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29.10.2008 | 19:39 Uhr 2008-10-29T19:39:52+0100STADTBIBLIOTHEK. Der Kulturausschuss hat beschlossen, was lange geplant war: Der Bücherbus rollt Ende des Jahres aus.
Zum Ende des Jahres wird der Bücherbus stillgelegt, die Zweigstelle Lirich der Stadtbibliothek geschlossen: Was der Rat mit seinem Beschluss zur Haushaltskonsolidierung vorgegeben hatte, hat der Kulturausschuss jetzt endgültig beschlossen. Den Vertrag mit den Wirtschaftsbetrieben Oberhausen, die für den Betrieb des Busses zuständig sind, hatte Bibliotheksdirektor Ronald Schneider schon im Juni gekündigt, um die Frist zu wahren. Der Bus ist bereits jetzt nur noch an zwei Tagen unterwegs, früher waren es vier.
Neben der Abschaffung dieser beiden Angebote hat die Bücherei aber auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen: Wegen der Haushaltssperre, die der Kämmerer verhängt hat, können keinen neuen Bücher, CDs und DVDs angeschafft werden: "Die Neuerscheinungen der zweiten Jahreshälfte kommen bei uns nicht an", sagt Ronald Schneider. Sonst würden jährlich rund 30 000 Medien angeschafft, 2008 seien es höchstens 15 000. Schneiders große Sorge ist, dass die Haushaltssperre auch im kommenden Jahr aufrecht erhalten werden muss: "Dann sind wir irgendwann ein modernes Antiquariat."
Weniger neue Medien bedeutet sinkende Attraktivität für die Benutzer der Bücherei - denen sie allerdings mehr Geld abnehmen muss, auch das steht im Haushaltskonsolidierungskonzept. Wann und um wie viel die Gebühren erhöht werden, konnte Schneider gestern noch nicht sagen. Rund 400 000 Euro gibt die Stadtbibliothek jährlich aus, um ihre Bestände zu aktualisieren und die Schulbüchereien zu modernisieren; 2008 waren es etwa 200 000 Euro, bevor die Haushaltssperre griff. "Unser Problem im Gegensatz etwa zur Ludwig Galerie oder zum Theater ist, dass wir keine langfristigen Planungen haben", erklärt Schneider das Dilemma, "deshalb sind bei uns die Mittel vertraglich nicht gebunden" - und lassen sich so relativ leicht einsparen.
Irgendwann sind die Lücken nicht mehr aufzufüllen
Was passiert, wenn nächstes Jahr auch keine neuen Medien angeschafft werden können? "Irgendwann reißt es Lücken, die man nicht mehr auffüllen kann", sagt Schneider, "dann sitzt der Gilb in unseren Beständen, dann bleiben die Bürger weg, nutzen andere Bibliotheken." Einen großen Teil der Nutzer des Bücherbusses glaubt Schneider verloren - weil sie häufig nicht mobil genug seien, um andere Zweigstellen der Stadtbibliothek zu besuchen.
Irgendwie soll die Bücherei auch weiter Kindertagesstätten und Grundschulen mit Medien versorgen, an einem Konzept wird gearbeitet. Es soll in etwa so funktionieren, dass Erzieherinnen und Lehrerinnen mit Bibliothekarinnen Buchpakete zu bestimmten Themen, die in den Einrichtungen behandelt werden, abstimmen. Die bekommen sie dann in "Leserucksäcken" zur Verfügung gestellt. "Aber auch das geht nur, wenn wir wieder einen Etat haben", gibt Schneider zu bedenken. Das Konzept soll in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses beraten werden.
Bevor sie mit ihren Fraktionen für die Abschaffung des Bücherbusses und der Stadtbibliothek Lirich stimmten, stellten die kulturpolitischen Sprecher der Fraktionen der SPD und CDU klar, dass ihnen die Versorgung von Kindergärten und Schulen mit Büchern wichtig sei. Die Linke Liste und die Grünen stimmten gegen den Beschluss.

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