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Automatische Ausleihe in der Bibliothek

29.10.2009 | 19:07 Uhr

Die Nutzer scannen in Zukunft selbst beim Ausleihen in der Bücherei - die Bibliothek zwischen Aufbruch und Wehmut.

In der Stadtbibliothek soll die Ausleihe künftig automatisch ablaufen. Wo derzeit Mitarbeiter anpacken, legen die Nutzer ihre Buchauswahl dann auf ein Lesegerät, das die mit einem Chip versehenen Medien scannt – ein bisschen wie bei den modernen Supermarktkassen ohne Kassierer. Voraussichtlich ab Dezember soll die Technik in den Zweigstellen zum Einsatz kommen, in der Zentrale nach dem Umbau des Bert-Brecht-Hauses.

200 000 bis 300 000 Euro kostet die Umrüstung, die Hälfte davon trägt das Land. Das so genannte „Selbstverbuchungssystem” soll nicht zuletzt dazu beitragen, dass die Zweigstellen trotz Personalabbaus erhalten bleiben können – wobei Bibliotheksdirektor Ronald Schneider betont, niemand müsse eine vollautomatische Bücherei fürchten.

Große Erwartungen vor dem Umbau

„Mindestens zwei Mitarbeiter” sollen stets vor Ort sein. Und die, sagt Schneider, haben dann mehr Zeit für Beratung. Der Vergleich mit dem Supermarkt sei also insofern richtig, als dass die Angestellten nicht an der Theke sitzen, sondern dem Kunden zeigen, „in welchem Regal denn nun der Kaffee oder die leckere Schokolade zu finden ist”.

Ohnehin hält Schneider die Neuerung für dem Nutzerverhalten angemessen: „Die meisten machen am liebsten alles alleine. Erst, wenn sie nicht zurecht kommen, wenden sie sich an den Bibliothekar.” Dass ältere Nutzer Schwierigkeiten haben könnten mit der neuen Technik, ist ihm bewusst. „Es wird solche geben, die Hilfe brauchen und die werden sie auch bekommen.”

Die Änderung bei der Ausleihe ist eine von vielen, die die Bibliothek derzeit erfährt. Seit der Kulturausschuss vor genau einem Jahr dem Ratsbeschluss zur Haushaltskonsolidierung zustimmte, ist wohl kaum eine andere kulturelle Einrichtung in der Stadt durch ein derartiges Wechselbad der Gefühle gegangen wie die Bücherei – durfte man sich dort nach schmerzhaften Einschnitten doch zuletzt freuen über die Nachricht vom Umbau.

„Das war ein enormer Schub an Positivität”, sagt Schneider. „Endlich haben wir die Chance, für den Bürger sichtbar zu werden.” Derzeit fänden immer weniger Menschen den Weg zu der Einrichtung im ersten Obergeschoss des Bert-Brecht-Hauses. „Seit die Meldestelle weg ist, bröckelt die Zahl der Besuche Jahr für Jahr.” Bei 150 000 bis 200 000 liegt man laut Schneider inzwischen, zu besseren Zeiten seien es auch schon mal 250 000 gewesen.

Rund die Hälfte der Bücherbus-Leser verloren

Während die Hauptstelle demnächst also attraktiver wird, ist die Bücherei in der Breite weniger präsent. Sieben Mitarbeiterstellen hat man im laufenden Jahr abgebaut, die Vertretung in Lirich wurde geschlossen, der Bücherbus aus dem Verkehr gezogen. „Darüber sind wir immer noch traurig”, sagt Schneider. Zwar habe man von den 5000 bis 6000 Nutzern des mobilen Magazins die Hälfte halten können, „aber die andere Hälfte ist verloren, das ist bitter.”

Es seien vor allem die ganz Alten und die ganz Jungen, die sie nicht mehr sehe, sagt Katja Arends, ehemals gute Seele des Bücherbusses und nun in der Zentrale eingesetzt. Die Älteren hätten keine Möglichkeit, die weiten Wege aus entlegenen Stadtteilen zu überwinden, zumal beladen mit Büchern. „Und welcher Siebenjährige darf schon alleine in die Stadt fahren?”

Helen Sibum

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