Aus Patenschaft wird Freundschaft

Erika Wirtz (l.) war Ausbildungspatin von Christina von Wysocki. Heute sind die beiden befreundet.
Erika Wirtz (l.) war Ausbildungspatin von Christina von Wysocki. Heute sind die beiden befreundet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Erika Wirtz unterstützte Christina von Wysocki in ihrer Schulzeit in Oberhausen. Die Rentnerin und die Studentin sind mittlerweile enge Freunde geworden

Oberhausen..  Was als Ausbildungspatenschaft beginnt, kann in eine Freundschaft münden. Diese Erfahrung haben Christina von Wysocki (23 Jahre) und Erika Wirtz (71 Jahre) gemacht. Sie kennen sich seit 2007, Christina war damals Schülerin am Hans-Sachs-Berufskolleg. Es war das Jahr, in dem auch das Patenschaftsprojekt in Oberhausen startete.

Langjährige Berufserfahrung

„Ich hatte damals von dem Projekt gelesen und mir war klar, dass ich das gerne machen würde, denn ich mag Menschen“, sagt Wirtz. 37 Jahre Berufserfahrung, eine Vielzahl an Einstellungsgesprächen mit jungen Nachwuchskräften, dazu Kenntnisse in Rhetorik und Qualifizierungsprogrammen waren eine hervorragende Grundlage dafür, einen Berufsschüler in seinem letzten Schuljahr und im ersten Ausbildungsjahr zu begleiten.

Aus der Sache mit der Ausbildung wurde bei Christina von Wysocki allerdings nichts, sie machte Fachabitur und entschied sich dann doch zu einem Studium der Sozialen Arbeit, erlangte den Bachelor-Abschluss und studiert heute Psychologie an der Fernuni in Hagen.

2007, als 16-Jährige, war dieser Weg noch nicht so eindeutig absehbar. „Ich war eigentlich eine ganz gute Schülerin, wenn ich auch in Mathe eine Fünf hatte. Klar war, dass ich entweder einen sozialen Beruf oder einen in der Hotelerie erlernen würde“, erinnert sie sich. Ihre Klassenlehrerin machte sie auf die Ausbildungspatenschaft aufmerksam. „Ich kannte das gar nicht, ich habe meiner Lehrerin einfach vertraut und gedacht, ich guck mir das mal an.“ Patin und Patenschülerin trafen sich in der Schule, sprachen miteinander und stellten fest, dass die Chemie zwischen ihnen stimmte.

Übergang Schule/Beruf

„Wir trafen uns dann immer nach Bedarf, zuerst in der Schule, später auch mal bei mir oder auch woanders. Wir bereiteten Bewerbungsschreiben vor, gingen gemeinsam zu Unternehmen, die Praktika anboten“, erinnert sich Wirtz. Paten geben Anregungen und Anstöße, sorgen dafür, dass der Übergang Schule/Beruf strukturiert und möglichst konsequent verläuft. „Ich habe Christina nicht gegängelt. Sie wusste eigentlich, was sie wollte, ich habe sie dabei unterstützt.“ Es sei angenehm gewesen, Frau Wirtz an ihrer Seite zu haben. „Druck habe ich nicht verspürt“, sagt Christina von Wysocki. Und, was sehr wichtig ist: Ihre Mutter habe die Patenschaft nicht als Einmischung in familiäre Angelegenheiten betrachtet.

Als fest stand, dass die Berufsschülerin keine Ausbildung machen, sondern studieren würde, klapperte Erika Wirtz mit ihr mehrere Universitäten im Land ab. „Wir waren in Münster, Köln, Mönchengladbach, Bochum, Dortmund und sprachen mit vielen Professoren.“ Am Ende wurde es die Hochschule Niederrhein.

„Aufgrund meines guten Abi-Schnitts konnte ich mir die Uni aussuchen“, sagt von Wysocki. „In Mathe schloss ich übrigens mit einer Drei ab.“