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„Ausbeutung gibt es nicht mehr“

19.09.2011 | 19:09 Uhr
„Ausbeutung gibt es nicht mehr“
„Ein höherer Verdienst wäre sicherlich ein Ansporn für die Jugendlichen, eine Ausbildung in der Gastronomie zu machen", sagt Katja Hübner von der Arbeitsagentur in Oberhausen. Foto : Markus Weißenfels / WAZ FotoPool

Oberhausen.Arbeiten, wenn alle anderen Feierabend haben, Betten machen, Badezimmer putzen, immer freundlich sein und Gäste bedienen, auch mal Überstunden machen – die Jobs im Gastronomiebereich sind anstrengend und sicher nicht für jeden geeignet. Bei Jugendlichen ist der Beruf deshalb oft wenig beliebt. Im aktuellen Ausbildungsreport, bei dem Jugendliche ihre Stelle bewerten, schneidet die Lehre in Restaurants und Hotels am Schlechtesten ab.

Yvonne Sachtje, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, spricht von der „Gelben Azubi-Karte“ und bemängelt die nicht ausreichende Betreuung der Azubis, unbezahlte Überstunden als Normalität und Arbeiten, die mit dem späteren Beruf wenig gemeinsam hätten.

Abbrecherquote hoch

Diese sind für Sachtje auch die Gründe, weshalb die Branche mit geringen Bewerberzahlen und vielen Abbrechern zu kämpfen habe. Uschi Wischermann, Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Oberhausen, ist anderer Meinung. Durch den demografischen Wandel würden Fachkräfte und Jugendliche zwar weniger, doch betreffe das alle Branchen gleichermaßen. „Einen Mangel kann ich nicht feststellen. Das bedeutet nur, dass sich auf eine Stelle nicht 60, sondern vielleicht 40 Leute bewerben.“

Zwar sei die Abbrecherquote generell höher als in anderen Ausbildungsberufen, doch liege dies nicht an einer womöglichen Ausbeutung der Azubis. „Manchmal stellen die Jugendlichen einfach fest, dass der Beruf doch nicht passt und anstrengender ist, als sie zuvor dachten. Ich kenne aber kaum einen Fall, bei dem man sich mit bösem Blut trennte.“

Nach Einschätzung der Dehoga-Vorsitzenden ist Ausbeutung heutzutage kein Thema. „Wem als Azubi die Zeiten nicht passen oder wer sich ausgenutzt fühlt, der geht. Das lässt doch keiner mit sich machen. Außerdem würde sich sowas schnell rumsprechen. Die Hotels und Gaststätten in Oberhausen würden sich das schon deswegen nicht erlauben.“ Mit den fünf Auszubildenden im eigenen Hotel ist Wischermann sehr zufrieden. „Viele meckern immer über ‘die Jugend von heute’. Ich muss sagen, meine Azubis sind sehr reif und vernünftig. Und wenn die beispielsweise bei einer Hochzeit helfen dürfen, arbeiten sie gerne auch mal länger.“

Einen auffälligen Anstieg von Ausbildungswechseln, weg von der Gastronomie in andere Bereiche, können auch Heinz-Jürgen Guss vom Bereich Aus- und Weiterbildung der IHK Essen und Katja Hübner von der Arbeitsagentur in Oberhausen nicht feststellen.

„In Zahlen lässt sich das überhaupt nicht bestätigen“, so Guss. „Und wenn Azubis unzufrieden sind oder es Unmut wegen Arbeitsbedingungen und -zeiten gibt, sind wir da, um zu helfen. Die Beschwerden sind aber auch nicht mehr geworden.“

Jugendliche, die einmal in der Ausbildung seien, blieben meist. „Die haben sich vorher erkundigt und wissen, was auf sie zukommt. Aber generell ist dieser Zweig nicht so beliebt“, sagte Hübner. Um die Ausbildung attraktiver zu machen, würde Hübner sich über finanzielle Anreize freuen. „Ein höherer Verdienst wäre sicherlich ein Ansporn für die Jugendlichen, eine Ausbildung in der Gastronomie zu machen.“ Die Idee gefällt auch Uschi Wischermann. „Klar, würde ich gerne mehr zahlen. Da das dann aber auch bedeuten würde, dass dann die Preise für die Gäste steigen, ist das nicht so einfach.“

Anna Blaswich

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