Bahnhofsuhr in Oberhausen sagt das Wetter voraus

Die Kollegschüler Jannik Schaubelt, Rouven Schulten, Steve Peuler und Sven Schnürer (v.l.) haben die Bahnhofsuhr technisch verbessert.
Die Kollegschüler Jannik Schaubelt, Rouven Schulten, Steve Peuler und Sven Schnürer (v.l.) haben die Bahnhofsuhr technisch verbessert.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schüler des Hans-Sachs-Kollegs in Oberhausen haben den Zeitmesser am Bahnhofsturm technisch aufgerüstet. Ein Projekt mit dem Künstlerverein Kitev.

Oberhausen.. Junge Männer, die sich Nacht für Nacht am Bahnhof rumtreiben: Da kann ja eigentlich nichts Gutes bei rumkommen. Doch was vier Schüler des Hans-Sachs-Berufskollegs im nächtlichen Treiben geschafft haben, kann sich sehen lassen. Und zwar im wahrsten Sinne: Im Rahmen ihres Technik-Unterrichtes haben sie die Uhr im Wasserturm am Bahnhof aufgerüstet. Zwei entscheidende Neuerungen hat der Zeitmesser nun: Er ist ab sofort computergesteuert und damit leichter zu warten. Außerdem soll man an ihm künftig auch das Wetter von morgen ablesen können.

Dafür haben sich Jannik Schaubelt, Rouven Schulten, Steve Peuler und Sven Schnürer ein eigenes Farbsystem ausgedacht: Die beleuchteten Ziffern symbolisieren abwechselnd Wetterereignis und Temperatur. Die Farben sollen dabei selbsterklärend sein: Gelb steht für Sonnenschein, Blau für Regen, Weiß für Nebel. Blinkt die Uhr, droht Gewitter. Ist es im Sommer sonnig und warm, leuchtet das Ziffernblatt gelb und rot. Noch müssen die Jungs ein wenig an der Technik feilen, doch bald soll die Uhr im neuen Licht erstrahlen.

Künstlerisches Konzept bleibt

Christoph Stark vom Verein Kultur im Turm (Kitev) ist von dem Ergebnis begeistert. Kitev hatte die Uhr 2010 von der Deutschen Bahn übernommen, technisch auf Vordermann gebracht und mit einem Farbspiel versehen. Dieses künstlerische Konzept wird auch in Zukunft bleiben. Nur lag die konkrete Umsetzung nun in den Händen der vier Berufsschüler. Pro Stunde fallen künftig 58 Minuten auf das Farbkonzept, zwei Minuten auf die Wettervorhersage – jeweils eine Minute vor bis eine Minute nach der vollen Stunde. Die Wetterdaten zieht sich der Computer dabei aus dem Internet.

Das Projekt ist Teil der Technik-Abschlussarbeit der vier Berufsschüler. Statt in einem Betrieb zu hospitieren, haben sie sich dafür entschieden. Die Arbeit war anstrengend, „aber es hat sich gelohnt“, sagt Jannik Schaubelt. Vorgesehen war, einmal in der Woche fünf Stunden an dem Projekt zu arbeiten. „Daraus wurde schnell mehr“, erzählt Steve Peuler. Jeden Tag waren die Vier nach der Schule im Turm – im eigens für sie eingerichteten Projektraum oder bei teils eisigen Temperaturen in der obersten Etage. Sogar die Nächte haben sie dort verbracht. „Wir brauchten die 12-Uhr-Phase, um unsere Arbeit zu kontrollieren“, erklärt Sven Schnürer, „mittags waren wir in der Schule...“

"Ich finde dieses Engagement großartig"

„Es sind halt echt coole Jungs“, sagt Christoph Stark. „Ich finde dieses Engagement großartig, davon will ich gerne mehr sehen.“ Die neue Uhr sei eine Besonderheit für Oberhausen. Und andere Städte sollten sich ruhig eine Scheibe abschneiden. Vor allem die Computersteuerung habe immense Vorteile: „Wenn alle Bahnhofsuhren in Deutschland die Technik der vier Jungs hätten, gäbe es viel weniger Wartungs-Aufwand“, ist Stark überzeugt.