren rief ein Oberhausener an. Hilferuf: „Bei mir steht ein Pferd auf dem Flur.“ Und tatsächlich: Ein Pony hatte sich in einen Laubengang verirrt – auf der Suche nach einem Korb Möhren.

Oder der Fall der verwahrlosten Katzen im Friseurgeschäft. Die Tiere würden so vernachlässigt, dass sie ganz apathisch im Schaufenster säßen, so der Anrufer. Die Streife stellte fest: Die Tierchen waren aus Porzellan.

Schlimme Erlebnisse

Doch lustige Fälle wie diese passieren nicht oft – das bringt die Arbeit bei der Polizei naturgemäß mit sich. Zu Krafts schlimmsten Erfahrungen zählen Selbstmorde. „Vor allem, wenn junge Menschen betroffen sind, denen wir nicht mehr helfen konnten“, sagt Kraft mit ruhiger Stimme. „Das ist schlimm, das nimmt man mit nach Hause.“

Zwei Söhne hat Klaus Kraft. Beide wollten beruflich nicht zur Polizei. „Schade eigentlich“, sagt Kraft und grinst. Eine Chance hat er aber noch: „Vielleicht klappt’s ja bei der Enkeltochter.“