Baby aus dem Fenster geworfen - Mutter gesteht die Tat

Blumen und Kerzen wurden auf dem Bürgersteig zum Gedenken an das tote Baby abgelegt.
Blumen und Kerzen wurden auf dem Bürgersteig zum Gedenken an das tote Baby abgelegt.
Foto: Ulla Emig
Was wir bereits wissen
Eine 26-jährige Mutter hat ihr Baby in Oberhausen nach der Geburt aus dem Fenster geworfen. In Duisburg läuft die Verhandlung wegen Totschlags.

Duisburg/Oberhausen.. Sie hat ihr Baby ganz allein im Badezimmer ihrer Eltern zur Welt gebracht. Heimlich. Ihre Mutter im Nebenzimmer durfte nichts mitbekommen. Noch bevor der Säugling seinen ersten Schrei tat, hat die 26-Jährige das Fenster geöffnet und den wenige Sekunden alten Jungen hinausgeworfen, aus der zweiten Etage. Um die Geburt vor ihrem Umfeld geheim zu halten. So schilderte es die junge Oberhausenerin vor dem Duisburger Landgericht, wo sie sich seit Mittwoch wegen Totschlags verantworten muss.

Mit tränenerstickter Stimme erzählte die junge Frau, was an diesem Samstag Ende November vergangenen Jahres in der Wohnung in Oberhausen passiert ist. Wie sie schon nachts ein Ziehen im Unterleib spürte, wie später dann die Wehen einsetzten und ihre Fruchtblase platzte. Auf der Toilette hat sie ihren Sohn zur Welt gebracht.

Baby aus dem Fenster geworfen

Geplant sei das so nicht gewesen, sagte die 26-Jährige. Sie habe gewusst, dass sie schwanger sei. Sie habe das Kind in ihrer eigenen Wohnung zur Welt bringen wollen, um es dann in eine Babyklappe zu legen. Doch an diesem Wochenende war sie mit ihrer vierjährigen Tochter bei ihren Eltern.

Denen habe sie in den vergangenen Monaten mehrfach versichert, sie sei nicht schwanger. Sie habe lediglich zugenommen. Bei der Arbeit - die Angeklagte hatte im August eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin begonnen - konnte sie den Babybauch unter einer Schürze verbergen.

Sie habe das Neugeborene aus dem Fenster geworfen, in der Hoffnung, dass jemand den Säugling findet und sich kümmert. In dem Hinterhof würden meistens Kartons rumstehen. Dadurch sollte der Sturz des Babys abgefedert werden, sagte die Angeklagte. Doch es standen keine Kartons in dem Hof. Der rund 3200 Gramm schwere Junge schlug auf dem Betonboden auf und war nach Angaben des Gerichtsmediziners sofort tot. Nach der Geburt habe das Kind nachweislich gelebt.

Oberhausenerin wollte kein zweites Kind

Schon im Februar, als sie ihre Schwangerschaft bemerkte, habe sie den Entschluss gefasst, das Kind nicht behalten zu wollen. Sie wollte es abgeben. Ihr Partner, mit dem sie damals erst wenige Wochen liiert gewesen war, habe so schnell keine Kinder haben wollen. Davon war die heute 26-Jährige überzeugt. Sie selbst wollte auch kein zweites Kind - sie wollte ihre Ausbildung erfolgreich weiterführen und ihre Eltern nicht enttäuschen. Nicht schon wieder.

Kindstötung Sie habe lange das Gefühl gehabt, in den Augen ihrer Eltern versagt zu haben. Sie hat kein Abitur, ihre erste Ausbildung musste sie abbrechen, weil ihr Betrieb ihr gekündigt habe. Auch ihre erste Schwangerschaft sei für die Eltern erst einmal ein Schock gewesen. "Auch, wenn sie sich hinterher über das Enkelkind gefreut haben."

Es war damals nicht die erste (ungewollte) Schwangerschaft der jungen Frau. 2006 hat sie zum ersten Mal ein Kind erwartet. Die damals 17-Jährige hat es in den Niederlanden abtreiben lassen. So wie 2013 erneut. Die Eltern wussten davon nichts.

Verurteilung steht noch aus

Verhütet habe sie in ihrer neuen Beziehung allerdings nicht, gab sie auf Nachfragen des Richters zu. Warum? Keine Antwort. Ob sie denn nicht aus der Vergangenheit gelernt habe, fragte Richter Plein. Es sei schließlich keine Freude, in die Niederlande zu fahren, um dort abzutreiben. Auch darauf wusste die Angeklagte nichts zu sagen.

Bei einer Verurteilung wegen Totschlags sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren vor. In minderschweren Fällen kam es in der Vergangenheit, etwa in Wuppertal, auch bereits zu Bewährungsstrafen. Darauf kann die 26-Jährige nach jetzigem Stand aber offenbar nicht hoffen: Gericht und Staatsanwalt haben bereits in einem Rechtsgespräch mit dem Verteidiger deutlich gemacht, dass diese Strafe zu gering sei. Im Falle einer Verurteilung müsse die Angeklagte mit einer Strafe von sieben bis acht Jahren rechnen.

Am 3. Juni soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann sollen auch die Väter des toten Säuglings und der vierjährigen Tochter aussagen.