Das aktuelle Wetter Oberhausen 14°C
Industriekultur

Bahnfan kritisiert Museums-Bahnsteig

05.10.2012 | 14:00 Uhr
Bahnfan kritisiert Museums-Bahnsteig
Eisenbahn-Fans kritisieren die Verwahrlosung des Museumsbahnsteigs.Foto: Ulla Emig

Oberhausen. Wolfram Bäumer ist Redaktionsleiter des kleinen, aber feinen Spezialheftes „Die Museums-Eisenbahn“ – Zeitschrift für Kleinbahn-Geschichte“. Der frühere Oberhausener hat sich für die Quartalsausgabe 4/2012 einmal den Museumsbahnsteig (Gleise 4 und 5) des Hauptbahnhofes unserer Stadt vorgeknöpft. Dabei zeigt er sich enttäuscht über die nach seiner Ansicht „fortschreitende Verwahrlosung“ der Ausstellungsstücke. Wörtlich schreibt er:

„Im Jahr 2006 wurde der Bahnsteig der Gleise 4 und 5 zu einem Museumsbahnsteig umgebaut, wobei auch 60.000 Euro Fördermittel aus Oberhausen verwendet wurden. Mit zwei Gießpfannen, Lichteffekten und einer Lok-Wagengruppe aus der Sammlung des LVR-Industriemuseums wurde ein ,künstlerisches Gesamtkonzept’ realisiert.

Aus dem Zusammenhang gerissen

Im Internetauftritt der Stadt heißt es: Der ,… Museumsbahnsteig bildet so eine signalkräftige Kontaktstelle zwischen Industriemuseum und Stadt. Drei Meter hohe Holzskulpturen, die sich auf riesigen Gießpfannen am jeweiligen Ende des ausgedienten Bahnsteigs postiert haben, begrüßen die einfahrenden Züge. Ein außergewöhnliches Kunstwerk kombiniert die Materialitäten von Glas und Stahl. Zwischen diesen markanten Kunstobjekten steht der historische Zug mit Schlackenpfannenwagen.’ Die genannten Objekte haben funktional und historisch mit einer Personenverkehrsanlage herzlich wenig zu tun; auf den technikgeschichtlich Interessierten wirken sie im Hauptbahnhof aus dem Zusammenhang gerissen und unzweckmäßig ausgestellt. Die drei EH-Fahrzeuge bilden weder einen Zug noch eine sinnvolle Rangierabteilung, es sei denn, sie stellten eine Überführungsfahrt zur Ausbesserungswerkstätte nach.“

Die Akzeptanz erscheint Bäumer fragwürdig. Er schreibt: „Der Berichterstatter hat dort bei mehreren Besuchen noch nie Menschen getroffen. Nach sechs Jahren werden auch die konservatorischen Probleme der frei bewitterten Bewahrung historischer Eisenbahnfahrzeuge deutlich und die erwähnten Holzfiguren sind verschwunden. Das LVR-Museum kümmert sich zwar um die periodische Konservierung der Fahrzeuge, für die Reinigung der Anlage ist es aber nur zum kleinen Teil zuständig. Der „Museumsbahnsteig“ ist sicher gut gemeint und aus künstlerischer Sicht vielleicht sogar großartig. Museums-Eisenbahnern mag es an der Sensibilität dafür fehlen, doch aus technischhistorischer Sicht wirkt das alles nur gut gemeint, was bekanntlich das Gegenteil ist von gut gemacht ist.“

Das sagt das Museum zur Kritik

Anette Gantenberg, Pressesprecherin des LVR-Industriemuseums, hat bereits auf die Kritik des Autors geantwortet: „Schade ist es, dass Sie keinen Zugang zu den Kunstinstallationen am Museumsbahnsteig finden. Wir haben von anderer Seite großen Zuspruch zur Installation erfahren.

Wir teilen Ihre Argumentation und Bewertung des Museumsbahnsteigs nicht. Sicherlich ist der Hauptbahnhof ein Personenbahnhof, aber noch heute fahren auch zahlreiche Güterzüge über die dortigen Gleise. In Oberhausen waren Torpedowagen und Schlackenpfannenwagen lange Zeit ein täglicher Anblick auf den Gleisen. Die aufgestellten Fahrzeuge sind sicherlich eine Erinnerung an die frühere Nutzung der Oberhausener Bahngleise.

Da auch von unserem Museumspersonal viele Mitarbeiter den Bahnhof nutzen, können wir Ihnen versichern, dass immer wieder Interessenten die dort aufgestellten Objekte mit Interesse wahrnehmen.

Kinder fragen ihre Eltern nach den Fahrzeugen, Menschen laufen auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig das Zitat ab. Dass Jugendliche, aber auch Erwachsene den Museumsbahnsteig als Treffpunkt nutzen, ist an einem weitgehend öffentlichen Ort sicherlich nicht verwerflich. Auch ist der Bahnhof ein Durchgangsort, in den der Museumsbahnsteig integriert ist. Er ist natürlich keine klassische Ausstellung zur Eisenbahngeschichte und will es auch gar nicht sein.

Was die Sauberkeit angeht, so ist das Museum hierfür nur für einen kleinen Teil zuständig; jedoch ist auch für uns der Reinigungszustand nicht zufriedenstellend.“



Kommentare
08.10.2012
18:19
Bahnfan kritisiert Museums-Bahnsteig
von Captain_Oberhausen | #5

Also mir persönlich gefällt der Museumsbahnsteig ziehmlich gut.
Ich halte mich gerne und häufig dort auf. Es gibt viele Sitzmöglichkeiten, eine imposante LED Installation und man hat einen vorzäglichen Ausblick auf den Bahnhofsturm mit seiner Videoinstallation.

06.10.2012
15:22
Bahnfan kritisiert Museums-Bahnsteig
von Sterkrader | #4

Das Ding ist trostlos, langweilig und heruntergekommen. Die Bezeichnung Museumsbahnsteig ist ein Witz. Habe noch nie Besucher dort gesehen.

06.10.2012
13:19
Mein...
von hamicha | #3

Kunstverständnis sagt mir , daß die gesamten Gleisanlagen als Museum zu werten sind.
Ist der S-Bahnsteig eigentlich schon auf 96-er Höhe ? Nein ?
Sag ich doch........

06.10.2012
03:17
Bahnfan kritisiert Museums-Bahnsteig
von buerger99 | #2

Es wäre sinnvoller diese Gleise für normale Personenzüge nutzbar zu machen! Das würde bei Verspätungen der RB33 / RE5 / RB35 die Möglichkeit bieten die Züge schneller in den Bahnhof einfahren zu lassen. Auch würde es die Verspätungen eines ICEs in Bezug auf die RB33 entschärfen.
Aber zu solchen Gedanken ist nur die SBB fähig, die DB und vor allem der VRR kennen nur eins, Geld schäffeln und Fahrgäste abzocken ! Und DB Netz kenn nur eine Devise, "Downsizing" bis nix mehr geht ! Weil dann kann man ja wieder Geld vom Steuerzahler einfordern wenn man ausbauen muss !
Zahlt der LVR oder die Stadt eigentlich Miete an DB Station ? für Bahnsteige an einem ICE Bahnhof, Überdacht inkl. Fahrstuhl ?

05.10.2012
16:37
Bahnfan kritisiert Museums-Bahnsteig
von Mit_Schmackes | #1

In den ersten Jahren des Museumsbahnsteiges war es noch trostloser als jetzt.
Einfach Lok und Waggons da hingeklatscht und fertig.
Man hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, von einem der Waggons die Beschriftung "Schrott" zu entfernen, ein dezenter Hinweis auf die eigentlich zugedachte Bestimmung. Auf diesem Fahrzeug hatte auch ein Bäumchen schon eine beachtliche Größe erreicht, bevor es entfernt wurde.
Die Bezeichnung Museumsbahnsteig war schon immer ein schlechter Witz!

Aus dem Ressort
Tiefe Gräben zwischen Gemeinden in Oberhausen
Kirche
Seit dem Zusammenschluss kommt die Großpfarrei St. Pankratius nicht zur Ruhe. Der harte bischöfliche Eingriff in Osterfeld – Propst Hans-Ulrich Neikes wurde abberufen – ist umstritten. Viele Anrufe und Leserbriefe erreichten die Redaktion in den vergangenen Tagen.
Zuschuss für neue Straßenbahn 105 deutlich höher
Nahverkehr
Die Oberhausener Nahverkehrstochter Stoag muss für die 80 Millionen Euro teure Verbindungsstecke zwischen Essen-Frintrop und dem Centro deutlich weniger selbst zahlen als zunächst gedacht – weil Bund und Land sich stärker engagieren.
Oberhausener SPD beharrt auf Pflugbeil-Halle
Kommunalpolitik
Heftiger Streit zwischen den Parteien über die Würdigung von Lokalgrößen. Immerhin erhielt Hugo Baum (SPD) eine Straße – und jetzt auch Fritz Eickelen (CDU). Die Christdemokraten fordern klare Regeln für die Namensgebungen von Straßen, Plätzen und Gebäuden.
Neonazis stellen Gedenkkreuze in Oberhausen auf
Propaganda
Rechtsradikale haben offenbar zwei schwarze Holzkreuze in Oberhausen aufgestellt, um damit gegen Ausländer zu hetzen. Beweisen kann das weder die Stadt noch der Staatsschutz in Essen. Die Kreuze wurden entfernt. In mehreren Bundesländern hat es bereits ähnliche Fälle gegeben.
Oberhausener protestieren im Rathaus gegen Problemhaus
Soziales
Das so genannte Problemhaus in der Oberhausener Ruprechtstraße war Thema in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Alt-Oberhausen. Diese nutzten Bürger, um ihrem Ärger öffentlich Luft zu machen. Die Anwohner werfen der Stadtverwaltung Tatenlosigkeit vor.
Fotos und Videos